Vom Fasching dürfte der heute 20-Jährige auf absehbare Zeit erst einmal die Nase voll haben. Was an einem Erlebnis Anfang März 2011 liegt, als er im Nachbarort mit viel Helau einfach nur ein wenig Spaß haben wollte.

Doch was ihm dann in der Mainbernheimer Mehrzweckhalle widerfuhr, war alles andere als lustig: Erst flog eine leere Bierflasche gegen seinen Kopf und sorgte für eine unschöne Platzwunde über dem linken Auge.

Als sich der Mann kurz darauf bei einer Zigarette vor der Halle von dem Schock erholen wollte, widerfährt ihm das nächste Unglück: Wiederum aus dem Nichts krachte eine Faust in sein Gesicht und verursachte einen doppelten Nasenbeinbruch.

Die Suche nach denen, die ihm das angetan hatten, gestaltete sich schwierig: Den Flaschenwerfer will der 20-Jährige gesehen haben. Doch der Täter tauchte in der Masse unter und ließ sich vor Ort nicht mehr identifizieren.

Über eigene Nachforschungen landet man schließlich bei einem Namen, der sich jedoch als falsch herausstellt. Schließlich fällt der Verdacht auf einen 19-jährigen Auszubildenden, der jedoch den Wurf glattweg abstreitet. Das Problem, das sich dem Kitzinger Jugendrichter stellt: Es gibt keinen neutralen Zeugen, der den Flaschenwerfer identifizieren könnte. Bei den Nachforschungen ging vieles übers Hörensagen, konkrete Beweise fehlen. Oder, um es mit den Worten der ermittelnden Polizistin zu sagen: „Das waren alles Schlussfolgerungen.“

Noch problematischer ist die Sache mit dem Faustschlag: In diesem Fall hat nicht einmal das Opfer gesehen, wer der Absender der Faust war. Es ist wie oft bei derlei Schlägereien: Obwohl viele Menschen da sind, hat den entscheidenden Moment keiner wahrgenommen. In diesem Fall war der Verdacht auf den älteren Bruder des 19-jährigen Azubis gefallen. Dieser zieht es vor, bei der Verhandlung keine Angaben zu machen.

Ein Angeklagter schweigt, der andere streitet alles ab, dazu dürftige Beweislage und mehr Fragezeichen als Antworten – damit ist schnell klar, wohin die Reise in diesem Verfahren geht: Im Zweifel für den Angeklagten. Die Beweiskette von der Tat zum Täter – es gibt sie nicht. Beide Angeklagten dürfen sich über einen Freispruch freuen. Die Übergriffe bleiben damit ungesühnt, was beim Jugendrichter mit Blick auf das Opfer eine gute Portion Mitgefühl aufkommen lässt: „Für den Geschädigten ist das schlimm und bedauerlich!“