KITZINGEN/MARKTBREIT

Öko-Krawatte für Herausforderer

Ein Kandidat, den (fast) keiner kennt: Mit dem 45-jährigen Rafiq Iqbal als Gegner von Tamara Bischof (Freie Wähler) bei der Landratswahl am 23. September hat das frisch gebackene Kreis-Bündnis von Grünen und Ödp eine Überraschung gelandet. Und dem politischen Klima im Landkreis ein demokratisches Hoch beschert: Die Bürger dürfen nicht nur wählen, sondern haben auch die Wahl.
Artikel drucken Artikel einbetten
Öko-Bündnis mit Spitzenkandidat: Bei einem Vorstellungstermin in Marktbreit präsentierten die Kreis-Spitzen von Grünen und Ödp ihren Landrats-Kaniddaten Fariq Iqbal und überreichten ihm als Starthilfe junges Gemüse und eine Krawatte in den Parteifarben Grün und Orange: (von links) Grünen-Kreisvorsitzender Heiner Schmitt, Grünen-Kreisrat Hans Plate, Fariq Iqbal und Ödp-Fraktions-Chef Jens Pauluhn. Foto: Foto: Harald Meyer

Ein Kandidat, den (fast) keiner kennt: Mit dem 45-jährigen Rafiq Iqbal als Gegner von Tamara Bischof (Freie Wähler) bei der Landratswahl am 23. September hat das frisch gebackene Kreis-Bündnis von Grünen und Ödp eine Überraschung gelandet. Und dem politischen Klima im Landkreis ein demokratisches Hoch beschert: Die Bürger dürfen nicht nur wählen, sondern haben auch die Wahl. Und einen Kandidaten, der weder als Kreis-, noch als Gemeinde- oder Stadtrat politisch „verdächtig“ ist.

Die (Aus-)Wahlchance heben die Spitzen beider Parteien beim gemeinsamen Vorstellungstermin in Marktbreit hervor. Der Konkurrent für Bischof sei „aus politischer Überzeugung“ heraus gekürt worden, betont Ödp-Kreischef Jens Pauluhn. Ohne Gegenkandidat – 2006 hatte Bischof einen Alleingang – komme irgendwann bei Politikern der „Punkt der Selbstgefälligkeit“.

„Wir wollen den nächsten Landrat stellen, nicht ein achtbares Ergebnis einfahren.“

Jens Pauluhn Ödp–Kreisvorsitzender

Wenig Sympathie beim Öko-Bündnis genießen CSU und SPD für ihren Verzicht auf eigene Bewerber um das Landratsamt. Da sei wohl die Angst vor der Niederlage das entscheidende Motiv, vermuten die Parteien in einer Pressemitteilung. Zudem ist eine Niederlage gegen Bischof kein Thema für das Bündnis: „Wir wollen den nächsten Landrat stellen, nicht nur ein achtbares Ergebnis einfahren“, sagt Pauluhn.

„Sachthemen“ sollen dabei im Vordergrund stehen, nicht der Schlagabtausch, betont Kandidat Iqbal. Der Marktbreiter mit familiären indischen Wurzeln setzt dabei vor allem auf die ökologische Kompetenz von Grünen und Ödp – und auf sein Expertenwissen als Diplomingenieur für Energietechnik. Ein Angriffspunkt des 45-Jährigen ist die Energiewende. Die sieht er vernachlässigt. Außer „Worthülsen“ in einem teuren Gutachten habe der Kreis in drei Jahren wenig bewegt.

Was der 45-Jährige besonders kritisiert: Der Landkreis übe keine Führungsrolle aus, wenn es um dezentrale Energieversorgung oder „regionale Wertschöpfung“ gehe. Dabei müsse er es als zentrale Aufgabe ansehen, Gemeinden und Bürger auf eine Linie einzuschwören. Dies gelte auch für die Familienpolitik. Iqbal, der fünf Kinder hat, will mehr Engagement für Kinderbetreuung im Kreis: „Junge Menschen sollen den Wunsch haben, eine Familie zu gründen.“

Als „gute Demokratin“ hält Landrätin Bischof den Mitbewerber für einen Gewinn bei der Wahl, die zuletzt – 2006 – nur jeden vierten Wahlberechtigten an die Urnen führte. Iqbals Kritik an dem Umgang des Kreises mit der Energiewende, weist Bischof jedoch zurück. Der Kreis sei sehr früh „auf diesen Zug aufgesprungen“, habe sein Energiekonzept fast fertig und sei im Bereich erneuerbare Energien deutlich weiter als andere Landkreise.

Den öffentlichen Wahlkampf starten Iqbal und das Öko-Bündnis am 25. März im Innopark Kitzingen: Da laden Grüne und Ödp zwischen 12 und 17 Uhr zum „Grünen Energiefrühling“ – mit Ausstellern aus der Branche der erneuerbaren Energien und der Elektromobilität.

Übrigens: Iqbal ist zwar als Diplomingenieur für einen Großkonzern in Nürnberg gut beschäftigt, allerdings auch mehrfach ehrenamtlich engagiert. So ist er Vorsitzender des Verbandes „Verband Anwalt des Kindes“ innerhalb des Kinderschutzbunds. Bei den Grünen ist er im Landesarbeitskreis Energie aktiv und Beisitzer im Vorstand des Landesarbeitskreises Migration.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren