VOLKACH

Ökolandbau: Mit der Natur, nicht gegen die Natur

„Stellt der Bio-Anbau unsere landwirtschaftliche Zukunft dar oder ist er lediglich eine kleine Nische, also mehr eine Randerscheinung für die Ernährung der Bevölkerung?“ Mit dieser provokanten Frage eröffnete der Vorsitzende des Bund Naturschutz Volkach die Jahreshauptversammlung.
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„Stellt der Bio-Anbau unsere landwirtschaftliche Zukunft dar oder ist er lediglich eine kleine Nische, also mehr eine Randerscheinung für die Ernährung der Bevölkerung?“ Mit dieser etwas provokanten Frage eröffnete Willi Freibott, Vorsitzender der Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN) Volkach, die Jahreshauptversammlung im katholischen Pfarrheim Volkach.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand dem Pressetext zufolge das Thema „Ökologische Landwirtschaft“ mit dem Referenten und langjährigen Biobauern Hans Plate aus Hüttenheim. „ Die industriell geführte Landwirtschaft versucht heute immer mehr, die Natur zu verdrängen. Der Weg der Landwirtschaft kann aber nur dann zukunftsträchtig sein, wenn der Anbau mit der Natur und nicht gegen die Natur erfolgt“, wird Plate zitiert.

Die ökologische Landwirtschaft habe – im Gegensatz zur konventionellen – eine Tradition und einen Erfahrungsschatz von Jahrtausenden. Genau genommen habe der ökologische Landbau mit Kulturpflanzen in der Steinzeit vor etwa 10 000 Jahren begonnen. In dieser Zeit seien auch die Nutztiere wie Ziegen und Schafe domestiziert worden.

Im Laufe der Jahrtausende seien immer mehr Kulturpflanzen, wie die Hülsenfrüchte und mehr Haustiere wie Schwein, Rind, Pferd und Esel dazugekommen. In diesen langen Zeiträumen hätten die Menschen Erfahrungen über die Nährstoffkreisläufe sammeln können. So seien Fruchtfolgen eingeführt worden, die Krankheiten der Pflanzen vermeiden helfen. Wenn beispielsweise nach dem Getreide auf derselben Fläche Kartoffeln angebaut werden, dann könnten sich die auf das Getreide spezialisierten Schadinsekten und Pilze nicht weiter entwickeln.

Heute habe der Ökolandbau den Fruchtwechsel professionalisiert und halte beispielsweise durch Untersaat wie Klee, überwuchernde Wildpflanzen wie Ackerdisteln im Zaum. „Man muss bei der biologisch-dynamischen Landwirtschaft sehr viel Wissen und Erfahrung mitbringen, um erfolgreich zu sein. Aber dieses alte Wissen ist ja vorhanden“, betonte der studierte Landwirt.

Als sehr erfreulich bezeichnete er die Steigerung der Anzahl von Öko-Betrieben in Deutschland von 6000 im Jahr 1994 auf 23 000 im Jahr 2013. Immer mehr würden erkennen, dass reine Agrarlandschaften nicht nur die heimische Tier- und Pflanzenwelt treffen, sondern langfristig den Menschen die Lebensgrundlage entziehen.

Auf die Frage aus dem Publikum, wie sich die konventionelle Landwirtschaft stärker in natürliche Zusammenhänge einbinden ließe, kam die deutliche Antwort: „Durch eine gezieltere und höher angesetzte Förderung lässt sich mehr Natur in die oft ausgeräumten und strukturarmen Landschaften bringen. Mehr Förderung für weniger Einsatz von Gift, für die Zulassung von breiten Heckenstreifen, für nicht gemähte, blühende Ackerrandstreifen, für die Duldung von Wildkräutern in Getreidefeldern, für die Saat von Wildblumenwiesen, für das sparsamere Pflegen von Brachflächen und Gräben würde sicherlich einen positiven Wandel in der Flur bewirken.“

Nach dem Vortrag berichtete Freibott von Aktivitäten der Ortsgruppe. Der Vorsitzende hob das vom Staatlichen Bauamt initiierte Monitoring der Amphibientunnelanlage am Rothenbachsee hervor, das vom BN Volkach tatkräftig unterstützt wird.

Besonders freute sich Freibott über die Aktionen der Kindergruppe, die den Fünf- bis Zwölfjährigen aufzeigen sollen, wie wertvoll die Natur ist, und dass es Spaß macht, sich mit ihr zu befassen. Auch die Jugendgruppe will trotz hoher Belastung der Mitglieder im Alltag wieder einige Aktivitäten in diesem Jahr entwickeln, heißt es abschließend in dem Bericht.

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