Kitzingen

Neue Ausrichtung: "Kitzingen – grüne Stadt im Fluss"

Kitzingen will sich einen modernen Anstrich geben: mit unverwechselbarer Marke, neuer Orientierung, aber altem Logo. Der Rat grübelte lange, was Kitzingen so besonders macht.
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"Kitzingen – grüne Stadt im Fluss": So lautet die Zielrichtung, an der sich die Stadt Kitzingen in Zukunft orientieren will. Foto: Katrin Amling 
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Was macht Kitzingen so besonders: die Lage am Main? – Haben andere Städte auch. Der Wein? – Prägt den ganzen Landkreis. Der schiefe Falterturm? – Richtig. Aber reicht das, um sich als Marke unverwechselbar von anderen Städten abzuheben?

Fragen über Fragen warf eine Sondersitzung des Kitzinger Stadtrats auf, die das Gremium am Donnerstag mehr als zwei Stunden beschäftigte. Anlass dafür war eine Zwischenbilanz von Claudia Biebl, die seit eineinhalb Jahren in der Stadt angestellt und für Wirtschaftsförderung, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. 

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Biebl hatte einen schweren Stand, als sie sich mit ihrer Präsentation vor den Stadtrat stellte. Einige Räte vermittelten den Eindruck, als gäbe es zurzeit wichtigere Themen, die einer ausführlichen Beratung bedürfen, andere kritisierten, dass trotz ellenlanger Bilanz wenige konkrete Ergebnisse vorlägen, Lob kam spärlich.

Biebl sieht sich als eierlegende Wollmilchsau

Dabei verdeutlichte Biebl, dass sie sich wie die eierlegende Wollmilchsau vorkomme: Ihr Aufgabenfeld in der Stadtverwaltung ist enorm groß: Kontakte zur Wirtschaft pflegen, mit dem Stadtmarketingverein Aktionen planen und organisieren, die Stadt und die Arbeit der Stadtverwaltung in der Öffentlichkeit vermarkten, sie in Verbänden vertreten, Presseanfragen beantworten. Und das ist nur eine Auswahl. Biebl präsentierte dem Rat ganze Listen von Aufgaben und Projekten.

Folglich tanzt Biebl auf vielen Hochzeiten, kann aber nicht aus jedem Projekt die vom Stadtrat geforderten schnellen Ergebnisse liefern. Vor allem nicht schon nach eineinhalb Jahren. Biebl selbst sieht sich als "Netzwerkerin und Promoterin für die Stadt". Da heißt es: viel auf Achse sein. Nicht umsonst verkündet ihr Anrufbeantworter bei Abwesenheit: "Ich bin im Auftrag der Stadt unterwegs."

Lob bekam Biebl für den neuen Internetauftritt der Stadt, der im Januar 2020 online gehen soll. Sie präsentierte eine Mischung aus emotionalen Bildern, abgespeckten Texten, die weitgehend frei von Bürokratendeutsch sein sollen, und leichter Orientierung für die Nutzer.

Schwierige Diskussion um künftige Ausrichtung

Schwieriger war die Diskussion über die künftige Ausrichtung der Stadt Kitzingen. Dabei ging es um die Frage, mit welchem Profil sich die Stadt nach außen darstellen will. Biebl zeigte dazu eine Reihe bunter Logos, die für viele städtische Einrichtungen nochmals in Unter-Logos unterteilt waren. Diesen Vorschlag lehnte der Rat in Bausch und Bogen ab und entschied sich mehrheitlich, das bestehende Logo, das die Stadt mit den stylisierten Symbolen Falterturm, Weinreben und Mainbrücke zeigt, zu behalten.

Noch ausgiebiger debattierte das Gremium über eine "Positionierungsempfehlung", quasi die Leitplanken für die künftige Entwicklung der Stadt. Aus einem aufwändigen Bürgerbeteiligungsprozess, der wissenschaftlich begleitet wurde, ging Ende 2014 das Fazit hervor: Kitzingen sei "die grüne Stadt am Main". Dieses Ergebnis entstand unter dem Eindruck der Kleinen Landesgartenschau 2011 und des Gewinns der Blumenwettbewerbe Entente Florale auf Bundes- und Europaebene 2013/14, aber auch als Hinweis auf die Gärtnertradition der Stadt.

Ist "grüne Stadt" noch der treffende Begriff?

Seither liegt dieser Entwurf, der 40 000 Euro gekostet hat, allerdings in der Schublade und wurde nicht weiterentwickelt. "Ein Fehler", wie Biebl rückblickend konstatierte. Deshalb wollte sie vom Stadtrat eine Rückmeldung. Einige Räte, wie Thomas Steinruck (KIK), monierten, dass vor dem Entwurf einer Marke ein Inhalt erstellt werden müsse. Denn schließlich müsse sich die Stadtentwicklung auch darin orientieren, soll die Marke keine Worthülse sein. "Wo sind wir denn beim Bauen grün?", fragte Steinruck beispielhaft.

Andere, wie Elvira Kahnt (SPD) und Stefan Güntner (CSU), waren der Meinung, dass der Begriff "grüne Stadt" heute anders verstanden werde: Außenstehende könnten ihn als Hinweis auf Klima- und Umweltschutz verstehen, worüber sich Jens Pauluhn (ÖDP) freuen würde. Der Begriff sei also zumindest missverständlich. Am Ende mochte der Hinweis von Verwaltungsleiter Ralph Hartner überzeugen: "Das ist ein Ergebnis aus den Diskussionen der Bürger dieser Stadt." Jedenfalls stimmte das Gremium schließlich – der Debatte müde – mit 18:7 für die Marke: "Kitzingen – die grüne Stadt im Fluss".

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