LANDKREIS KITZINGEN

Neustart mit Tücken

Mitte August soll es so weit sein. Dann soll der Bocksbeutel PS in Produktion gehen. Nicht jeder Betrieb wird allerdings sofort umstellen.
Artikel drucken Artikel einbetten
ham-aki-bocksbeutel
100 Flaschenevolution: Ein Bocksbeutel aus dem Jahr 1917 neben dem Bocksbeutel PS. Dessen eckigere Form ist nicht für alle Weingüter ideal. Foto: Foto: Archiv/Guzy
+2 Bilder

Im Dezember 2015 ist die neu kreierte Flasche des Hamburger Stardesigners Peter Schmidt der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Hermann Schmitt ist optimistisch, dass sie bald in den Supermarktregalen stehen wird. Der Geschäftsführer des Fränkischen Weinbauverbandes setzt große Hoffnungen auf den Bocksbeutel PS. „Mit ihm sind wir in der heutigen Zeit angekommen“, sagt er. Mit ihm soll es wieder aufwärts gehen.

2015 ist der Anteil der Bocksbeutel an der Gesamtzahl der verkauften Flaschen Frankenwein erstmals unter die 30 Prozent-Marke gesunken. „Natürlich wollen wir auch dank der neuen Flasche den Absatz des Bocksbeutels wieder steigern“, sagt Hermann Schmitt.

In drei Farben soll der Bocksbeutel PS auf den Markt kommen: Zunächst oliv, dann masson-grün, später hell. Die Konzentration auf lediglich drei neue Varianten ist gewollt. „Wir haben bisher fast 35 verschiedene Bocksbeutel-Varianten“, sagt Hermann Schmitt. Eine Reduzierung dieser Vielfalt wäre nicht nur im Sinne der Glashütten, sondern auch der Verbraucher.

Einen ganz besonderen Bocksbeutel haben die beiden Würzburger Spitäler in ihrem Sortiment. Der erste Bocksbeutel Frankens ist anno 1726 im Bürgerspital gefüllt worden. Das entsprechende Siegel ziert seither die allermeisten bauchigen Flaschen. „Es ist unser Alleinstellungsmerkmal“, sagt Verkaufsleiter Thomas Hammerich. „Ein wichtiges Marketinginstrument.“ Fast eine Million Bocksbeutel mit Siegel kommen Jahr für Jahr in den Verkauf. Auch der Jahrgang 2016 wird weiter in die herkömmlichen Flaschen abgefüllt. „Wir sind dem Bocksbeutel PS nicht abgeneigt“, versichert Hammerich. „Aber er muss in unser Konzept passen.“ Wegen seiner eckigeren Form ist es derzeit fraglich, ob das Siegel angepasst werden kann.

1987 hat das Juliusspital seinen Bocksbeutel mit „Schulterwappen“ eingeführt. Weingutsleiter Horst Kolesch will darauf nicht verzichten. Ob das Wappen auch auf den Bocksbeutel PS passt? „Wir müssen erst einmal abwarten, ob dieses Siegel technisch machbar ist und wie hoch die Kosten dafür liegen“, sagt Kolesch, der sich generell als großer Befürworter des Bocksbeutels PS outet. „Der passt wunderbar in unsere Zeit.“ Er kostet aber auch ein paar Cent mehr in der Herstellung.

2,5 bis 4 Cent Mehrkosten im Vergleich zur herkömmlichen Flasche fallen für den neuen Bocksbeutel an – je nachdem, welche Menge abgenommen wird. Die meisten Flaschen füllt traditionell die Winzergemeinschaft Franken (GWF) ab, alleine fünf bis fünfeinhalb Millionen Bocksbeutel pro Jahr. Vorstandsvorsitzender Andreas Oehm will den Verbrauchern mit dem neuen Jahrgang 2016 auch den neuen Bocksbeutel PS präsentieren. Einen genauen Zeitpunkt für die erste Abfüllung kann er noch nicht nennen. „Wir peilen Mitte September an.“ Dann soll das gesamte Bocksbeutel-Sortiment auf die neue Flasche umgestellt werden. „Das ist wie beim Highlander“, sagt Oehm und lacht. „Es kann nur einen geben.“

Bei der Divino in Nordheim wird es auch den Einen geben. Ab wann, kann die Öffentlichkeitsbeauftragte Annette Rehling-Droll allerdings noch nicht sagen. Interne Umstellungen seien schließlich nötig. Schon jetzt hat die Divino beispielsweise ihr gesamtes Etikettensortiment umgestellt. Statt rund sind die Etiketten jetzt viereckig. „Das passt einfach besser zum neuen Format.“ Die GWF wird mit dem Bocksbeutel PS auch einen neuen, eleganteren Schraubverschluss einführen. „Das komplettiert einfach das neue Bild“, sagt Andreas Oehm.

Neue Form, neue Kosten, steigende Preise für den Endverbraucher? Hermann Schmitt will sich zu diesem Zeitpunkt nicht festlegen. Neben den 2,5 bis 4 Cent höheren Herstellungskosten, fällt pro Flasche ein Cent Lizenzgebühr für den Weinbauverband an. Außerdem müssen die meisten Weingüter ihre Abfüllanlagen umrüsten. „Die Kosten dafür sind von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich“, sagt Schmitt.

Beim Domänenamt in Castell wird die Füllanlage völlig unabhängig von der Einführung des Bocksbeutels PS neu konzipiert. Weingutleiter Karl-Heinz Rebitzer kann deshalb noch gar nicht sagen, ob und wann der Bocksbeutel in Castell gefüllt wird. „Wir verschließen uns nicht“, versichert er. „Aber erst einmal sollte die Flasche auf dem Markt sein, damit wir uns die Sache anschauen und auch mal zur Probe füllen können.“

Der Zehnthof in Sulzfeld wird den Bocksbeutel PS weder zur Probe noch in der Praxis befüllen. „Wir haben unseren Betrieb vor 16 Jahren auf die Schlegelflasche umgestellt“, erklärt Wolfgang Luckert. Eine erneute Umstellung mache keinen Sinn. Lediglich zwei Klassiker füllen die Sulzfelder auf Bocksbeutel. Selbst da ist eine Umstellung auf die neue Flasche nicht angedacht. „So lange es geht, behalten wir die herkömmliche Form“, kündigt Luckert an, der genauso wie das Domänenamt zum Verband der Prädikatsweingüter gehört. Deren Vorsitzender Paul Fürst bestätigt, dass es innerhalb des Verbandes unterschiedliche Herangehensweisen gibt. „Jeder Betrieb entscheidet selbst, ob er den Bocksbeutel PS einführt.“

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren