Kitzingen

Nachbarn bekommen sich wegen Dellen im Auto in die Haare

Aus dem Gericht: Schrammen am Auto sorgen für Zerwürfnisse in einem Mietshaus. Nach Aussage gegen Aussage wird Verfahren am Kitzinger Amtsgericht eingestellt.
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Hat die Nachbarin für die Dellen und Kratzer am Wagen des Nebenmannes gesorgt? Diese Frage beschäftigte die Kitzinger Strafrichterin. Foto: Oliver Berg (dpa)

Es ist eine verzwickte Angelegenheit: Auf der einen Seite ein Mann, dessen Auto angefahren wurde. Tatzeit: der Nachmittag des 19. Oktober 2018, etwa zwischen 13.30 Uhr und 16.30. Das Auto stand auf dem Parkplatz vor einem Mehrfamilienhaus in Wiesentheid. Daneben parkte eine Nachbarin. Als der Mann zu seinem VW kam, traf ihn fast der Schlag: Ein paar sehr unschöne Kratzer zieren seinen Wagen, alles in allem ein Schaden von fast 2500 Euro.

Das Unfallopfer tippt als Verursacher auf die Nachbarin, die dort mit ihrem Wagen gestanden hatte. Die Kontaktaufnahme verlief zunächst schleppend, es gab mehrere Zettel im Briefkasten. Schließlich lief man sich ein paar Tage später über den Weg. Damals habe die Frau auch alles zugegeben, betont der VW-Fahrer. Die Nachbarin habe sich sogar entschuldigt und gefragt, "ob man das nicht irgendwie so klären könnte". Das sei dann zunächst auch erst einmal der Plan gewesen.

Danach: Schweigen. Ein vereinbartes weiteres Gespräch scheiterte, die Sache blieb ungeregelt. Dafür wurde die Stimmung in dem Haus immer schlimmer. Er sei "regelrechtem Terror" ausgesetzt gewesen, betont der Geschädigte. Die vermeintliche Verursacherin stritt plötzlich alles ab, wollte nichts mehr von einem Anrempeln wissen. Die Dinge schaukelten sich mit der Zeit dermaßen hoch, dass der Mann zwei Monate später entnervt aufgab und wegzog. Es müssen nachhaltige Dinge passiert sein: Jetzt, ein Jahr später vor Gericht, möchte er jedenfalls seine neue Adresse nicht nennen.

Völlig andere Version

So plausibel die Aussagen des VW-Fahrers zunächst klingen – die Nachbarin erzählt die Geschichte genau anders herum. Sie sei an besagtem Nachmittag gar nicht daheim gewesen. Beim Einkaufen habe sie eine Bekannte getroffen und sich verplaudert. Zu der besagten Uhrzeit jedenfalls könne sie keinesfalls die Karambolage verursacht haben, sie sei erst gegen 17 Uhr nach Hause gekommen. Die Anschuldigungen des Nachbarn könne sie nicht verstehen, betont die Angeklagte gegenüber der Kitzinger Strafrichterin. Als der Nachbar sie nach der Karambolage angesprochen habe, sei sie von einem völlig anderen Unfallort ausgegangen und nicht sicher gewesen, ob sie dort vielleicht tatsächlich irgendwo angeeckt ist.

Eine eingeschaltete Gutachterin konnte wenig Erhellendes zu dem Aussage-gegen-Aussage-Fall beitragen. Als sie ins Spiel kam, waren die Schäden längst behoben. Der alles entscheidende Lackvergleich konnte nicht mehr gemacht werden un die von der Polizei gemacht Bilder hatten wenig Aussagekraft. Am Ende stand somit die Einsicht: Es könnte vom Schadensbild her so gewesen sein, wie der VW-Fahrer angibt.

Keine Aufklärung

Weil aber mit "könnte" vor Gericht wenig anzufangen ist, blieb letztlich nur noch die Hoffnung, mögliche Zeugen gibt, die zur Aufklärung des Durcheinanders beitragen können. Die Bekannte der Angeklagten sagt: Jawohl, wir waren an dem Nachmittag gemeinsam unterwegs. Eine Rentnerin, die ebenfalls in dem Mehrfamilienhaus wohnt, kann sich nicht erinnern.

Damit ist endgültig klar: Woher die Schrammen stammen, lässt sich nicht mehr aufklären. Zwar geht die Staatsanwaltschaft auch weiterhin davon aus, dass für die Vorwürfe in der Anklage "einiges spricht", beweisen lasse sich indes nichts. Damit steht fest: Das Verfahren wird eingestellt, die Akten müssen ergebnislos zugeklappt werden. 

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