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Kitzingen

OB-Wahl in Kitzingen: Favorit Stefan Güntner siegt im Endspurt

Stefan Güntner (CSU) wird neuer Oberbürgermeister in Kitzingen. Er setzte sich in der Stichwahl gegen Manfred Paul (SPD) durch. Allerdings gibt es eine ärgerliche Wahlpanne.
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Stefan Güntner (CSU), der neue Oberbürgermeister der Stadt Kitzingen ab 1. Mai 2020, auf dem Weg ins Rathaus. Foto: Andreas Brachs
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Stefan Güntner (CSU) wird ab 1. Mai 2020 Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Kitzingen sein. In der Stichwahl erreichte er 58,81 Prozent der Stimmen. Sein Gegenkandidat Manfred Paul  (SPD) kam auf 41,19 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,7 Prozent. 16 682 Bürger waren wahlberechtigt.

Güntner sitzt seit sechs Jahren im Kitzinger Stadtrat und vertritt auch seither als Bürgermeister den Oberbürgermeister Siegfried Müller (UsW), der bei den Kommunalwahlen 2020 nicht mehr kandidiert hatte.

Gewinnergefühle: Erleichterung, Freude, Dankbarkeit

Den Gewinner, Stefan Güntner, bewegten drei Gefühle, wie er sagte: Erleichterung, Freude und Dankbarkeit. "Es macht keinen anderen Menschen aus mir, aber es legt mir mehr Verantwortung auf die Schultern", kommentierte er das Wahlergebnis. "Aber das ist ja so gewollt."

Mit der Wahlbeteiligung von knapp 50 Prozent war Güntner am Ende zufrieden. Dennoch hätte man mit mehr rechnen können, weil die Wähler die Unterlagen nach Hause geschickt bekommen hätten und man versucht habe, möglichst viele zum Wählen zu animieren.

Andererseits räumte Güntner ein: "Die Wahl ist nicht optimal gelaufen." Damit bezog er sich auf die Panne, dass möglicherweise mehrere Hundert Bürger – die genaue Zahl kannte Güntner nicht – ihre Briefwahlunterlagen nicht per Post bekommen hatten. In Anrufen und im Internet hatten sich Wähler darüber beschwert. "Das ist offensichtlich ein Wahlverstoß", stellte der Jurist Güntner fest. Allerdings sei er sich nicht sicher, ob die Wahl damit ungültig und somit anfechtbar sei. Das müsse nun zunächst der Wahlausschuss der Stadt prüfen und anschließend das Landratsamt als Aufsichtsbehörde.

Ärgerliche Wahlpanne

Güntner gab zu: Wäre das Ergebnis knapp gewesen, wie beispielsweise in Wiesentheid, hätte er sicherlich zusammen mit seinem Mitbewerber Manfred Paul auf eine Wiederholung gedrängt. Als die Stadt von dem Missstand erfahren habe, habe sie offensiv auf die Möglichkeit hingewiesen, sich noch bis Samstagmittag im Einwohnermeldeamt die fehlenden Briefwahlunterlagen abzuholen. Ein Teil der Betroffenen habe dies auch in Anspruch genommen.

Zum Wahlergebnis sagte Güntner: Die CSU habe "eine sehr gute Stadtratsliste mit guten Persönlichkeiten" aufgestellt und wohl deshalb mehr Stimmen als vor sechs Jahren eingesammelt. Allerdings habe das nicht für einen Zuwachs bei den Sitzen gesorgt. Sein persönlicher Vorteil sei sicher gewesen, dass er als Stellvertreter des Oberbürgermeisters sechs Jahre lang Zeit gehabt habe, sich den Bürgern bei vielen Veranstaltungen präsentieren zu können. Außerdem glaubt er auch, bei Themen wie Kinderbetreuung und Innenstadtentwicklung gepunktet zu haben.

