BIBERGAU
KRANUNFALL

Noch immer kein Gutachten über Kranunfall

Vor über einem viertel Jahr stürzte ein Kran auf ein Haus in Bibergau (Kreis Kitzingen). Noch immer weiß keiner: Wer war Schuld? Und wer zahlt?
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Drei Monate später: Nachdem ein Kranausleger am 18. Juli auf das Haus von Frederik (links) und Manuel Herrlein stürzte, ist das Obergeschoss noch immer unbewohnbar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun. Foto: Foto: Julia Schmitt

Mehr als zwölf Wochen sind vergangen, seit in Bibergau (Lkr. Kitzingen) der Ausleger eines Krans auf ein Wohnhaus stürzte, das Hausdach einschlug und einen Passanten schwer verletzte. Mittlerweile ist der Fall bei der Staatsanwaltschaft Würzburg eingegangen, wie der dortige Pressesprecher Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen mitteilt.

Nach dem Bericht dieser Zeitung über die nach drei Monaten noch immer ungeklärte Schuldfrage und die Hilflosigkeit der Betroffenen, die bis heute nicht wissen, wer für den Schaden haften wird, „war der öffentliche Aufschrei groß“, wie Manuel Herrlein sagt. Ihm gehört das beschädigte Haus zusammen mit seinem Bruder. So war etwa der Fernsehsender Sat.1 vergangene Woche im Dettelbacher Stadtteil, und auch der Bayerische Rundfunk hatte sich für Dienstagabend bei der Familie angekündigt. Sonst habe sich für die Betroffenen jedoch nichts Neues getan, erklärt Herrlein. Die Familie reicht deshalb nun Klage ein.

Wer ist schuld und wer zahlt?

Die Staatsanwaltschaft Würzburg ermittelt nun gegen Unbekannt wegen eines Arbeitsunfalls mit Verletzten. Der Meldung, dass die Unfallursache Gegenstand diverser Gutachten sei, wie das Polizeipräsidium Unterfranken am 26. September mitteilte, widerspricht sie. „Gutachten zur etwaigen Unfallursache liegen – entgegen früheren Angaben – bislang nicht vor“, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Auch gehe aus der vorliegenden Akte nicht hervor, ob überhaupt Gutachten in Auftrag gegeben worden seien.

Damit bestätigt Raufeisen die Informationen, die die Geschädigten von ihren Anwälten bekamen. Diese hatten kritisiert, dass es offenbar versäumt wurde, ein Gutachten zur Verschuldensfrage zu erstellen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sollen nun die Unfallursache klären – so dass festgestellt werden kann, bei wem die strafrechtliche Verantwortung für die entstandenen Schäden und Verletzungen liegt.

Denn bis diese geklärt ist, wollen die Versicherungen die angerichteten Schäden den Betroffenen nicht erstatten. Wie diese Zeitung berichtete, sehen die Versicherungen der an der Baustelle beteiligten Firmen die Zuständigkeit beim jeweils anderen. Weder die Versicherung der Dachdeckerfirma noch die des Kranverleihs will den Schaden übernehmen, bis die Schuldfrage geklärt ist.

Wie Raufeisen mitteilt, gehe aus der Ermittlungsakte weder hervor, ob es Fehler bei der Aufstellung und Bedienung des Krans gab, noch, ob technische Ursachen als Unfallursache ausgeschlossen oder angenommen werden können. Um dies zu klären, gibt nun die Staatsanwaltschaft selbst entsprechende Gutachten in Auftrag. Erste Ergebnisse zum weiteren Ermittlungsstand erwartet sie jedoch frühestens in acht Wochen.

Im Haus der Brüder Herrlein in Bibergau klafft indes immer noch ein Loch im Dach. Da sie für Folgeschäden selbst aufkommen müssen, beginnen sie nun mit dem Rückbau, bevor der Winter kommt – in Zusammenarbeit mit dem Dachdecker, der schon bei dem Unfall das Dach sanieren wollte und seitdem immer wieder der Familie seine Hilfe angeboten hatte. Dieser werde einen Teil der Kosten nicht sofort in Rechnung stellen. Die Betroffenen hoffen unterdessen weiterhin, dass die Staatsanwaltschaft die Unfallursache schnellstmöglich klärt und sie den Schaden von einer Versicherung bezahlt bekommen.

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