Dieses Jahr soll das Baugebiet Schupfäcker – am Ortsrand in Richtung Rüdenhausen – erweitert werden. Bei der Besprechung des Haushalts der Gemeinde Castell legte Bürgermeister Jochen Kramer den Gemeinderäten nahe, die Erschließung von etwa 15 Grundstücken einzuplanen. Fällig wären dafür rund 420 000 Euro. „Wenn wir die Einwohnerzahl halten wollen, dann nur über Baugebiete“, sagte Kramer und sprach von einem wichtigen Schritt in die Zukunft der Gemeinde. Allerdings meinte Gudrun Kroeschell, dass zu viele Plätze auf einmal neu entstehen sollen.

14 Leerstände im Ortskern

Daraus entwickelte sich eine Grundsatzdiskussion in der Ratssitzung am Montagabend. Gemeinderätin Kroeschell sähe es lieber, dem drohenden Leerstand an Häusern im Ortskern stärker entgegenzutreten. „Wir müssen die Entwicklung im Innenort mehr ins Auge fassen, damit wir nicht auf der einen Seite ein ausuferndes Neubaugebiet erhalten und auf der anderen Seite ein Geister-Dorf.“ Bereits jetzt stünden 14 Gebäude im Ortskern leer, Tendenz bis 2030 steigend, mahnte sie. Der Schwerpunkt müsse ihrer Ansicht nach mehr auf die Entwicklung im Ort gelegt werden, um die Dörfer lebendiger zu machen. Mit den Siedlungen wachse die Dorfgemeinschaft nicht gleichzeitig mit, gab sie zu bedenken. Fünf neue Bauplätze auszuweisen würde erst einmal reichen, meinte Kroeschell. Zudem sollte die Gemeinde Informationen zum Thema Leerstand anbieten.

Ein Baugebiet auf zwei Schritte auszuweisen, sei „rausgeworfenes Geld“, hielt Bürgermeister Kramer entgegen. Das mit dem Leerstand im Ortskern sehe er noch nicht so dramatisch; die betreffenden Häuser stünden ja nicht zum Verkauf, sondern seien in Privatbesitz, da könne man als Gemeinde nichts machen. Darauf wies auch Ratsmitglied Stefan Giehl hin, der wie die anderen Räte mit Ausnahme von Gudrun Kroeschell der Ansicht war, etwa 15 Plätze auf einmal zu erschließen.

Gemeinderätin Kroeschell schlug vor, die Grundstücke zu überplanen, damit die Häuser künftig nach Süden hin ausgerichtet seien. Dazu ist eine Überplanung des gesamten Areals mit dem zuständigen Architekten notwendig, zu der sich das Gremium auch entschloss. Auf bis zu 8000 Euro schätzte Schriftführer Richard Scheller von der Verwaltung die Kosten. Das Geld für die komplette Erschließung blieb nach Abstimmung im Etat.

Geld für den neuen Weingarten

Im Haushalt ist zudem Geld für das Überarbeiten des Flächennutzungsplanes eingestellt, was längst fällig sei, so Kramer. Die Gemeinde könne sich das auch leisten, sagte der Bürgermeister. 2016 stünden wieder größere Ausgaben für die Dorferneuerung an, da würden die Finanzen an anderer Stelle gefordert.

Weitere größere Brocken im Etat sind Planungen für den Ausbau des schnelleren Internets in der gesamten Gemeinde, wozu 80 000 Euro eingestellt sind. Außerdem wird der Weingarten dieses Jahr fertig, wofür noch einmal 124 000 Euro anfallen. Für den Tiefbau im Oberdorf hat die Gemeinde 64 000 Euro vorgesehen.

Der Haushalt wird sich aus Sicht der Gemeinde solide gestalten. Derzeit gehe man von einer Zuführung zum Vermögenshaushalt von rund 224 000 Euro aus, was möglichen Investitionen zugute komme, so das Ortsoberhaupt. Die freie Finanzspanne sei ordentlich, das berechnete Minus von 171 386 Euro kann die Gemeinde durch Ersparnisse auffangen und nicht durch Kredite. In der nächsten Sitzung soll der Etat beschlossen werden.