Kitzingen

Nasser Endspurt in einem trockenen Jahr

2018 wird als ein sehr warmes und trockenes Jahr in die Wetteraufzeichnungen in Kitzingen eingehen - der nasse Dezember hat das nicht verhindert.
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Nicht nur die Getreideernte im Landkreis wurde 2018 zu einer staubigen Angelegenheit. Wie hier Anfang Juli bei Sulzfeld hatten die Landwirte mit fehlenden Niederschlägen, Staub und eher geringen Erträgen, zu kämpfen.  Foto: Siegfried Sebelka
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"Es war spannend und es bleibt spannend." So hat Thomas Karl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) das Wetter 2018 und die Aussichten für 2019 zusammengefasst. Nach sehr trockenen Monaten hat der Dezember zwar doppelt so viele Niederschläge gebracht als im Schnitt, das Defizit des Jahres hat das nicht ausgleichen können.

Karl ist Pflanzenschutzexperte und in der Mainbernheimer Straße in Kitzingen  unter anderem für die Wetteraufzeichnungen zuständig. Jetzt hat er die letzten Zahlen des Jahres 2018 zu Niederschlag, Temperatur und Sonnenstunden im Dezember vorgelegt und Jahresbilanz gezogen.

3,2 Grad über dem Schnitt

Zunächst zum Dezember. Der hat die Serie der warmen Monate des Jahres fortgesetzt. Der letzte Monat des Jahres kam am Ende auf 4,5 Grad plus und lag um 3,2 Grad über dem Durchschnitt von 1,3 Grad. Den kälteste Tag hat Karl am zweiten Weihnachtsfeiertag mit minus 3,3 Grad gemessen. Am wärmsten war es gleich am Anfang, als das Thermometer am 3. Dezember und plus 12,7 Grad stieg. 15 Vegetationstage (über fünf Grad plus) hat der Dezember gebracht und acht Frosttage. Dauerfrost, also Minusgrade am Tag und in der Nacht, war im Dezember Fehlanzeige. 

Plus 2,3 Grad

Auf das Jahr gerechnet kommt Karl 2018 zu einer Durchschnittstemperatur von 11,6 Grad. Das sind 2,3 Grad mehr als im langjährigen Mittel. "Damit ist das Jahr auch bei uns tatsächlich eines der, wenn nicht das  wärmste der vergangenen Jahrzehnte", sagt Karl. Nur der Februar und der März lagen bei den Temperaturen unter dem langjährigen Mittel. Mit dem April und einem Plus von 5,2 Grad hat die Serie der warmen Monate begonnen, die auch im Dezember gehalten hat. Auffällig: Es war zwar durchgehend zu warm, die richtig heißen Tage an oder jenseits der 40-Grad-Marke haben allerdings gefehlt. 

"Es fehlen 136 Liter zu den bei uns üblichen 590 Litern."
Thomas Karl, Wetterexperte am Amt für Landwirtschaft

Bei den Niederschlägen ist der Dezember eine echte Ausnahme. Nach nur sieben Litern im Oktober und 13 im November hat der zwölfte Monat mit 95 Litern fast doppelt so viel Regen gebracht als die üblichen 48 Liter. Damit kam das Jahr am Ende auf 454 Liter. "Es fehlen 136 Liter zu den bei uns normalen 590 Litern", so Karl, aber dennoch: "Der Dezember hat ein bisschen was ausgeglichen." Den ergiebigsten Regen gab es am 3. Dezember, als 29 Liter pro Quadratmeter niedergingen. Insgesamt gab es 21 Regentage, 15 davon brachten mit über einem Millimeter oder Liter spürbaren Regen. 

Wenige Sonnenstunden

Bleibt noch die Sonne, die sich im Dezember mit 35 Stunden eher rar machte. Damit liegt der Dezember auf dem Niveau der beiden Vorjahre. 2012 und 2015 war es im Dezember mit fast 60 Stunden erheblich heller. 2014 dagegen mit 29 Stunden eher trüb. Insgesamt hat das Jahr 2035 Sonnenstunden abgeliefert. "Ein guter Wert", sagt Karl, über den sich vor allem auch die Landwirte gefreut haben dürften, die Potovoltaikanlagen betreiben.

Der Regen im Dezember hat vor allem dem Wintergetreide gut getan, das im Oktober und November kaum Chancen hatte, sich zu entwickeln. Bleibt der Winter mild und nass, könnte die Entwicklung im nächsten Jahr wieder passen. Auch weil sich dann die Grundwasserstände wieder erholen könnten. Was die Bauern nicht brauchen können, ist eine Situation von Mitte der 70er Jahre. 1975 war ein trockenes Jahr und es folgte ein noch trockeneres Jahr – mit erheblichen Problemen bei der Ernte. Noch ist alles möglich, klar ist für Karl in jedem Fall: "Es war spannend und es bleibt spannend."

Das Jahr im Überblick
Niederschläge: Januar 51 Liter, Februar 13, März 40, April 26, Mai 60, Juni 46, Juli 35, August 45, September 23, Oktober 7, November 13 und Dezember 95 Liter.  Insgesamt 454 Liter und damit 136 Liter weniger als das langjährige Mittel von 590 Liter.
Die Temperaturen: Januar plus 5 Grad (Durchschnittswert 0,1 Grad), Februar minus 1,4 Grad (plus 1,2 Grad),  März 3,5 (4,8), April 14 (8,8), Mai 174 (13,4), Juni 19,4 (16,8), Juli 21,7 (18.5), August 21,3 (18,0), September  16 (14,3), Oktober 11,4 (9,5) November 5,9 (4,4) und Dezember 4,5 (1,3).
Die Zahlen stammen von der Messstation am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in der Mainbernheimer Straße in Kitzingen. Vor allem die Niederschläge können von den offiziellen Zahlen des Deutschen Wetterdienstes oder auch anderen Wetterstationen zum Teil erheblich abweichen.

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