Marktbreit

Nach der Massenkarambolage im Nebel: Wenn Helfer Hilfe brauchen

Ein Unfall auf der A 7, der nachwirkt: 18 beteiligte Fahrzeuge und 34 Verletzte auf der vereisten Autobahnbrücke bei Marktbreit. Auch die Rettungskräfte gerieten in das Blitzeis-Chaos.
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Vermutlich Totalschaden: Der Helfer-vor-Ort-Wagen aus Obernbreit des BRK war eines von vier Fahrzeugen, die bei der Glatteis-Karambolage auf der A7 bei Martinsheim beschädigt wurden. Foto: Berthold Diem
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Auch mit ein paar Tagen Abstand ist der Marktbreiter Feuerwehrkommandant Florian Wallochny noch fassungslos: Was da am Sonntagmorgen auf der naheliegenden Autobahn A 7 bei Martinsheim (Lkr. Kitzingen) passiert war, wirkt nach. Für den 36-Jährigen war es einer der bisher gravierendsten Einsätze . Selbst Kameraden, die schon einige Jahrzehnte zurückblicken können, haben "sowas noch nicht erlebt", fasst der Kommandant seine Eindrücke zusammen. Für ihn steht deshalb außer Frage, dass der eine oder andere seiner Kameraden nach dem schweren Einsatz selber Hilfe braucht und psychisch stabilisiert werden muss. 

Es war gegen 7.20 Uhr gewesen, als es zu der Massenkarambolage auf der A 7 kam. Keine 50 Meter Sicht. Blitzeis auf einer Autobahnbrücke. Dann war es auch schon passiert: Zwischen Marktbreit und Kitzingen verlor der 49-jähriger Fahrer eines Kleintransporters die Kontrolle über sein Fahrzeug und prallte in die Mittelleitplanke. Das zog eine Kettenreaktion nach sich: Innerhalb weniger Minuten krachten laut Polizeimeldung 17 nachfolgende Fahrzeuge ineinander.

In das Chaos gerieten auch mehrere Einsatzwagen der Retter. Ein Streifenwagen der Biebelrieder Autobahnpolizei, der die Unfallstelle absicherte, wurde von einem schlitternden Auto gerammt. Die beiden Beamten in dem Fahrzeug kamen mit dem Schrecken davon. So erging es auch einem Rot-Kreuzler: Der Helfer-vor-Ort-Mitarbeiter aus Obernbreit blieb ebenfalls unverletzt, musste aber miterleben, wie er selber Teil des Horrorszenarios wurde und ein anderer Wagen ihm das Heck seines Fahrzeuges zerstörte.    

Feuerwehr schwer gebeutelt

Schwer gebeutelt wurden auch die Helfer der Marktbreiter Feuerwehr. Sie rückten mit sechs Fahrzeugen und 26 Einsatzkräften an. Wenig später waren zwei Autos kaputt: Der schon ältere Wagen der Einsatzleitung verunglückte auf dem Weg zum Einsatz. Ein neueres Fahrzeug mit Ausrüstung, das es bis zur Unfallstelle geschafft hatte und die Stelle absicherte, wurde von einem SUV gerammt und schwer beschädigt.

Während die Retter trotz der eigenen Unfälle zum Glück unverletzt blieben, passierte es dann doch: Einem Feuerwehrmann fuhr ein schlitternder Wagen über den Fuß. Der Mann kam umgehend ins Krankenhaus, wo einigermaßen Entwarnung gegeben werden konnte: Ein Beinbruch, aber bleibende Schäden wird es nicht geben. "Viel Glück gehabt" habe der Mann, betont Florian Wallochny. So wie es bei einer solchen Gemengelage überhaupt einem kleinen Wunder gleichkam, dass keine Toten zu beklagen waren. Um die 34 Verletzten versorgen zu können, wurde zwischenzeitlich die Staatsstraße vor dem Feuerwehrhaus in Marktbreit gesperrt.

Aufwendige Bergung

Auch Kitzingens Kreisbrandrat Roland Eckert spricht von einer "sehr aufwendigen Bergungsaktion". Ein Auto beispielsweise, das gerade noch vor einem Sattelschlepper anhalten konnte, wurde durch einen nachfolgenden schließlich doch noch unter den Laster gedrückt. Die Rettung der Fahrerin gestaltete sich äußerst schwierig.

In den nächsten Wochen wird es für BRK, Feuerwehr und Autobahnpolizei um die Abwicklung der wirtschaftlichen Schäden an den Fahrzeugen gehen. Wallochny befürchtet allein an den beiden Marktbreiter Fahrzeugen einen Schaden im sechsstellingen Bereich. Marktbreits Bürgermeister Erich Hegwein versprach, dass die Stadt "eine Lösung finden" werde. Als Stützpunktwehr könne man auf die beiden Fahrzeuge nicht verzichten. Bei der Stadtratssitzung am Wochenanfang ging man von wirtschaftlichen Totalschäden aus. Die große Frage ist nun, wie viel Geld von den Versicherungen erstattet wird und welche Kosten am Ende für die Neubeschaffungen an der Stadt hängen bleiben. 

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