DETTELBACH

Nicht alles Gute kommt von oben

Andrea Petersen nimmt's mit Humor. Doch die Gefahr, die ihr von einem Dach in Dettelbach drohte, war gewaltig.
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Glück gehabt: Andrea Petersen ist in Dettelbach von einem Teil eines Dachziegels am Kopf getroffen worden. Foto: Foto: Ralf Dieter
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Andrea Petersen nimmt's mit Humor. Doch die Gefahr, die ihr von einem Dach in Dettelbach drohte, war gewaltig.

Ein sonniger Sonntag, ein Bummel durch eine sehenswerte fränkische Stadt mit Mann und Kindern, ein leckeres Eis schlecken. Das Leben könnte so schön sein. Wenn einem nicht plötzlich etwas auf den Kopf fällt.

Andrea Petersen ist keine Frau, die jammert. Doch sie will, dass das, was ihr passierte, sich bei ihren Mitmenschen nicht wiederholt.

Sonntag vor einer Woche ist die Schwarzenauerin mit ihrer Familie und Freunden ins nahe Dettelbach gefahren. Ein Eis für jeden und dann am Marktplatz ein wenig abhängen. So war der Plan. „Doch dann habe ich plötzlich etwas am Kopf gespürt“, erinnert sie sich. „Und wenig später ist es auch schon gelaufen.“

„Es“ ist nichts anderes als Blut gewesen. Andrea Petersen hat eine Platzwunde am Kopf davongetragen. Ein Teil eines Ziegels hatte sich von einem Dach mitten im Ort gelöst. „Erst habe ich gedacht, es wäre ein Stück Holz“, sagt sie. Aber ein paar Brocken des kaputten Ziegels hat sie vom Boden eingesammelt – als Beweisstück.

Andrea Petersen hat die Stadt Dettelbach gleich am folgenden Montag angeschrieben und auf den Vorfall aufmerksam gemacht. „Wir waren ganz schön überrascht“, sagt Kathrin Link vom Bauamt. Einen ähnlichen Unfall hat sie bislang nicht erlebt. Zwar könne es schon einmal vorkommen, dass eine Mauer oder Teile eines Dachgestühls einsturzgefährdet sind, aber nicht mitten in der Stadt, am Marktplatz. „Weil es so akut war, haben wir die Mail gleich am nächsten Tag ans Landratsamt weitergeleitet.“

Die dortige Bauaufsicht ist zuständig, wenn aus den Gemeinden und Städten im Landkreis Gefährdungen gemeldet werden. Die Mail aus Dettelbach traf am Dienstag im Landratsamt ein. Ein Mitarbeiter war noch in der gleichen Woche vor Ort und hat sich das Dach angeschaut. „Die Fläche ist, bis auf einen kleinen Teil, der sich angehoben hat, einigermaßen homogen“, teilt Pressesprecherin Corinna Petzold mit. Dennoch ist der Hauseigentümer angeschrieben worden, dass er dieses Stück befestigen muss. „Wir werden das auch noch einmal kontrollieren, ob dieser Mangel beseitigt worden ist“, sagt Petzold.

Gleich daneben steht ein Haus, das weitaus gefährlicher für die Sicherheit der Spaziergänger wirkt. Das so genannte „Götz-Haus“ stammt aus dem Jahr 1575. „Mit dem Denkmalamt und dem Landratsamt fand dort bereits eine Begehung statt“, berichtet Kathrin Link. Ergebnis: Keine Gefahr in Verzug.

So schön die alte Bausubstanz in den fränkischen Dörfern sein kann – so gefährlich können Ziegel oder andere Gebäudeteile werden, wenn sie nicht entsprechend gesichert sind. Die Bauaufsicht am Landratsamt erhält immer wieder Anfragen aus dem Landkreis. In der Regel geht es dabei um leer stehende Gebäude oder Scheunen. Grundsätzlich gilt dabei: Der Eigentümer ist für die Sicherheit des Gebäudes verantwortlich. Erfährt die Stadt oder Gemeinde aber von erheblichen Mängeln und Sicherheitsrisiken, muss sie tätig werden.

Die Stadt Kitzingen ist beispielsweise beim Marktcafé oder bei der Gaststätte „Goldener Löwe“ so verfahren. Beide Gebäude sind entsprechend gesichert worden, nachdem die Einsturzgefahr akut geworden ist. Die Kosten für diese Vorkehrungen trägt in der Regel der Besitzer. Stadt, Gemeinde oder Landratsamt gehen aber in Vorleistung, wenn der Eigentümer nicht tätig wird, und sichern das Gebäude beispielsweise mit einem Netz ab.

In Dettelbach ist damit jetzt erst einmal der Eigentümer am Zug. Wird er nicht tätig, fasst das Landratsamt nach. Für Andrea Petersen genau der richtige Weg. Sie möchte schließlich, dass ihr Erlebnis ein Einzelfall bleibt. „Am Marktplatz laufen immer wieder viele Menschen herum. Nicht auszudenken, wenn einmal Kinder getroffen werden.“

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