KITZINGEN

Neues Angebot im Stadtteilzentrum

Der Bedarf ist groß. Und er wird weiter wachsen. Die Fachstelle für pflegende Angehörige mit Demenz-Servicestelle hat deshalb ein neues Angebot in der Kitzinger Siedlung kreiert: „Denken und Bewegen gegen die Vergesslichkeit.“
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Anlaufstelle: Im neuen Stadtteilzentrum gibt es Hilfe für Demenzkranke und ihre Anghörigen. Foto: Siegfried Sebelka
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Seit 2014 gibt es die Fachstelle, Leiterin Petra Dlugosch merkt Woche für Woche, dass demenzielle Erkrankungen in der Gesellschaft keine Seltenheit sind. „Demenz ist der Hauptgrund, warum die Leute zu uns kommen“, sagt sie. „Die Pflege spielt eher eine untergeordnete Rolle.“

Der Anteil der Betroffenen aus der Kitzinger Siedlung ist dabei relativ hoch. Die Überlegung lag deshalb nahe, diesen Betroffenen einen standortnahen Kurs anzubieten. Mit dem jüngst eröffneten Stadtteilzentrum hat Dlugosch die richtige Lokalität gefunden.

„In der Siedlung herrscht ganz viel Bedarf“, sagt Dlugosch. Ihre Erklärung: Die meisten Häuser sind in den 60- und 70er-Jahren gebaut worden, der Anteil der Rentner und Pensionäre ist jetzt entsprechend hoch. Das schlägt sich auch in der Zahl der Anmeldungen nieder. „Acht Teilnehmer haben wir schon jetzt“, freut sich Dlugosch.

Acht. Das hört sich zunächst nicht nach einer großen Zahl an. Doch beim Thema Demenz gibt es nach wie vor eine große Hemmschwelle – nicht nur in der Siedlung, wie Dlugosch erklärt. Immer noch werden Erkrankungen in manchen Familien nicht nach außen kommuniziert, immer noch gibt es Senioren, die keine Diagnose für ihren Ehepartner haben wollen. „So nach dem Motto: Das wird schon wieder“, wundert sich Dlugosch. Dabei ist Demenz nicht heilbar und eine Erkrankung, die jeden treffen kann. Immerhin: Den Verlauf man mit dem richtigen Training zumindest verzögern. „Trotz Demenz kann man sich noch ein paar schöne Lebensjahre machen“, betont Dlugosch. Das Rezept: Tätigkeiten suchen, die einem Spaß machen und die man noch erledigen kann, aktiv bleiben und die entsprechenden Angebote wahrnehmen. Je eher das Training beginnt, desto besser.

„Je früher man das Gedächtnis trainiert, desto besser ist es.“
Petra Dlugosch Leiterin der Demenz-Servicestelle

Nur was man benutzt, kann man erhalten. „Diese Regel gilt für Muskeln genauso wie für Gehirnzellen“, erklärt Dlugosch. Ab dem 15. Oktober bietet sie deshalb einmal in der Woche im Stadtteilzentrum in der Siedlung einen Gedächtniskurs an. Rätsel lösen, sich gemeinsam an Lieder und Gedichte aus früheren Zeiten erinnern, mit leichten gymnastischen Übungen die Koordination und Balance trainieren: Das sind die Inhalte der rund dreistündigen Einheiten. Die bieten nicht nur den Betroffenen, sondern auch den pflegenden Angehörigen einen immensen Vorteil: Sie haben einen Nachmittag frei.

„Das Problem für die Angehörigen ist ja oft die Organisation des Alltags“, sagt Dlugosch und nennt das Beispiel einer demenziell Erkrankten, die bei ihrer berufstätigen Tochter wohnt. Einmal in der Woche kommt ein Alltagsbegleiter und hilft, ansonsten ist die Tochter auf sich gestellt. Dank des neuen Angebots könnte in der Siedlung auch ein Netzwerk entstehen, das den Angehörigen hilft, hofft Dlugosch. Mit einem Angehörigengesprächskreis und einem Beratungsangebot für pflegende Angehörige will sie dieses Netzwerk zusätzlich fördern. Diese beiden Angebote starten am 2. November.

Am 15. Oktober geht es zunächst mit dem Kurs los, zu dem nicht nur demenziell Erkrankte eingeladen sind. „Je früher ich mein Gedächtnis trainiere, desto besser“, erinnert Dlugosch. Brigitte Schulze und Margarethe Roth werden den Kurs leiten, je nach Teilnehmerzahl werden weitere ausgebildete Betreuer vor Ort sein. Der Unkostenbeitrag für Kaffee, Kuchen und Material beträgt drei Euro. Dlugosch ist sicher, dass diese Stunden für alle Beteiligten ein Gewinn sein können: „Die Zufriedenheit steigt bei den Betroffenen und Angehörigen gleichermaßen.“

Erstes Treffen: Am Donnerstag, 15. Oktober, von 14 bis 17 Uhr im Stadtteilzentrum Siedlung. Anmeldung unter Tel. 09321/22030 von 9 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr.

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