Kitzingen
Stadtrat

Noch sind nicht alle Fragen zum Kitzinger Klärwerk geklärt

Wie arbeitet die Kitzinger Kläranlage in Zukunft? Kommen neue Verbundpartner hinzu? Und wird es eine Regelung mit den alten Partnern geben? Viele Fragen. Und 30 Minuten für die Katz'.
Artikel drucken Artikel einbetten
Abwassermeister Jürgen Orth, der den Kitzinger Klärwerksbetrieb leitet, deutet auf das veraltete Klinkergebäude, das mitsamt der darin enthaltenen Rechen-Anlage komplett erneuert werden muss.  Foto: Diana Fuchs
Abwassermeister Jürgen Orth, der den Kitzinger Klärwerksbetrieb leitet, deutet auf das veraltete Klinkergebäude, das mitsamt der darin enthaltenen Rechen-Anlage komplett erneuert werden muss. Foto: Diana Fuchs
Bauamtsleiter Oliver Graumann ist seit rund zwei Jahren im Amt. Ruhig und sachlich hat er seither die Fragen der Stadträte beantwortet, auch Nachfragen zum gleichen Thema haben ihn bislang nicht aus der Ruhe gebracht. Am Dienstagabend war es mit der Geduld des 51-Jährigen vorbei: "Dann diskutiert doch noch zwei Stunden über nichts", sprach er halblaut in den Sitzungssaal. Sein offizielles Statement: "Es ist wie so oft. Wir reden aneinander vorbei."

200.000 Euro pro Jahr

Tatsächlich hatten Stadträte und Oberbürgermeister Siegfried Müller über die Kläranlage in Kitzingen gesprochen, ohne schnell Klarheit zu schaffen. Anlass der Diskussion: Der Auftrag für die Klärschlammentsorgung für August 2013 bis Ende Juli 2014. Ergebnis: Die Stadt gibt rund 200.000 Euro aus, damit die Firma Veolia den Schlamm von Kitzingen nach Thüringen fährt, wo er in einer ehemaligen Braunkohlestätte verfüllt wird. Seit etlichen Jahren werden durchschnittlich 3500 Tonnen pro Jahr nach Thüringen gefahren. Für Klaus Christof (KIK) und andere Stadträte ein Unding. "Wir müssen eine ökologische Lösung finden", forderte der Bürgermeister. "Wann kommt endlich eine neue Technologie?"

Der Stadtrat befasst sich schon seit Mitte 2010 mit dem Thema. Einer Besichtigungsfahrt nach Crailsheim folgte ein Vortrag von Experten aus Hamburg. Thema: Die thermische Verwertung von Klärschlamm vor Ort. Dafür bräuchte man aber deutlich mehr Masse als die aktuell sechs Verbundpartner liefern können. Neue Verbundpartner wären nötig. Gespräche mit anderen Gemeinden im Umkreis von rund 100 Kilometer sollten deshalb auch aufgenommen werden. "Kontakte gibt es", versicherte Bauamtsleiter Graumann. So weit, so einfach.
Doch das Thema Kläranlage hat noch einen anderen Aspekt. Und der ist auch noch nicht geklärt.

Vor 25 Jahren unterzeichneten die Gemeinden Buchbrunn, Rödelsee, Sulzfeld sowie die Städte Mainbernheim, Marktsteft und Kitzingen eine Zweckvereinbarung. Das Problem daran: Die Gemeinden bezweifeln die Ergebnisse der einzelnen Messstationen. "Die Verhandlungen mit den Partnern laufen noch", informierte OB Siegfried Müller. Bis Ende Oktober soll eine Erklärung der Gemeinden zum weiteren Vorgehen vorliegen. Für Müller die Grundlage für ein weiteres Vorgehen. "Und genau diesen Auftrag haben Sie uns erteilt", wandte er sich ans Gremium.

Das wollte auch niemand bestreiten, man könne aber auch parallel arbeiten, fand Christof. Und somit Partner für ein größeres Projekt finden, während die Gespräche mit den alten Verbundpartnern laufen.

Die teure Entsorgung des Klärschlamms an der Großkläranlage in Hörblach bereitet beispielsweise den Mitgliedern des Abwasserzweckverbands Schwarzacher Becken seit Jahren Sorgen. Ende April diesen Jahres erteilten auch sie der Firma Veolia erneut den Auftrag für die Entsorgung. Kosten: 55 Euro pro Tonne. In 2012 fielen rund 83.000 Euro an. Die landwirtschaftliche Verwertung des Klärschlamms wäre die einfachste Lösung. Sie ist aber nicht mehr erlaubt, auch wenn Gertrud Schwab, CSU-Stadträtin und Landwirtin, versicherte, dass der Klärschlamm in Kitzingen - im Gegensatz zu anderen Gebieten - nicht belastet sei.

Letztendlich stand nach einer halben Stunde Diskussion die Erkenntnis von Andreas Moser (CSU), dass keiner zufrieden sein kann mit dem Ergebnis. "Das waren 30 Minuten für die Katz`". Und Bauamtsleiter Oliver Graumann bestätigte, dass eine Diskussion über die Zukunft der Kläranlage nur dann sinnvoll ist, wenn alle entsprechenden Unterlagen vorliegen. Einen genauen Zeitpunkt konnte er am Donnerstagabend nicht nennen. Es bleibt halt noch viel zu klären. Zumal gleichzeitig das Handlungskonzept zum Unterhalt und zur Entwicklung des Klärwerks Kitzingen anläuft.

Hinter dem sperrigen Begriff steckt nichts anderes, als der Versuch, die mehr als 30 Jahre alte Anlage funktionsfähig zu halten. Sieben Millionen Euro werden dafür in den nächsten zehn Jahren ausgegeben. Den Anfang macht eine neue Rechenanlage und Sandwäsche. Rund 880.000 Euro haben die Stadträte dafür am Donnerstagabend bewilligt. Ohne Gegenstimme und Diskussion. Denn ohne diese Investition kann die Funktionstüchtigkeit des Werkes irgendwann nicht mehr gewährleistet werden. So viel ist zumindest klar.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren