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Sulzfeld

Nach 26 Jahren: Sulzfelder Soldat für Somalia-Einsatz geehrt

Reinhard Schweser aus Sulzfeld war als Bundeswehrsoldat in Somalia. Er erzählt von seinem Einsatz und erklärt, warum er erst jetzt, nach 26 Jahren dafür ausgezeichnet wurde.
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Nach über 20 Jahren bekam der ehemalige Soldat Reinhard Schweser aus Sulzfeld nun eine Medallie für seinen UN-Einsatz in Somalia. Foto: Lukas Kutschera
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Ganze 26 Jahre ist Reinhard Schwesers UN-Einsatz nun her. Der ehemalige Soldat aus Sulzfeld am Main war von Januar bis März 1994 auf humanitärer Mission im afrikanischen Somalia. Der Einsatz der Vereinten Nationen sollte den Frieden in dem von einer Hungersnot und Bürgerkriegen geplagten Land sichern. "Es war der erste große Einsatz der Bundeswehr außerhalb des Nato-Gebiets", sagt Schweser heute in seinem Sulzfelder Wohnzimmer.

Dass er jetzt wieder über die Mission spricht, hat einen guten Grund. Ende vergangenen Jahres – also beinahe 26 Jahre nach Somalia – erhielt Schweser die Bronzene Einsatzmedaille der Bundeswehr verliehen. Aber warum erst jetzt? "Lange Zeit gab es eine Stichtagsregelung", sagt der ehemalige Soldat. Im Jahr 1996 führte die Bundeswehr die Auszeichnung ein. Teilnehmer an Missionen davor aber – so wie Somalia – gingen erstmal leer aus.

Halbes Jahr harte Ausbildung und eine große Enttäuschung

Als Soldat war Schweser sozusagen bei der Militärpolizei der Bundeswehr, den Feldjägern. Als im April 1993 der Bundestag die Teilnahme an der Mission in Somalia beschloss, meldete er sich freiwillig. "Dann begann sofort die Ausbildung für den Einsatz", sagt der heute 51-Jährige – zusätzlich zu seinen Aufgaben als Feldjäger in Deutschland. "Wir pendelten quasi ständig zwischen Übungsplätzen, Ärzten, Fahrausbildungen und Schießanlagen."

Im November war das Kontingent eigentlich schon offiziell verabschiedet. "Doch dann wurde uns mitgeteilt, dass statt 32 nur sechs Feldjäger nach Somalia sollen", sagt Schweser. "Und da sollte ich nicht dabei sein." Nach Monaten harter Ausbildung war die Enttäuschung groß. "Meiner Mutter war das aber mehr als recht", sagt er und lacht. Durch die Medien gingen damals Bilder aus Somalia von durch die Straße geschleiften, toten US-Soldaten.

Hauptaufgabe: Absicherung der Rückverlegung nach Deutschland

Es kam aber wieder anders. "Kurz vor Weihnachten gab es ein Fernschreiben." Es sollten doch mehr Soldaten nach Somalia. "Und ich war namentlich genannt", erzählt Schweser. Denn er hatte als einziger einen Panzerführerschein. Mitte Januar ging dann der Flug von Köln nach Somalia.

"Es waren 40 Grad im Schatten", erinnert sich der ehemalige Soldat. "Schatten gab es eigentlich keinen." Schwesers Hauptaufgabe als Feldjäger war die Organisation und Absicherung des deutschen Einsatzverbandes. Etwa 1500 Soldaten sowie über 1000 Container und Fahrzeuge sollten zurück nach Deutschland gebracht werden. "Insgesamt haben wir sieben oder acht Schiffe beladen", sagt Schweser. Daneben beschäftigten ihn und seine Kameraden polizeiliche Aufgaben.

Schlechte Versorgungslage im Stützpunkt

"Dass es der erste Einsatz der Bundeswehr außerhalb des Nato-Gebiets war, merkten wir", sagt Schweser und lacht. Die Bekleidung für die deutschen Truppen war bunt zusammengewürfelt aus Uniformen anderer Länder. Genauso sah mit dem Essen aus. "Man kann sich vorstellen, wie eine Dose Leberwurst bei 40 Grad aussieht." Es gab nur die deutsche Standard-Verpflegung. "Im Land selbst konnten wir nichts kaufen."

Schweser war einer der letzten deutsche Soldaten, die Somalia damals verlassen haben. Wegen der Sicherheitssituation wurden die Soldaten statt mit dem Flugzeug per Schiff außer Landes gebracht. Freiwillig blieb er länger und packte als Teil der Verlademannschaft selbst beim Einladen mit an. "Mein höchster Wasserverbrauch waren zwölf Liter am Tag", erinnert er sich. "Das Einzige, was uns aufrecht erhielt, war die Kameradschaft."

Neun Verteidigungsminister später bekommt Schweser die Medaille verliehen

Dass er jetzt doch die Bronzene Einsatzmedaille für seine Zeit in Somalia überreicht bekam, war nur durch eine Gesetzesänderung möglich. "Die Mühlen der Bundeswehr mahlen teilweise sehr langsam", meint Schweser. Der stellvertretende Kommandeur des Einsatzes, Manfred Benkel, musste sich jahrelang dafür einsetzen. Im November vergangenen Jahres, in Hammelburg, erhielt Schweser die Medaille und eine Urkunde verliehen. Unterschrieben hat die Urkunde Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer – der Chefposten im Verteidigungsministerium ist seit dem Somalia-Einsatz Schwesers zwischenzeitlich achtmal neu besetzt worden.