Kitzingen

Neumanns Werke finden großes Interesse

Mit einem Fachvortrag zum Wirken des Barockbaumeisters Balthasar Neumann in Kitzingen beteiligte sich die Stadt Kitzingen am diesjährigen Tag des offenen Denkmals.
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Reges Interesse fanden die Pläne für ein Hotel mit Gastronomie am Main von Wolfgang Rosentritt.
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Mit einem Fachvortrag zum Wirken des Barockbaumeisters Balthasar Neumann in Kitzingen beteiligte sich die Stadt Kitzingen am diesjährigen Tag des offenen Denkmals.

Zum Vortrag im Lagerhaus am Mainkai fanden sich am Sonntag weit mehr als 100 Zuhörer ein, um den Vortrag des Direktors des Museums für Franken in Würzburg, Erich Schneider, zu hören.

In Anwesenheit des Hauseigentümers Wolfgang Rosentritt erklärte Schneider, dass sich die Stadt zahlreicher Werke rühmen könne, an denen Neumann beteiligt sei. Dazu zähle nicht zuletzt das Lagerhaus in der Schrannenstraße 33.

Sein Kommen 1711 nach Würzburg sei Neumanns Schicksal geworden, betonte der gebürtige Kitzinger Schneider. Hier habe er zahlreiche Studien betrieben, darunter das Architekturstudium. Um diese Möglichkeit zu erhalten, musste er zuvor Soldat unter Julius Echter werden.

Weltkulturerbe

Als solcher nahm er auch am Türkenfeldzug des Prinzen Eugen vor Wien teil, ehe er als Ingenieur-Hauptmann 1720 mit der Planung des Neubaus der Würzburger Residenz begann. Sie wurde 1735 fertig gestellt und zählt heute nicht nur zu seinen bedeutendsten Werken, sie ist auch Weltkulturerbe.

Im Alter von 37 Jahren gründete der von Giovanni Battista Tiepolo – dem Maler des Deckenfresko im Treppenhaus der Residenz – als „der“ Baumeister des Barock beschriebene Balthasar Neumann in Würzburg eine Familie und erreichte so den gesellschaftlichen Aufstieg.

Viele seiner Werke seien erforscht, die Erforschung seines Gesamtwerkes stecke hingegen noch in den Kinderschuhen, unterstrich Schneider. Die Architektur bezeichnete Schneider als Stein gewordenes Zeichen der Macht seiner Auftraggeber. Kitzingen sei eine der ersten Wirkungsstätten des selbstständigen Balthasar Neumann gewesen. Dazu zähle die Mainmühle, deren Dammschüttung auch das Mahlen bei Niedrigwasser ermöglicht habe.

Wenig bekannt sei der Bau einer zweistöckigen Kaserne für arme und kranke Soldaten des Hochstifts Würzburg in der Landwehrstraße 22, dem heutigen Standort der Polizeiinspektion. Sie wurde 1735 fertig gestellt.

Als im gleichen Jahr der Kirchturm der St. Johannis-Kirche nach Blitzeinschlag abbrannte, beriet er beim Wiederaufbau der Turmhaube für das spätgotische Gotteshaus. Der Turm ist seither mit einer welschen Haube gekrönt, die eine kleinere Haube oben drauf trägt. Dies sei ein Markenzeichen Balthasar Neumanns, unterstrich der Referent.

Zu den kleineren Arbeiten zählte er Reparaturarbeiten an der durch Hochwasser beschädigten Alten Mainbrücke.

Unter der Leitung des Baumeisters entstand 1741 bis 1746 in Etwashausen die Kreuzkapelle, deren kreuzförmiger Grundriss es auf den früheren 50-Mark-Schein brachte.

Das Lagerhaus mit Kran zwischen Schrannenstraße und Mainufer errichtete Balthasar Neumann 1746. Schneider beklagte, dass die Baugeschichte zeitweise aus dem Bewusstsein weitgehend verschwunden war. Den Standort für das herrschaftliche Lagerhaus beschrieb Schneider als sehr gut gewählt, denn der Main sei zunehmend auch für größere Schiffe nutzbar geworden. Mit Kran und Lagerhaus habe sich eine gute Umschlagmöglichkeit für Güter ergeben. Damit sollte auch eine wirtschaftliche Stärkung der Stadt erzielt werden.

Vor, nach und während des Vortrages herrschte ein stetes Kommen und Gehen durch die Geschosse des Lagerhauses, dessen massive und durchdachte Dachunterkonstruktion bis heute weitgehend unverändert die Besucher besonders beeindruckte.

Lediglich das zum Lagerhaus gehörende Kranentor als Verbindung zwischen Mainufer und Schrannenstraße besteht nicht mehr.

Balthasar Neumann

Der berühmte Baumeister wurde 1687 in Eger geboren und wurde dort zunächst Glocken- und Metallgießer. Er kam 1711 als Büchsenmeister nach Würzburg. 1712 bewarb er sich bei der Kreis-Artillerie, denn nur so konnte er Ingenieur werden. 1718 war er bereits Ingenieur-Kapitän und stand in Österreich und Ungarn im Einsatz. 1719 holte ihn Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn als Baudirektor nach Würzburg, wo er 1720 mit der Planung der Würzburger Residenz begann. 1741 wurde er „Obrigster“ (Oberst) der fränkischen Kreisartillerie und erreichte damit den für höchsten erreichbaren militärischen Rang. Neumann verstarb 1753 in Würzburg und fand in der Marienkapelle seine letzte Ruhestätte. (BAG)


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