WIESENBRONN

Nur der Verkehr ist eine Last

„Ein Problem.“ Doris Paul wiederholt die Worte mehrfach, während sie nachdenkt über die Frage, mit welchen Problemen Wiesenbronn zu kämpfen hat. So richtig fällt der Bürgermeisterin erst nichts ein. Vielleicht, weil sie sich an das größte schon so sehr gewöhnt hat: Die vielen Fahrzeuge, die Tag für Tag durch den Ort fahren. Und am Ende gibt sie dann doch genau diese Antwort: „Der Verkehr und die Engstelle am Rathaus.“
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Die Trasse wird freigehalten: Zwischen der Wohnbebauung und dem Gewerbegebiet ist Platz für eine Umgehung. Über diese Straße wird schon lange diskutiert, ab 2024 steht sie im Ausbauplan. Foto: Foto: Daniela Röllinger
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„Ein Problem.“ Doris Paul wiederholt die Worte mehrfach, während sie nachdenkt über die Frage, mit welchen Problemen Wiesenbronn zu kämpfen hat. So richtig fällt der Bürgermeisterin erst nichts ein. Vielleicht, weil sie sich an das größte schon so sehr gewöhnt hat: Die vielen Fahrzeuge, die Tag für Tag durch den Ort fahren. Und am Ende gibt sie dann doch genau diese Antwort: „Der Verkehr und die Engstelle am Rathaus.“

Wiesenbronn wächst langsam, aber stetig. 1002 Bürger hatte die Gemeinde Ende vergangenen Jahres, 2008 waren es noch 985. Es ist eine Entwicklung, die Doris Paul natürlich freut. Weil die Einheimischen in den Baugebieten Häuser errichten, aber auch Bürger anderer Gemeinden in den Ort ziehen. So ist der zweite Bauabschnitt des Baugebietes Am Geisberg schon voll, die Planungen für eine Erschließung eines dritten Bauabschnittes laufen. „Spätestens Mitte nächsten Jahres wollen wir loslegen“, sagt Doris Paul. 23 Bauplätze stehen dann wieder zur Verfügung.

Auch beim Kindergarten macht sich die positive Entwicklung bemerkbar. Der erweiterte Kindergarten bietet zwei Gruppen und einer Krippe Platz, doch das Limit sei schon wieder erreicht. Nun laufe der Antrag, noch mehr Kinder aufnehmen zu können. Während im Baugebiet also die Entwicklung gut voranschreitet, schaut es im Ortskern etwas ernster aus. Bis zu 20 Leerstände gab es da schon. Für das Leerstandsmanagement wurde ein Handout erstellt, erzählt die Bürgermeisterin, und alleine dadurch hätten sich Anfragen ergeben. „Inzwischen sind etliche Häuser wieder bewohnt.“

Die Nahversorgung passt

Wie in vielen Orten hängen die Leerstände mit dem landwirtschaftlichen Wandel zusammen, einige Hofstellen stehen leer. Doch es gibt noch Landwirtschaft im Ort, etwa 15 Betriebe, manche davon im Zuerwerb. Einige seien größer und es gebe durchaus Nachfolger. „Wir haben schon noch ganz schön viele Tiere“, sagt die Bürgermeisterin, „bestimmt 350 Rindviecher.“ Zu den Landwirten kommen natürlich Winzer – schließlich ist Wiesenbronn die „Rotweininsel“. Zwei Heckenwirtschaften gibt es, und die Nachfrage für mehr wäre laut Paul da. Dazu kommen zwei Gasthäuser, Friseur, zwei Bankfilialen und der Krämerladen mit Metzgerei, Bäckerei und Poststelle. „Wir sind überglücklich, dass wir den Krämerladen haben“, betont Doris Paul. Kein Wunder: Was die Nahversorgung angeht, blicken andere Gemeinden sicherlich neidisch nach Wiesenbronn.

Gut gefüllt ist auch das Gewerbegebiet. Ursprünglich war es für 18 verschiedene Betriebe ausgelegt, tatsächlich sind es nur drei geworden. Aber nicht, weil Plätze leer blieben, sondern weil die bestehenden Betriebe sich immer mehr erweiterten. Auch jetzt wollen sich wieder zwei Unternehmen vergrößern. Bemerkbar macht sich das Gewerbegebiet natürlich bei den Arbeitsplätzen. Allein für die beiden großen Betriebe arbeiten fast 200 Leute.

