VOLKACH

Nachwuchs für die Bundeswehr

Der Schlamm spritzt in alle Richtungen als sich der geländegängige Lkw scheinbar mühelos durch das Dreckloch wühlt. Eine weiße Abgaswolke tritt aus dem Auspuff, während der 15-Tonner mit aufheulendem Motor auf die nächste metergroße Pfütze zusteuert. Neben dem Fahrer sind durch die Scheiben zwei Jugendliche zu sehen, die sich an der Haltestange festklammern und mit grinsenden Gesichtern vorbeidonnern.
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Schlammiges Abenteuer: Die Praktikanten bei der Bundeswehr in Volkach waren begeistert von der Fahrt durch das Gelände. Der Regen in der Nacht zuvor hatte den Boden aufweichen lassen. Foto: Foto: Lukas Will

Der Schlamm spritzt in alle Richtungen als sich der geländegängige Lkw scheinbar mühelos durch das Dreckloch wühlt. Eine weiße Abgaswolke tritt aus dem Auspuff, während der 15-Tonner mit aufheulendem Motor auf die nächste metergroße Pfütze zusteuert. Neben dem Fahrer sind durch die Scheiben zwei Jugendliche zu sehen, die sich an der Haltestange festklammern und mit grinsenden Gesichtern vorbeidonnern.

„Urlaub bei der Bundeswehr“

Auf dem Übungsplatz des Logistikbataillons 467 in Volkach stehen am Mittwochnachmittag 55 Praktikanten in Blaumännern und Springerstiefeln. Sie absolvieren in den Sommerferien auf dem Bundeswehrstützpunkt ein fünftägiges Praktikum. Dabei lernen sie militärische Disziplin und das Berufsbild Soldat kennen. Die meisten sind zwischen 14 und 18 Jahre alt, kommen aus der Region und sind begeistert von ihrem Praktikum.

„Das darf man sonst nirgends“, strahlt Denis van Venrooy nachdem er aus einem der Lkw gestiegen ist. Der 15-jährige Realschüler war schon vor dem Praktikum fest entschlossen, zur Bundeswehr zu gehen. Neben der Geländefahrt hat ihm besonders gefallen, mit einem Nachtsichtgerät einen Parcours zu durchlaufen und Gabelstapler fahren zu dürfen.

Während die eine Gruppe noch hofft, möglichst bald auch eine Runde über die Schlammbahn drehen zu dürfen, steht eine andere bei einem Lkw, der im Tümpel steckt. Die Soldaten zeigen, wie sie das Fahrzeug wieder flott machen. Dazu helfen zwei kräftige Praktikanten die etwa 50 Kilogramm schwere Abschleppstange zu montieren. Ein weiterer Lkw zieht anschließend das havarierte Fahrzeug aus dem Wasser.

Als das Schauspiel vorüber ist, erzählt Selina Schmidbauer, dass ihr die großen Fahrzeuge am besten gefallen. Auch sie will sich nach der Schule verpflichten und zu den „Sanis“ gehen. Die 15-Jährige aus Schallfeld hat sich das frühe Aufstehen um 5.45 Uhr schlimmer vorgestellt und die körperliche Herausforderung auf dem Hindernisparcours mache ihr sogar Spaß, sagt sie. Sie ist eines von 20 Mädchen, die sich den Beruf Soldatin aus der Nähe anschauen. Und dabei mussten noch Interessenten abgelehnt werden. Etwa 120 Bewerber gab es, davon waren 35 weiblich, berichtet Hauptmann Uwe Kirfel. Er hatte vor Jahren die Idee zu dem Praktikum und freut sich über das große Interesse: „Die Erwartungen wurden deutlich übertroffen.“ Zuvor habe der Hauptmann das Praktikum in kleineren Gruppen mehrmals im Jahr anbieten können, was aufgrund der aktuellen Auftragslage aber nicht machbar sei. Soldaten aus Volkach sind auch in Afghanistan und der Türkei im Einsatz.

Arbeitgeber Bundeswehr

Wenn man die Jugendlichen fragt, was sie gerne noch sehen würden, sagen sie oft, dass sie noch kaum eine Waffe zu Gesicht bekommen hätten. Das ist Absicht, denn Hauptmann Kirfel betont, dass er keine Soldaten aus den Jugendlichen machen wolle. Er möchte den Arbeitgeber Bundeswehr zeigen, der vor allem in Unterfranken in großer Konkurrenz zur Wirtschaft stehe, wenn es darum geht, junge Leute anzuwerben.

Am Donnerstag ging es dann mit einem Orientierungslauf zum Pionierübungsplatz nach Reupelsdorf. Dort gab es einen Grillabend und die Praktikanten fuhren mit Panzer und Kran. Spätestens damit dürfte der Hauptmann seiner Konkurrenz um einiges den Rang abgelaufen haben.

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