Schwanberg — Da soll noch einmal einer sagen, dass fränkische Lieder und Musikstücke keine eingefleischten Fans haben. Auch als am Sonntagnachmittag die Quecksilbersäule auf die
40-Grad-Mark zukletterte, ließen es sich viele nicht nehmen, auf den Hausberg des Landkreises zu fahren, um das 15. Fränkische Sänger- und Musikantentreffen im Schlosshof am Schwanberg zu erleben. Nachdem sich am Nachmittag auch noch die Sonne aus dem Innenhof verabschiedet hatte, erlebten die Zuhörer einen lauschigen Abend, der fast ganz den Lobliedern auf den Wein und die heimatlichen Gefilde gewidmet war.

1200 Jahre Weinbau in Franken


Der Weinbau in Franken stand bei der Veranstaltung im Mittelpunkt und Reinhard Hüßner verstand es trefflich, in einem kurzweiligen Vortrag wichtige und interessante Stationen des rund 1200-jährigen Weinbaus im Frankenland aufzuzeigen. So lernte das Publikum nach dem musikalischen Aufgalopp der Schrolla-Musik aus Vasbühl und dem gemeinsamen Lied "Geh aus, mein Herz" mit den Zeilen "des süßen Weinstocks starker Saft bringt täglich neue Stärk' und Kraft" die Ursprünge der Reben im Frankenland kennen. Die gehen auf die Zeit Karls des Großen zurück, der Gutshöfe zur Versorgung seiner Mannen anlegen ließ: "Der erste Nachweis des Weinbaus in Franken findet sich im 8. Jahrhundert in der Münnerstädter Gegend", klärte Hüßner auf. Aus der Gegend um den Schwanberg gibt es den ersten Beleg aus dem Jahr 816 im Zusammenhang mit dem Kloster Megingaudeshausen, "von dem man bis heute noch nicht sicher weiß, wo es stand."
Jahrhundertelang wurde dann der sogenannte "gemischte Satz" angebaut, was einen Weinberg mit verschiedenen Sorten bedeutet: "Das hatte den Vorteil, dass bei Frosteinbrüchen nicht der ganze Ertrag des Wengerts verloren ging." Hüßner erzählte auch, dass es keine Lagennamen für die Weinbergsbereiche gab, sondern immer die Flurlage als Bezeichnung herhielt. So zum Beispiel die Wengert an der Schwanleite in der Rödelseer Flur, wie es in einer Urkunde des Klosters Ebrach aus dem Jahr 1340 heißt.
Ab dem 12. Jahrhundert gab es die Bezeichnungen "hunnischer" und "fränkischer" Wein, wobei letztgenannter als der bessere galt. Gelächter erntete der Referent beim Bericht zum Wein aus Niederbayern, der billiger zu haben war: "Das kann man sich ja denken!"
Als "epochale Änderung" stellte Hüßner die Verwendung des Schwefels zum Ende des
15. Jahrhunderts heraus, um den Wein haltbar zu machen. 1482 tauchen in Kitzingen Weingesetze auf, "die besagen, dass ein Lot Schwefel auf ein Fuder Wein verwendet werden durfte." Das bedeutete 16,2 Gramm Schwefel auf 808 Liter Wein. Nach Worten des Sprechers bedeutete diese Neuerung "den Anfang einer langen Entwicklung zur Verbesserung der Weinqualität." So wurden 1539 die ersten sortentypischen Fechser (Stecklinge) erwähnt, "als ein Graf 6000 Fechser der Sorten Muskateller und Traminer nach Lüneburg bringen ließ." Auch ein Beleg dafür, dass der Weinbau früher viel weiter verbreitet war - und viel mehr getrunken wurde. Im Jahr 1590 findet sich in Castell der Hinweis, "dass ein Pfarrer zwei Maß Rotwein als Schlaftrunk zu sich nahm."
Der 30-jährige Krieg (1618 bis 1648) brachte eine starke Zäsur, da viele Fluren und Weinberge verwüstet wurden und viele Menschen umkamen. "Auch die so genannte kleine Eiszeit im 16. Jahrhundert reduzierte die Weinbergsflächen, so dass dann nur noch in günstigen Lagen Weinbau betrieben wurde - auch mit neuen Sorten." Zu dieser Zeit kam der Silvaner ins Spiel, der 1659 von Österreich über Obereisenheim nach Castell kam. Der sortenreine Anbau ließ aber noch auf sich warten, "da manche Wengert bis zu 100 Jahre alt wurden." Den "gemischten Satz" gibt es heute nur noch im Weinberg von Otmar Zang in Sommerach - und Hüßner zeigte sich angetan: "Ich habe ihn probiert und war richtig begeistert."
Im Lied "Naus'n Wengert bin i ganga" beschrieb der Landfrauenchor schließlich die Arbeit im Weinberg und huldigte mit seinen weiteren Vorträgen dem "lieblichen Frankenland".
Fast schon Stammgäste beim Sänger- und Musikantenreffen sind die Frankobarden, die dem Wein mit Mundartliedern Referenz erwiesen. "Wenn du en Wei' im Keller hast, dann heb'n ja nit auf, er werd' nit besser mit der Jahr, en gut'n muss mer sauf", sangen die Protagonisten des fränkischen Liedes zur Erheiterung des Publikums.
Für schwungvolle Weisen sorgte "Steffis kleine Zachmusik" (Steffi Zachmeier) und die Iphöfer Winzersinggruppe rief zum Genuss eines "Schöppla Frankawei" auf und sorgte mit lustigen heimatlichen Weisen ebenfalls für beste Stimmung in der Runde. Überraschungsgäste waren Rüdiger Schmalz aus Wiesenbronn am Akkordeon und Ehefrau Sandra am Hackbrett, die mit schönen Melodien begeisterten.