Arbeitsplätze sichert aber auch der Tourismus. Wiesenbronn sei bestrebt, gute touristische Angebote zu haben, „wohl wissend, dass wir nicht mit Iphofen oder Prichsenstadt konkurrieren können“. Doch Wiesenbronn habe „ganz schöne Sachen“ zu bieten, sagt Paul, und die Aufzählung gibt ihr Recht: Traumrunden, Weinlabyrinth, Ortsrundgang, Weinkunstweg und Rebsortenlehrpfad kommen bei den Gästen gut an. Die Kurzurlauber sind im Hotel und Pensionen mit insgesamt 80 Betten untergebracht. Vor allem im Frühjahr und Herbst ist viel los. Wanderer erkunden die Gegend, während Radfahrer eher die Ausnahme sind. „Die wollen lieber ebene Strecken.“

Für den Tourismus im Ort bringt der Zusammenschluss der Dorfschätzegemeinden sehr viel, findet die Bürgermeisterin. Es wird aber nicht nur gemeinsam geworben, auch Themen wie das Kernwegenetz, der Hochwasserschutz und die künftige Entwicklung werden in Arbeitsgruppen miteinander angegangen. Wobei Arbeitsgruppen sonst nicht so das Ding der Wiesenbronner sind, wie Doris Paul es ausdrückt. Die Dorferneuerung läuft seit 30 Jahren. Eine Arbeitsgruppe gab es da nie. Was aber noch lange nicht heißt, dass die Bürger keine Ideen einbringen oder nicht mit anpacken. Ideen und Projekte für die nächsten Jahre gibt es so einige. Pflichtaufgaben sind dabei, aber auch ein bisschen „Kür“. Schließlich soll der Ort für Jüngere und Ältere attraktiv bleiben. Nach der „Rieseninvestition Kindergarten“, bei der trotz der Trägerschaft durch einen Verein letztendlich 900 000 Euro an der Gemeinde hängengeblieben sind, und dem Ausbau der Schillergasse steht jetzt die Kläranlage an.

„Es gibt Tage,

da fährt ein Lkw

nach dem anderen durch.“

Doris Paul Bürgermeisterin

„Da stehen immense Summen im Raum“, fürchtet Doris Paul. Ein Radweg nach Rüdenhausen soll gebaut werden, in der Dorfmitte hat die Gemeinde ein Haus erworben, das zum Multifunktionshaus werden soll, mit Archiv, Vereinsräumen, einem Veranstaltungssaal, Tourist-Info, Toiletten, eventuell Bücherei. Dazu die Idee der Bürgermeisterin, eines Tages im Ort eine Art Wohngenossenschaft zu schaffen – „ein bisschen ein Spleen von mir“, wie sie sagt.

Und dann ist da ja noch eine mögliche Umgehung. Die Bürger seien sehr geteilt angesichts der Frage, ob sie gebraucht wird oder nicht, sagt die Bürgermeisterin. Aber sie sagt eben auch, dass der Verkehr und die Engstelle am Rathaus tatsächlich ein Problem sind. „Es gibt Tage, da fährt ein Lkw nach dem anderen durch.“ Immer wieder bleiben Fahrzeuge am Rathaus hängen – und der Verkehr ist eine große Gefahr für die Schulkinder, die zur Bushaltestelle laufen.

Pläne für die Umgehung gibt es schon lange, die Trasse dafür wird seit Jahren frei gehalten. Ab 2024 steht die Straße im Ausbauplan. Doch wann sie wirklich kommt – das steht in den Sternen.

Wiesenbronn

Wiesenbronn liegt im östlichen Landkreis und gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Großlangheim.

1002 Einwohner zählt der Ort (Stand Juni 2014), für die Nahversorgung sorgt der Krämerladen mit Bäckerei, Metzgerei und Poststelle, es gibt einen Kindergarten im Ort.

Die Geschicke des Ortes leitet seit 2008 Bürgermeisterin Doris Paul.

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