Mit Blick auf die zehn politischen Gruppierungen, die ab Mai im Kitzinger Stadtrat vertreten sein werden, sagte Güntner: "Der Stadtrat wird noch bunter; das wird nicht ganz einfach." Er wolle die Zeit nutzen, Gemeinsamkeiten auszuloten, sich mit den anderen Fraktionen auf Prioritäten und Projekte zu einigen, um gemeinsam in eine Richtung zu gehen. "Es wird ein wirklich spannender Teil meiner Aufgabe als OB sein, für Mehrheiten zu sorgen."

Den Wahlabend verbrachte der Gewinner mit seiner Familie zu Hause. Eine Wahlparty werde es nach der Corona-Krise geben, versicherte er. Zur Feier des Tages gönnte sich Güntner, der prinzipiell keinen Alkohol trinkt, ein Glas Cola und ein Stück Schokolade. "Dann werden die Kinder ins Bett gebracht."

Sportlicher Verlierer

Der Verlierer der Stichwahl, Manfred Paul (SPD), nahm das Ergebnis sportlich. Sein Konkurrent habe deutlich gewonnen und er habe ihm auch umgehend telefonisch gratuliert, sagte Paul am Sonntagabend, den er zu Hause mit seiner Frau verbrachte. Am Ende sah Paul zwei entscheidende Faktoren für seine Niederlage: die Parteizugehörigkeit zur SPD und sein Alter von 62 Jahren; er hätte nur eine Periode lang amtieren dürfen. "Das habe ich zu akzeptieren", sagte der Unterlegene. "Jetzt muss Herr Güntner liefern."

Paul dankte seinem Wahlkampfteam unter Leitung von Thomas Most und seiner Ehefrau Brigitte Endres-Paul, mit der er ab Mai zusammen in der SPD-Fraktion des Stadtrats sitzen wird. Denn Manfred Paul ist nun erstmals in das Gremium gewählt worden, in das seine Ehefrau erneut einziehen wird.

Paul bietet kritisch-konstruktive Mitarbeit an

Über seinen Wahlkampf sagte Paul, dass er und sein Team alles richtig gemacht hätten. Sie hätten die Themen gesetzt. "Ich würde nichts anders machen", lautete sein Fazit. Mit dem kommenden OB Stefan Güntner will Paul "kritisch und konstruktiv" zusammenarbeiten. Allerdings wolle die SPD auch ihre Schwerpunkte setzen und Ziele erreichen.

Dass ganze Straßenzüge von Kitzingen die Briefwahlunterlagen nicht erhalten haben, hatte auch Paul mitbekommen. Offenbar ist das auf einen Fehler der Post zurückzuführen, denn die Stadtverwaltung teilte auf Anfrage der Redaktion mit, dass sie alle Unterlagen am Montag, 23. März, der Post zur Verteilung übergeben habe.

Paul will von sich aus die Wahl nicht anfechten. Dazu sei der Unterschied von 1455 Stimmen zwischen ihm und Güntner wohl doch zu groß. Ansonsten vertraue er auf eine Aufarbeitung des Vorfalls durch den Wahlausschuss. Den Abend verbrachte Paul mit seiner Ehefrau und war über Telefon mit seiner Familie und Unterstützern verbunden. Immerhin gönnte sich der Verlierer dann doch ein Gläschen Sekt.

Rückblick auf die Ausgangslage

Das war die Ausgangslage: In der Großen Kreisstadt Kitzingen hatten sich ursprünglich fünf Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters beworben. Stefan Güntner (CSU) erreichte im ersten Wahlgang 42,9 Prozent. Sein Mitbewerber in der Stichwahl, Manfred Paul (SPD), kam auf 22,6 Prozent. Güntner war schon bei der OB-Wahl 2014 in die Stichwahl gekommen, damals aber noch dem Amtsinhaber Siegfried Müller (UsW) mit 47,5 zu 52,5 Prozent unterlegen.  Die anderen OB-Bewerber vor 14 Tagen: Uwe Pfeiffle (FW-FBW) war bei seiner zweiten OB-Kandidatur nach 2014 mit 18,2 Prozent ebenso gescheitert wie die Neulinge Andrea Schmidt (Grüne) mit 11,8 Prozent und Bianca Tröge (ÖDP) mit 3,8 Prozent.