Nenzenheim

Nenzenheimer VR-Bank zieht Personal ab

Nenzenheim wächst wieder, und so wird es bald ein neues Baugebiet im Iphöfer Stadtteil geben. Doch die Bewohner müssen sich auch auf Einschränkungen gefasst machen.
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Wie lange noch brennen die Lichter in der VR-Bank-Filiale Nenzenheim? Das Personal soll Ende des Jahres abgezogen werden – die Automaten werden bleiben. Foto: Eike Lenz

Was braucht ein Dorf zum (Über-)Leben? Einen Einkaufsmarkt, Kindergarten und Kirche, ausreichend Bauplätze, ein intaktes Vereinsleben – all das hat Nenzenheim. Aber braucht es auch eine Bankfiliale? Das ist die Frage, die sich nicht wenige stellen im Dorf. Roland Kehrer zum Beispiel. „Ich verstehe nicht, warum man die Bank zumacht. Außenherum ist doch gar nichts mehr“, sagte er am Donnerstagabend in der Bürgerversammlung. Und gemeint war die Filiale der VR-Bank in der Ortsmitte. Schon im vorigen Jahr hatte es dazu eine kurze aufgeregte Diskussion im Feuerwehrsaal gegeben. „Mit 75 oder 90 Jahren macht man kein Online-Banking mehr“, sagte Kehrer. Ob denn Bürgermeister Josef Mend nicht noch einmal „mit den Bankvorständen“ reden könne. „Versuchen kann ich’s“, sagte Mend zu.

Doch der Bürgermeister ist nicht besonders zuversichtlich. „Die Banken“, sagte er, „verfolgen ihre eigene Strategie“, und die orientiere sich nicht selten an wirtschaftlichen Kennzahlen. „Nach meiner Kenntnis bleibt wenigstens der Geldautomat.“ Das bestätigt auf Nachfrage der Redaktion VR-Bank-Vorstand Roland Köppel. Das Personal werde zwar Ende dieses Jahres aus der Filiale abgezogen. Aber Geldautomat und Kontoauszugsdrucker sollen seinen Angaben zufolge im Ort bleiben - ein Teilerfolg für die Nenzenheimer.

Das Dorf wie einen Luftballon aufblähen?

Nach Jahren des Rückgangs und der Stagnation erfreut sich der größte der sechs Iphöfer Stadtteile wachsender Beliebtheit. Die Zahl der Einwohner ist auf 484 gestiegen. Zu Spitzenzeiten vor 15 oder 20 Jahren waren es zwar schon mal mehr als 500. Doch nicht zuletzt an der Zahl der verkauften Bauplätze lässt sich ein Trend nach oben ablesen. Deshalb will die Stadt im Anschluss an das nahezu völlig ausgebuchte Baugebiet Hohlbügelsteig neues Bauland schaffen, und Hildegard Inderwies warf in der Versammlung die Frage auf: „Für wen weisen wir die Bauplätze aus? Liegt es im Interesse der Bevölkerung, dass man ein kleines Dorf aufbläht wie einen Luftballon?“

Die Antwort des Bürgermeisters: „Grundsätzlich machen wir Baugebiete für die Nenzenheimer. Aber es tut der Ortsgemeinschaft auch gut, wenn mal ein paar Fremde dazukommen.“ Da gab es Beifall unter den etwa 60 Teilnehmern im Saal. Das Dorf brauche den Zuzug von außen, sagte Mend, will es die nächsten Jahre seine Einwohnerzahl halten.

Warum nach 25 Jahren die Diakonie schließt

Schließen wird demnächst auch die Diakoniestation: Sie zieht bis Pfingsten nach Markt Einersheim um. Vor mehr als 25 Jahren hatten Einwohner des Dorfes sie in mühevoller Eigenleistung und dank gesammelter Spenden von damals rund 100 000 D-Mark hergerichtet. Einwohner wie Friedrich Angene, der sich nun bitter darüber beschwert, dass die evangelische Kirchengemeinde das Gebäude der Stadt Iphofen zum Kauf anbot. „Ich habe wie viele im Ort jede Menge Herzblut, Zeit und Geld in die Diakonie investiert“, sagte Angene. „Es ist enttäuschend, dass die Kirche das Gebäude jetzt an die Stadt verkauft.“

Pfarrer Matthias Subatzus wiegelte in der Versammlung ab. Das sei die Entscheidung des Diakonischen Werks gewesen, „dazu können wir nichts“. Auch Bürgermeister Mend beeilte sich zu versichern, dass das Haus der Ortsgemeinschaft erhalten bleibe. „Ob Stadt oder Kirche, beide bedienen dasselbe Klientel.“

Straße nur unter Lebensgefahr zu überqueren

Noch immer gibt es in der Frankenbergstraße Probleme mit zu flotten Autofahrern. Der Versuch, sie mittels einer mobilen Tempomessanlage einzubremsen, war zwar nach Beobachtung von Anwohnern wie Timo Lechner weitgehend erfolgreich. Doch als das Gerät nach wenigen Wochen wieder weg war, entwickelte sich die Trasse rasch erneut zur „Rennstrecke“. Lechner wiederholte deshalb seinen Antrag aus dem Vorjahr an die Stadt, dort aktiv zu werden.

Sein Sohn müsse die Straße auf dem Weg zum Schulbus „teils unter Lebensgefahr“ überqueren, und er selbst werde „langsam zum Wutbürger und fange an, die Leute zu beschimpfen“. Mend sagte zu, sich erneut für Tempo 30 an dieser heiklen Stelle einzusetzen, was der Landkreis als Eigentümer der Straße aber schon einmal abgelehnt habe. Auf jeden Fall will es die Stadt noch einmal mit einem Tempo-Messgerät versuchen und die Lage im Auge behalten.

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