KITZINGEN

Musikalische Reise zu unbekannten Ufern

Eine Kuhglocke haben diese jungen Menschen normalerweise nicht in der Hand. Aber auch damit lässt sich Musik machen. Und deswegen sind sie ja zusammengekommen. In der Alten Synagoge in Kitzingen.
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Gemeinschaft: Fritz Moßhammer und die Jugendlichen aus drei Ländern haben sich beim Workshop in der Alten Synagoge gefunden.
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Eine Kuhglocke haben diese jungen Menschen normalerweise nicht in der Hand. Aber auch damit lässt sich Musik machen. Und deswegen sind sie ja zusammengekommen. In der Alten Synagoge in Kitzingen.

Musik im Fluss

Lokalklang nennt sich das Projekt des Netzwerks „Stadtkultur bayerischer Städte e.V.“. Kitzingen macht mit. Und der Leitgedanke „Musik im Fluss – eine Reise zu unbekannten Ufern“ ist Programm.

Fritz Moßhammer und Erwin Rehling füllen das Projekt mit Leben. Aber nicht alleine. Zehn junge Menschen haben sich zu dem etwas anderen Musikworkshop angemeldet. Sie kommen aus den Partnerstädten Trebnitz (Polen) und Montevarchi (Italien). Und aus Kitzingen. Sine Renner und Sabine Penka beispielsweise. Normalerweise sitzen die beiden vormittags im Armin-Knab-Gymnasium und machen nachmittags zuhause ihre Hausaufgaben. In dieser Woche ist für sie alles anders.

„Ich habe überhaupt nicht gewusst, was auf mich zukommt“, gibt die 18-jährige Sine Renner zu. Ihr Querflötenlehrer hat sie zu dem Projekt angemeldet. Bei der 17-jährigen Sabine Penka das gleiche Spiel. „Ich dachte, wir spielen ein paar Stücke aus den Partnerschaftsstädten.“

Die Profimusiker Moßhammer und Rehling vom Duo Hammerling hatten anderes vor. „Jeder kann hier seine individuellen Fähigkeiten einbringen“, erklärt Rehling. „Wir wollen die Kreativität der jungen Musiker fördern.“ Und die sind beim ersten Treffen am Montagvormittag überrascht von dem freien Konzept. Keine Noten, keine Texte, keine Vorgaben. „Das war schon sehr ungewohnt“, erinnert sich Sine Renner.

Aber nur für kurze Zeit. Schnell haben sich die zehn Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren an die Freiheiten gewöhnt. Moßhammer und Rehling haben die jungen Musiker in den Proben immer wieder animiert und motiviert. „Was könnt ihr denn spielen?“ So lautete die am häufigsten gestellte Frage. Und mit den Antworten ließ sich einiges arrangieren. „Am Montagabend haben wir schon drei Stücke gehabt“, sagt Gehling nicht ohne Stolz. Roza Swiderska und Joanna Kola haben drei Lieder aus ihrer polnischen Heimat mitgebracht. Ilham Özdemir aus Kitzingen singt auf türkisch. Internationale Stimmen, traditionelle Instrumente und ein moderner Sound: All das vermischt sich in diesen Workshop-Tagen in der Alten Synagoge. Und die jungen Teilnehmer lernen sich und ihre Fähigkeiten neu kennen.

Dass sie spielen und singen können, haben die zehn jungen Musiker schon des öfteren unter Beweis gestellt. „Aber noch nie so frei wie hier“, sagt Sabine Penka. „Hier lernt man, ganz spontan zu spielen.“

Zwei Mal am Tag proben die Schüler mit den beiden Profimusikern in der Alten Synagoge. Von 10.30 bis 12.30 Uhr und von 15 bis 18 Uhr. „Die Gruppe hat sich schnell gefunden“, lobt Rehling. Und sein Lob dehnt er auf die Rahmenbedingungen in Kitzingen aus. „Die sind echt super.“ Proben unter professionellen Bedingungen, gemeinsame Mittagessen und am Abend spontane Feiern. „Alle haben viel Spaß und sammeln ganz spezielle Erfahrungen“, sagt er.

Konzert am Samstag

Der Workshop mündet in ein öffentliches Konzert. Am Samstag, 7. Juni, werden die Musiker ihre neuen Erfahrungen ab 18 Uhr in der Alten Synagoge präsentieren. Wie lange das Konzert dauern wird, kann Erwin Rehling bei den Proben am Mittwochnachmittag noch nicht genau sagen. „Eine Stunde wird es schon werden“, meint er. Viel wichtiger als die Dauer ist ihm die Intensität der Musik. „Es geht ums Zuhören“, sagt Rehling. „Und darum, Stimmungen aufzunehmen.“ Ein Besuch lohnt sich. Das zeigen schon die Stimmen und die Stimmung bei den Proben.

Die Teilnehmer

Carina Hiebl (14 Jahre), Harfe, Cello, Luisa Moser (15) Posaune, Sabine Penka (17) Alt- und Tenorsaxophon, Sine Renner (18) Querflöte, Saskia Ungerer (16) Klarinette, Spielmannsflöte, Ilham Özdemir (20) Gitarre, Klavier, Gesang, Joanna Kola (18) Gesang, Roza Swiderska (18) Gesang, Geige, Simone Del Sorbo (18) Sopransaxophon, Matteo Tarchi (18) Euphonium.

Leitung: Fritz Moßhammer und Erwin Rehling.

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