Volkach

Nordheim will gegen die Volkacher Kreisel-Pläne klagen

Nordheim bleibt bei seinem Nein zu Volkachs Plänen für den Kreisverkehr im Süden der Stadt. Die Nachbarn pochen auf eine bessere Anbindung – und wollen sogar klagen.
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Aus Nordheimer Sicht ist die Einfahrt der Kreisstraße 29 von Nordheim auf die Staatsstraße 2271, die in Richtung Volkach bzw. Schwarzach führt, ein zu gefährliches Eck. Die Nordheimer wünschen sich eine direkte Anbindung an den im Süden Volkachs geplanten Kreisverkehr. Foto: Barbara Herrmann
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Einst war von Frühjahr 2018 die Rede: Schon vor einem Jahr also, so hoffte Volkachs Bürgermeister Peter Kornell (Freie Wähler) noch im Herbst 2017 , hätte es losgehen sollen mit dem Bau des Aldi-Kreisels im Süden von Volkach. Doch der Baubeginn wird sich weiter nach hinten schieben. Der Grund dafür ist vor allem das andauernde Nein Nordheims zu den Plänen des Nachbarn.

Ein weiterer Grund ist die Zauneidechse, erfuhr Volkachs Stadtrat in seiner Sitzung am Montagabend. Doch das Reptil kann umgesiedelt werden und bekommt einen vergrößerten Grünbereich entlang der Staatsstraße 2271, die von Schwarzach nach Volkach und weiter bis Unterspiesheim führt und so die B 22 mit der B 286 verbindet. Ingenieur Arno Weimann stellte dem Gremium die auch in Bezug auf den Hochwasserschutz leicht veränderten Pläne vor. Nach wie vor soll dort ein Kreisverkehr mit fünf Armen entstehen, mit zwei neuen Zufahrten zu den Gewerbegebieten Am Sonnenberg und Am Seelein. Dort will Aldi neu bauen und die Drogerie dm in dessen bisheriges Gebäude einziehen.

Bislang hatten die Volkacher noch gehofft, die Änderung des Bebauungsplans Sonnenberg, zu dem der Kreisverkehr zählt, im vereinfachten Verfahren durchziehen zu können. Doch dieser schnellere Weg ist nun vom Tisch, wie Weimann am Montagabend erläuterte. Das bedeutet, dass Volkach nun seine Antworten auf die Einwände der Träger öffentlicher Belange (TöB) verschicken wird. Konkret heißt das vor allem, dass Volkach auf die zahlreichen Einwände der Nordheimer, die als Nachbarn stets TöB sind, reagieren muss.

"Das Argument mit dem Tourismus ist an den Haaren herbeigezogen."
Volkachs Bürgermeister Peter Kornell zu Nordheims Einwand

Die Nordheimer wünschen sich nach wie vor möglichst eine direkte Anbindung an den geplanten Kreisverkehr. Sie befürchten, dass der "verstetigte Verkehrsfluss" dazu führe, dass ein Abbiegen von Nordheim auf die Staatstraße 2271 zu schwierig werde. In der Stellungnahme der Gemeinde Nordheim, mittlerweile vertreten durch eine Würzburger Anwaltskanzlei, heißt es unter anderem: "Die Attraktivität der Gemeinde Nordheim als Tourismusziel ist durch die ungünstige Verkehrsanbindung betroffen."

Da wurde es dem Volkacher Bürgermeister dann doch zu bunt: "Das Argument mit dem Tourismus ist an den Haaren herbeigezogen." Bis dahin hatten Kornell und seine Ratskollegen sich merklich zurückgehalten, was sicherlich der ansonsten sehr guten Zusammenarbeit mit den Nordheimern in der Verwaltungsgemeinschaft oder der gemeinsamen Tourismus-Werbung als Mainschleife geschuldet war.

Ein zweiter Kreisverkehr als Lösung?

Stadtratsmitglied Karl-Heinz Bernard (CSU) hatte zuvor sogar noch  einen zweiten, kleinen Kreisel an der Nordheim-Ausfahrt vorgeschlagen. Doch Ingenieur Weimann machte nochmals deutlich, warum auch dieser keine angemessene Lösung sei: Er verbrauche mehr Fläche, werde wesentlich teurer und da auf der Staatsstraße wesentlich mehr Autos fahren, als von Nordheim kommen, sei die zusätzliche Fahrspur zum Einfädeln auf die Staatsstraße der deutlich bessere Weg.

Wie geht's jetzt also weiter? Volkach wird sämtliche Einwände beantworten und erst einmal die Zauneidechsen umsiedeln. Arno Weimann bezeichnete die heftige Ablehnung seitens der Nordheimer als "außergewöhnlich". Doch die wollen auf jeden Fall noch einen Schritt weiter gehen und gegen den Bebauungsplan klagen, sagte Bürgermeister Guido Braun am Tag nach der Stadtratssitzung auf Nachfrage. Das würde bedeuten, dass auch ein momentan noch möglicher Baubeginn im Frühjahr 2020 nicht zu halten wäre. 

Das sagt Nordheims Bürgermeister Guido Braun

"Wir sind mit der Ausfahrtsmöglichkeit nicht zufrieden. Das kann man clever lösen, wenn man will, aber Volkach will nicht: Die einmalige Chance, 150 Meter Parallelstraße mit einem Arm für uns in den Kreisel zu bauen, gibt's nur jetzt. In unseren Augen braucht das Industriegebiet Sonnenberg mit zehn Betrieben keine eigene Anbindung an den Kreisel. Die Einfädelspur, mit der sie uns locken wollen, mag innerorts funktionieren, aber nicht, wenn die Fahrzeuge mit Tempo 70/80 kommen. Was ich gut fände, wäre eine weitere Verkehrszählung; die im Februar war wenig aussagekräftig. Ich möchte nicht, dass es da eines Tages mal einen Verkehrstoten gibt. Wir werden auf jeden Fall klagen."

Das sagt Sonja Schwarz, Abteilungsleiterin beim Staatlichen Bauamt Würzburg

"Wir sehen bei der aktuellen Planung mit dem fünfarmigen Kreisverkehr und der Einfädelspur für die Nordheimer die Kosten und Nutzen in Relation. Zwar gibt es eine Spitzenstunde im Berufsverkehr, aber auch dann sollte die Lösung ausreichend sein. Der Vorschlag der Gemeinde Nordheim würde einen deutlich höheren Aufwand und Eingriff in die Natur bedeuten. Wir teilen die Bedenken nicht, dass die Ausfahrmöglichkeit durch den Kreisverkehr wesentlich schlechter wird, sondern halten die Zeitlücken für ausreichend. Wir haben zudem eine weitere fachkundige Meinung eingeholt, die zum selben Ergebnis kam und haben unsere Planungen in enger Abstimmung mit der Stadt Volkach gemacht."

Das sagt Volkachs Bürgermeister Peter Kornell

"Wir freuen uns nicht darüber, dass Nordheim sich den Plänen in den Weg stellt. Ich finde, das geht die Nordheimer eigentlich nichts an, wie wir den Kreisel auf Volkacher Gebiet machen wollen. Die zusätzliche Einfädelspur halte ich für klasse, sie ist eine adäquate Problemlösung. Eine Klage würde uns natürlich alles verzögern. Wir würden uns nicht erlauben, den Nordheimern zu sagen, was sie zu tun haben."

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