RÖDELSEE

Neues Baugebiet: Fünf Meter hohe Mauer gegen den Lärm

Ein alteingesessenes Rödelseer Weingut soll in seinem Bestand nicht gefährdet werden. Das heißt: Für das neue Baugebiet muss eine riesige Lärmschutzwand gebaut werden.
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Das Weingut Weltner (rechts) genießt Bestandsschutz. Um es in seinem Betrieb und seiner Entwicklung nicht zu gefährden, ist eine fünf Meter hohe Lärmschutzwand zum neuen Baugebiet geplant.

Rödelsee ist als Wohnort beliebt. Bauplätze sind begehrt. Deswegen hat sich der Gemeinderat entschlossen, auch die Fläche zwischen den Baugebieten Am Schlossberg und Im Grund, also zwischen der Wiesenbronner Straße und der Staatsstraße als weiteres Baugebiet auszuweisen. Etliche Bauinteressenten warten schon darauf, dass es losgehen kann.

Keine einfache Planung

Zum siebten Mal war das Thema nun im Gemeinderat. Deutliches Zeichen dafür, dass die Ausweisung nicht so einfach ist wie gedacht. Denn an das geplante Gebiet grenzt das älteste Rödelseer Weingut Weltner. Und das hat – wie auch das Landratsamt auf Nachfrage dieser Redaktion bestätigte – Bestandsschutz.

In etlichen Sitzungen, Treffen und Gesprächen waren Gemeinde und Weingut um eine Lösung bemüht. So war bald klar, dass das neue Baugebiet kein reines Wohngebiet werden sollte, sondern Dorfgebiet. Auch das bestehende Weingut wurde in das Plangebiet einbezogen, denn laut Landratsamt müssen in einem Dorfgebiet auch 50 Prozent der Fläche dem Charakter eines Dorfgebiet entsprechen. Das habe die Gemeinde als Eigentümer der freien Flächen auch in der Hand, hieß es aus dem Landratsamt.

Fehlende Unterlagen

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats ging es nun um die erneute Abwägung der Einwände. Allerdings hatten dazu die Unterlagen dem Gemeinderat erst zur Sitzung vorgelegen. Dass sie nun darüber ohne ausreichende Vorbereitung entscheiden solle, kritisierte Gemeinderätin Alexandra Pohl. „Ich will ordentlich informiert werden“, forderte auch Gemeinderätin Britta Aufmuth. Auch hätte sie gerne eine aktuelle Planskizze gehabt. Schließlich sei sie nicht tagtäglich mit der Materie beschäftigt wie der Bürgermeister, ärgerte sie sich über fehlende oder kurzfristige Unterlagen.

Knackpunkt ist nach wie vor der Lärmschutz. Zum einen geht es natürlich um den Lärm von der Staatsstraße, zum anderen aber um die Geräusche, die ein Weinbaubetrieb über das Jahr verursacht. Das Weingut und die Gemeinde haben deswegen ihre Anwälte eingeschaltet. In einem ersten Lärmgutachten einer Firma war Anfang 2017 von einer 6,5 Meter hohen Lärmschutzwand die Rede. In Gutachten einer weiteren ebenfalls durch die Gemeinde beauftragten Firma geht man nun von einer fünf Meter hohen Lärmschutzwand aus.

Gutachten und Anwälte

Zwar wollte die Gemeinde gerne nur eine drei Meter hohe Lärmschutzwand. Doch hätte dies Lärmschutzvorkehrungen am Weingut Weltner nötig gemacht. Dazu kann aber – so auch die Ansicht des Landratsamtes – die Gemeinde das Weingut nicht zwingen. 50 000 Euro hätte die Gemeinde dem Weingut dafür bezahlt, doch eine neue Halle für die lärmintensiven Tätigkeiten käme dem alteingesessenen Betrieb weitaus teurer. Paul Weltner schätzt die Kosten auf 150 000 Euro.

Die von Bürgermeister Burkhard Klein im Gemeinderat getätigte Aussage, dass dies eine Luxusmaschinenhalle sei, weist Paul Weltner zurück. Ihm sei vom Bürgermeister versprochen worden, dass es keine Einschränkungen für seinen Betrieb gebe. Dies fordert Weltner nun auch ein, ebenso müssten geltende Gesetze eingehalten werden genauso die Vorgaben des Lärmschutzgutachtens.

Ziel: gute Nachbarschaft

Dass noch nicht gebaut werden könne, sei nicht seine Schuld. Aber es sei nachvollziehbar, dass er vorher alles geklärt wissen will. Denn er möchte mit allen künftigen Bewohnern des neuen Baugebiets gut nachbarschaftlich zusammen leben. Was Weltner nicht möchte ist, dass man sich dann hinterher vor Gericht treffen müsste. Das habe er auch Bauinteressenten erklärt, die bei ihm vorstellig geworden seien. Seiner Auffassung nach dürfe man über Baugrundstücke erst dann reden, wenn alles geklärt sei. So lange der Bebauungsplan nicht rechtskräftig ist, der Grundstückskauf nicht notariell besiegelt ist und vor allem ein Bauplan nicht genehmigt ist, dürfe sowieso nicht gebaut werden, verlautet es aus der zuständigen Abteilung des Landratsamtes.

Drei Gegenstimmen

„Ich will die Bebauung nicht verhindern“, bekräftigt Paul Weltner. Die Weinberge seien seine Existenzgrundlage. Der Betrieb müsse uneingeschränkt laufen können, verdeutlicht der Winzer.

Der Gemeinderat hat bei drei Gegenstimmen nun beschlossen, dass der Bebauungsplan nun erneut ausgelegt wird und zwar mit den Festsetzungen, dass die erste Baureihe hinter der fünf Meter hohen Lärmschutzmauer nur eingeschossig mit einer Firsthöhe von 4,5 Meter sein soll. Bei der Staatsstraße sollen die Schlafräume auf der südlichen Seite geplant werden. Laut Bürgermeister Klein könnten Bauanträge schon während der Auslegungsphase eingereicht werden. Der Quadratmeter soll erschlossen 119 Euro kosten.



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