VOLKACH/LANDKREIS KITZINGEN

Narren sollen sicher feiern

Organisatoren und Polizei klügeln passende Sicherheitskonzepte für Umzüge aus
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So soll es sein: Fröhlich, friedlich und ausgelassen feiern beim Faschingsumzug. Foto: Archivfoto: Will
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Die Polizei spricht von einer abstrakten Terrorgefahr. Große Sorgen müssen sich die Narren in Unterfranken deshalb aber nicht machen. Die Umzüge werden – so gut es eben geht – gesichert. Von einer konkreten Gefahrenlage geht die Polizei derzeit nicht aus.

Rund 100 000 Faschingsbegeisterte werden an diesem Sonntag in Würzburg erwartet. Der Umzug gehört damit zu den besucherstärksten in ganz Deutschland. Natürlich haben sich die Sicherheitskräfte auf die Herausforderung vorbereitet. „Wir wissen, dass sich die allgemeine Gefahrensituation gewandelt hat“, sagt Polizeisprecher Enrico Ball. „Wir wissen auch, dass sich das Sicherheitsgefühl bei der Bevölkerung verändert hat.“ Die Konsequenz: Die Polizei wird mit einer größeren Personalstärke als in den Jahren zuvor Präsenz zeigen. Über die genauen Zahlen will Ball aus taktischen Gründen nicht sprechen.

Auf etwa drei Kilometern schlängelt sich der Zug durch die Würzburger Straßen – eine Herausforderung für die Sicherheitskräfte. Anders als in Köln oder Düsseldorf wird es keine Fahrzeugsperren geben, um einen ähnlichen Vorfall wie beim Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin am 19. Dezember 2016 auszuschließen. „Wir setzen auf Polizeifahrzeuge als mobile Zufahrtssperre“, sagt Ball. Will heißen: Falls es zu einer Gefährdung kommt, werden Polizeifahrzeuge, die an neuralgischen Punkten in der Stadt abgestellt sind, als Sperre eingesetzt. Betonquader kommen in Unterfranken lediglich in Sand am Main zum Einsatz. Sie werden an den Hauptzufahrtsstraßen aufgestellt, zusätzlich werden dort Feuerwehrfahrzeuge als Sperren genutzt. In Sand am Main werden an Sonntag rund 15 000 Besucher erwartet.

Die Sicherheitsbesprechungen für die Faschingsumzüge finden schon Wochen vor dem eigentlichen Spektakel statt. Organisatoren, Polizei, Feuerwehr, BRK und Bauhof setzen sich zusammen, um den Ablauf zu optimieren. In Volkach, wo am Dienstag wieder mehr als 10 000 Besucher zum Landkreisfaschingsumzug erwartet werden, war das nicht anders. „Wir haben die neuralgischen Punkte noch mal besprochen, geschaut, ob die Absperrungen ausreichen und ob sie an diesen Stellen Sinn machen“, erklärt Tourismusleiter Marco Maiberger, bei dem die Fäden zusammenlaufen. Bei aller Zuversicht auf einen fröhlich-friedlichen Tag weiß er aber auch: „Eine absolute Sicherheit ist nicht zu gewährleisten.“

Mit Dettelbach und Kitzingen wechselt sich Volkach bei der Ausrichtung des Zuges ab. Vor drei Jahren fand der letzte Landkreisumzug an der Mainschleife statt. „Wir haben die Veranstaltung im Nachgang analysiert und unsere Schlüsse gezogen“, erklärt Maiberger. Eine Konsequenz: Wagen, die für das Obere Stadttor zu groß sind, werden entlang einer Route, die mit Absperrgittern gesichert ist, ausgeleitet. „Sonst ist die Gefahr zu groß, dass ein Kind unter einen Anhänger geraten könnte.“ Bewährt haben sich die vier Ordner, die pro Wagen mitlaufen und aufpassen, dass kein Narr unter die Räder geraten kann. Auch dann nicht, wenn er zu tief ins Glas geschaut haben sollte.

In Volkach spielte übermäßiger Alkoholkonsum bislang keine große Rolle, wie Maiberger versichert. Damit das so bleibt, werden auch in diesem Jahr besondere Maßnahmen ergriffen. Besonders die Jugendlichen wollen die Organisatoren dabei im Blick behalten. Vom Wagen herunter darf kein Alkohol ausgeschenkt werden, den gibt es nur an verschiedenen Catering-Stationen, wo der Jugendschutz überwacht wird. Und wenn die Jugendlichen ihren Alkohol selbst mitbringen oder „vorglühen“? Wer am Zug teilnimmt, wird jedenfalls nüchtern sein, versichert Maiberger. Dafür sorgen schon die Mitglieder der Karnevalsvereinigung Obervolkach, die alle Teilnehmer bei der Zugaufstellung noch mal unter die Lupe nehmen.

Die Polizei wird ihre Kontrollen während der Umzüge ebenfalls verstärken. Im letzten Jahr sind unterfrankenweit 46 Personen erwischt worden, die Alkohol an Jugendliche abgegeben haben. Auch die Autofahrer werden in den närrischen Tagen verstärkt Kontrollen unterzogen. 2016 sind 45 gestoppt worden, die mehr als 1,1 Promille im Blut hatten.

Die Polizei ruft nicht nur beim Thema Alkohol zu Vorsicht und Mäßigung auf, sondern appelliert auch bei der Wahl der Verkleidung an die Vernunft der Jecken. „Ein gewisses Fingerspitzengefühl ist angebracht“, sagt Enrico Ball und verweist auf einen Bericht der Münchner Kollegen. Am dortigen Ostbahnhof war ein Mann mit schusssicherer Weste, schwarzer Mütze und dunkler Pistole unterwegs – wie sich bei der Kontrolle herausstellte zu einer Faschingsveranstaltung.

„Auch wir werden entsprechende Kontrollen durchführen“, kündigt Ball an und ruft die Bevölkerung dazu auf, bei Verdachtsfällen die 110 anzurufen oder den nächsten Polizeibeamten anzusprechen. So abstrakt die allgemeine Gefahrenlage auch sein mag. Konkrete Verdachtsfälle sollten auch von den Narren ernst genommen werden.

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