UNTERICKELSHEIM

Nicht alles rosa bei den Schweinen

Die Landwirtschaft produziert qualitativ hochwertige Lebensmittel unter hohen Standards. Zugleich kämpft sie mit Billigmentalität der Verbraucher, immer schärferen Auflagen und mit Bürokratie. Dabei wünscht sie sich verlässliche Rahmenbedingungen von der Politik. Das machten Landwirte aus der Region jetzt den Direktkandidaten für den Bundes- und den Landtag deutlich.
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Rosa in Rosa: Neugierig betrachteten die Schweine im von Helmut Schmidt und Georg May gemeinsam bewirtschafteten Betrieb die Besucher.
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Die Landwirtschaft produziert qualitativ hochwertige Lebensmittel unter hohen Standards. Zugleich kämpft sie mit Billigmentalität der Verbraucher, immer schärferen Auflagen und mit Bürokratie. Dabei wünscht sie sich verlässliche Rahmenbedingungen von der Politik.

Das machten Landwirte aus der Region jetzt den Direktkandidaten für den Bundes- und den Landtag deutlich. Schließlich ist nach den Worten des Geiselwinder Landwirts Hans Haubenreich die Landwirtschaft die „Visitenkarte Bayerns“.

Helmut Schmidt und Georg May veranschaulichten ihre Anliegen am Beispiel ihres Mastschweinebetriebs in Unterickelsheim. Anja Weisgerber, Otto Hünnerkopf (beide CSU), Ralf Hofmann (SPD), Hans Müller (FDP), Hans Plate (Grüne) und Susanne Knof (Freie Wähler) waren gekommen, schauten sich den Betrieb an und hörten zu, wo es drückt, denn schließlich werden laut Kreisobmann Alois Kraus aus Biebelried 20 Prozent der Einkommen aus der Landwirtschaft generiert. Doch die idyllische Landwirtschaft von einst gebe es nicht mehr. Die Zeiten, als noch Hühner auf dem Mist scharrten, seien vorbei. „Aber die moderne Landwirtschaft ist genauso gut“, fügte er sofort hinzu.

Dennoch gibt es Negativklischees, gerade bei der Schweinemast. „Die können wir ihnen alle hier zeigen, sie müssen aber nicht stimmen“, sagte Helmut Schmidt. Denn die Schweine im Betrieb stehen auf Spaltenböden und werden mit genverändertem Soja gefüttert.

Großer Wert werde auf Qualität gelegt, was auch ein entsprechendes Management beinhalte. Viele Tiere würden erst mit 130 Kilogramm Lebendgewicht verkauft, was reiferes Fleisch mit sich bringe. Die Vermarktung erfolge regional bis überregional, wenn man zum Beispiel Stuttgart und Aschaffenburg nicht mehr zur Region zähle. Hygiene werde groß geschrieben, denn nur so gebe es auch Schweine ohne Antibiotika, sagte Schmidt.

Probleme bereiten den Landwirten die Preise, denn bei einem Preis von zum Beispiel 160 Euro pro Stück seien keine Investitionen möglich. Zur Sprache kamen auch die Konzentration auf wenige Schlachthöfe, die vorgeschriebenen Schwimmkörper auf Güllegruben oder die jährlichen teuren Kontrollen, ob alle Richtlinien erfüllt seien. Stellvertretender Kreisobmann Herbert Pfriem warnte vor ausländischen Investoren und forderte, dass Grund und Boden in Bauernhand bleiben sollten. Klare Richtlinien von der Politik wünschte er sich bei den erneuerbaren Energien, schließlich investierten Landwirte dort.

„Wir brauchen den Landwirt und wir wollen ihn.“
Otto Hünnerkopf Landtagsabgeordneter

Hans Haubenreich mahnte passende Rahmenbedingungen an, damit auch der Nachwuchs Freude an der Landwirtschaft habe, denn viele Landwirte gebe es nicht mehr. Sorgen bereiten den Landwirten auch das Greening oder Hofübergaben wegen immer wieder aufkeimender Erbschaftssteueränderungen. Bei Letzterem konnten aber alle die Landwirte beruhigen.

Aufgrund ihrer Funktion als Nahrungsversorger und Landschaftspfleger genieße die Landwirtschaft zu Recht eine Sonderrolle, meinte Ralf Hofmann. Es gelte, „die Wertschätzung für diesen Beruf zu erhöhen, dann gibt es auch andere Voraussetzungen für die Preispolitik“. „Wir brauchen den Landwirt und wir wollen ihn“, bekräftigte Otto Hünnerkopf. Entscheidungen mit Augenmaß und mehr Spielräume seien notwendig.

Als Beispiel führte er dabei die in seinen Augen momentan zu hohen Ausgleichsflächen bei Stallbauten an. Weniger Bürokratie, Bedingungen für eine wirtschaftliche Landwirtschaft und eine europäischen Harmonisierung möchte Anja Weisgerber und eine Sensibilisierung der Verbraucher, was qualitativ hochwertige Lebensmittel angeht.

Hans Müller befürchtet dagegen, dass der Verbraucher immer auf den Preis schauen wird, obwohl er gerne das Qualitätsbewusstsein der Leute wecken möchte. In der Zukunft werde es bei den Betrieben auf Größe hinauslaufen, wobei auch Nischen gefunden und besetzt werden. Mit Blick auf das „Spielzeug“ für Schweine im Stall, bezweifelte er den Sinn der Europa-Bürokratie.

Hans Plate setzt für die Zukunft auf Premium-Produkte, aber immer mit dem Leitbild des Ökolandbaus vor Augen. Die Stärkung der Regionalität sieht Susanne Knof als Chance für die Landwirtschaft. Sie befürchtet aber künftig viele Leerstände in den Dörfern.

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