Schwarzach
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Neue Hoffnung für Modehersteller René Lezard

Insolvenz, Entlassungen, verprellte Aktionäre: René Lezard erlebt schwere Zeiten. Nun will ein türkischer Modezar die Firma retten. Doch dafür müssen die Aktionäre mitspielen.
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Isabella Hierl, Vorstandsvorsitzende der René Lezard Mode AG in Schwarzach. Foto: Simone Naumann
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René Lezard macht schwere Zeiten durch. Der Schwarzacher Modehersteller ist in Schieflage geraten: Insolvenz, Entlassungen und verprellte Aktionäre sorgten in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen. Zwischendurch verließ Unternehmensgründer Thomas Schaefer seine Firma, die nun mehrheitlich der Frankfurter Wertpapierhandelsbank Wolfgang Steubing AG  gehört.

Mit dem türkischen Modemogul Yasar Esgin  aus Istanbul ist mittlerweile ein neuer Mitspieler auf den Plan getreten, der bei der René Lezard Mode AG einsteigen und die Marke zu altem Glanz führen möchte. Esgin, der in Mönchengladbach studiert hat, gehören bereits weitere bekannte Modemarken, darunter more & more. Esgins Bedingung für den Einstieg bei René Lezard: Er will 60 Prozent der Aktien. Eine Hauptversammlung am Stammsitz Schwarzach sollte diesem Deal den Weg bereiten. Sie fand am Montag statt.

Aktionäre stimmen dem Rettungsplan zu

56 Prozent des Aktienbestands war vertreten und deren Besitzer stimmten fast ausnahmslos den Plänen von Vorstand und Aufsichtsrat zu, wie René Lezard vermeldet. Wesentliches Ziel der Versammlung war eine Kapitalerhöhung durch die Ausgabe neuer Aktien. Diese Mehreinnahmen sollen dem in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenen Unternehmen neue Handlungsspielräume eröffnen.  Das – so die Rechnung des Vorstands – kann aber nur gelingen, wenn Yasar Esgins Unternehmen Cemsel Tekstil mindestens 80 Prozent der neuen Anteilsscheine erwerben darf und damit frisches Geld in die Kasse spült. Nur dann käme Esgin auf die von ihm angestrebte Mehrheit von 60 Prozent aller im Umlauf befindlichen Aktien. Dazu allerdings dürften die Altaktionäre ihre Bezugsrechte nicht ausüben.

Eingeweihte bringen es auf den Punkt: Wenn Esgin nicht die Mehrheit an René Lezard erwerben könne, werde er nicht einsteigen. Dann würde der Deal mit dem Weißen Ritter platzen und am Ende könnten alle Aktien – alte wie neue – drastisch an Wert verlieren. Deshalb hofft die Unternehmensleitung für die kommenden sechs Monate auf ein Stillhalten der bisherigen Aktionäre. So lange läuft die Frist für die Ausgabe der neuen Aktien.

Neuer Aufsichtsrat gewählt

Die Hauptversammlung segnete auch den neuen Aufsichtsrat ab.  Dem Gremium gehören nun Michael Bourjau (Tegernsee), Sanierungsberater und bisheriger Aufsichtsratsvorsitzender, an, ebenso Ralf Meinerzag als Vertreter des bisherigen Mehrheitseigners, der Wolfgang  Steubing AG (Frankfurt) und der Industriekaufmann Herbert Schick (Grasbrunn). 

René Lezard war in den vergangenen Jahren in einen wirtschaftlichen Schlingerkurs geraten.   Die Kollektionen des Premium-Modelabels kamen nicht mehr so gut an wie früher, die Finanzkrise hinterließ weitere Bremsspuren und ein Sommer wie 2018 ließ die Kunden auch nicht gerade scharenweise in die Boutiquen strömen. Die Folge: Ende November gab das gebeutelte Unternehmen bekannt, dass an seinem Stammsitz 47 von 107 Beschäftigten gehen müssen. Der Stellenabbau erfolgt mittels eines Sozialplans im ersten Halbjahr 2019.

Branchenbeobachter werteten diesen Schnitt als Weichenstellung für die angepeilte Ägide unter Yasar Esgin. René Lezard hatte den Schritt damit begründet, nur so den Standort Schwarzach halten zu können. Zuvor hatte sich das Unternehmen schon von seinen Betriebsgebäuden getrennt, um flüssig zu bleiben. Dennoch mussten die Altaktionäre deutliche Werteinbußen hinnehmen. Mit dem kommenden Mehrheitseigner hofft René Lezard die finanziellen Untiefen endgültig verlassen zu können.

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