KITZINGEN

Neues von der Insel der Sicherheit

Die Bevölkerung muss sich keine Sorgen machen. Die Polizei schon. Zumindest muss sie in den nächsten Jahren jede Menge neue Beamte einstellen. Viele Pensionierungen stehen an.
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Informationsfahrt: Der sicherheitspolitische Sprecher der SPD im Landtag, Prof. Dr. Peter Paul Gantzer und MdL Volkmar Halbleib mit der Leiterin der Kitzinger Dienststelle, Cordula Schmidt. Foto: Foto: SPD
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„Die Menschen in Stadt und Landkreis Kitzingen leben auf einer Insel der Sicherheit.“ Prof. Dr. Peter Paul Gantzer kann das beurteilen. Gantzer ist seit 1978 Landtagsabgeordneter der SPD und ihr sicherheitspolitischer Sprecher. Er ist Ehrenkommissar der bayerischen Polizei. Von den etwas mehr als 300 Dienststellen im Freistaat hat Gantzer rund 250 besucht. Kürzlich war er mit dem örtlichen Abgeordneten Volkmar Halbleib in Kitzingen.

„Die körperliche Belastung für diese Kollegen ist enorm.“

Cordula Schmidt,

Dienststellenleiterin

Mit 103 Beamten ist die Sollstärke in Kitzingen berechnet. Die Ist-Stärke beträgt 91. Tatsächlich absolvieren derzeit 87 Beamte ihren Dienst. „Das ist schon eine deutliche Lücke“, sagt Halbleib. Ein Grund: Immer wieder werden Kollegen für übergeordnete Aufgaben abgezogen. Aufgaben, die man sich nach Meinung des Bezirksvorsitzenden der Polizeigewerkschaft (DPolG), Hubert Froesch, sparen könnte.

Als Beispiele nennt er die Begleitung von Schwertransporten, die Präsenz bei Fußballspielen oder die Vorführung von Straftätern in der Justiz. Ohne diese Aufgaben hätten die Beamten Freiräume für ihre eigentliche Arbeit. In Mainfranken kommen die vielen Weinfeste und sonstigen Freiluftveranstaltungen hinzu, bei denen die Polizei spätestens seit den Vorfällen von Würzburg, Ansbach und München mehr Präsenz zeigen muss. Das alles zu Lasten der Kollegen vor Ort. „Wir funktionieren, aber wir ächzen“, fasst Froesch die Lage zusammen.

Joachim Schinzel ist seit 40 Jahren bei der Polizei in Kitzingen und vertritt dort die Polizeigewerkschaft. „Die Situation ist nicht rosig, aber zu händeln“, sagt er. Schinzel hofft auf eine möglichst rasche Zuweisung von jungen Beamten. Das Durchschnittsalter liege zwar bei 40 Jahren. „Aber wir haben hier relativ viele ältere Kollegen“, erklärt er. Gerade beim Schichtdienst führe das zu Problemen. „Die körperliche Belastung für diese Kollegen ist enorm“, bestätigt Dienststellenleiterin Cordula Schmidt. Ein größerer Pool an Mitarbeitern wäre deshalb wünschenswert – zumal die Kitzinger Kollegen einen hohen Stand an Überstunden vor sich her schieben. Bayernweit liegt der Durchschnitt bei 25 Stunden, in Kitzingen sind es nach Informationen von Halbleib 60.

Nach und nach wird der Wunsch nach mehr Personal in Erfüllung gehen. Unterfrankens Polizeipräsident Gerhard Kallert habe signalisiert, dass die Kitzinger Polizei recht bald neue Beamte zugewiesen bekommt, so Halbleib. Von 2017 bis 2020 will die Bayerische Staatsregierung jedes Jahr zusätzlich 500 Polizisten und Polizistinnen neu einstellen. Bis 2025 sollen insgesamt mehr als 11 000 Personen bei der Bayerischen Polizei neu eingestellt werden, kündigte Innenminister Joachim Hermann an. Unterfranken bekommt erfahrungsgemäß acht bis zehn Prozent dieser Zahl zugewiesen.

Das klingt gut, deckt für Gewerkschafter Froesch aber gerade mal die Notwendigkeiten ab – denn bis ins Jahr 2022 geht nach seinen Informationen die Hälfte der unterfränkischen Beamten in Pension. Froesch fordert deshalb die derzeit hohen Ausbildungs- und Einstellungszahlen auch über das Jahr 2025 aufrecht zu halten.

Die meisten Kitzinger Kollegen werden das Jahr 2025 nicht mehr im Dienst erleben. Genauso wenig, wie einen möglichen Um- oder Neubau. Die Inspektion in der Landwehrstraße sei schon länger nicht mehr ideal für die Polizeiarbeit, kritisiert Halbleib. Tatsächlich stammt die Polizeiinspektion aus dem früheren 18. Jahrhundert. Die Verwendung lautete damals: Invalidenkaserne. Heute werden große Teile des Gebäudes nicht mehr genutzt. „Der Zuschnitt ist schlecht und der Zustand nicht mehr gut“, bringt Halbleib die Probleme auf den Punkt.

Gespräche über eine neue Lösung zwischen Polizei und Hochbauamt laufen bereits, eine Machbarkeitsstudie liegt vor. Denkbar sind ein Neubau an gleicher Stelle, eine Generalsanierung oder ein Neubau an anderer Stelle – aber möglichst zentral. „Vieles spricht für die letzte Variante“, sagt Halbleib. Ein Neubau mit genügend Parkmöglichkeiten würde auch Cordula Schmidt zusagen. Als Standort bringt der SPD-Abgeordnete den Deuster-Park ins Spiel. Dort soll nach den Plänen der Staatsregierung das neue Staatsarchiv entstehen.

„„Der Flächenbedarf der PI und des Archivs ist zusammen genommen zu groß.“
Oliver Graumann, Leiter des städtischen Bauamtes

Genug Platz für beide Gebäude gibt es allerdings nicht, wie der Leiter des städtischen Bauamtes, Oliver Graumann, mitteilt. „Der Flächenbedarf der PI und des Archivs ist zusammen genommen zu groß. “ Alternativen sind im Gespräch, Graumann möchte zum jetzigen Zeitpunkt aber noch keine Standorte nennen. Nur so viel: die wenigsten sind im städtischen Besitz.

Wo auch immer die Kitzinger Polizei in Zukunft arbeiten wird: In den kommenden zwei Jahren sollen die entsprechenden Beschlüsse gefasst werden, danach kann es an die Realisierung gehen. Bis dahin werden die Beamten von der Landwehrstraße aus weiter ihren Dienst verrichten. Und der kann sich sehen lassen. Trotz der schwierigen Personalsituation liegt die Aufklärungsquote bei 65 Prozent (Bayernweit: 64 Prozent). Im vergangenen Jahr wurden 3407 Straftaten gezählt. Angesichts der Durchschnittswerte im Freistaat (rund 5000) und im Bund (rund 7500) und des Vergleichswertes in Schweinfurt (rund 8000) ist es leicht nachvollziehbar, warum Prof. Gantzer von einer Insel der Sicherheit in Stadt und Landkreis Kitzingen spricht.

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