Die letzte Hoffnung platzte am Montag gegen halbelf Uhr morgens. Kein Interesse, hieß es. Alle Versuche Reinhard Hüßners, die Dame am Telefon doch noch davon zu überzeugen, die Gaststätte unterhalb der Mönchsondheimer Kirchenburg wenigstens am Wochenende zu bewirtschaften, scheiterten. Es werde eine Lösung geben, versicherte Hüßner am Dienstagabend in der Bürgerversammlung, aber wie die aussehen soll, wie all die Besucher, die nun wie-der zu Tausenden in die Kirchenburg strömen werden, zu verköstigen sind, dazu konnte auch der sonst um keinen Einfall verlegene Museumsleiter in dieser Stunde nicht viel Konkretes beisteuern.

Die Situation im Wirtssaal war angespannt, zum Teil gereizt. So gereizt, dass selbst Bürgermeister Josef Mend am Ende ratlos war: „Es tut mir leid. Ich verstehe euch heute nicht“, sagte er. Schon häufig war er die steile Stiege des Gasthauses hinaufgeklettert in diesen drückenden, düsteren Saal mit dem rustikalen Charme der siebziger Jahre, den abgewetzten Tischen und Stühlen, den verblichenen Gardinen und den ergrauten Wänden. 25 Jahre stand er hier als Bürgermeister – und immer hatte ihn die Wirtsfamilie Rückert empfangen. Doch im vergangenen Jahr ist der Senior überraschend gestorben und dessen Frau weggezogen. Die Stadt Iphofen hat das Anwesen gekauft und mit ihm jede Menge Probleme.

Vor einem Jahr hörte sich das alles noch deutlich optimistischer an: Die Stadt übernimmt das Gebäude, setzt einen Pächter hinein, Gäste und Einwohner sind zufrieden, dass der Wirtschaftsbetrieb in dem 172-Seelen-Ort weiter floriert. Aber diese Optimisten hatten die Rechnung ohne die Wirte gemacht. Denn die sprangen reihenweise ab. Der erste Pächter kochte nur einen Sommer und war gleich wieder weg. Die anderen sahen sich das Gebäude an – und lehnten dankend ab. So ziemlich alles in dem Haus könnte ohne Probleme ins nahe Museum geschafft werden. Die Küche ist alt und muss wie vieles in dem Haus erneuert werden.

„Ich hoffe“, sagte Mend, „wir werden hier längerfristig wieder eine Lösung finden.“ Aber wie lang und wie kurz längerfristig ist, wollten viele der rund 35 Anwesenden wissen. Wann wird die Stadt mit der Sanierung beginnen? Wann kommt wieder Leben in die Bude? Und wann kommt wie-der ein Pächter? „Wenn ich keine gescheite Wirtschaft bieten kann“, gab Walter Rückert zu bedenken, „kriege ich auch keinen gescheiten Pächter.“ Mend sah das ein wenig anders. „Der Himmel ist ziemlich grau in der Gastronomie.“ Auch wenn die Wirtschaft saniert ist, wird nach seiner Ansicht kein Pächter auf Wolke sieben daherschweben. Das Museum hat Winterpause, und von den wenigen Einheimischen, die einmal die Woche ihren Stammtisch abhalten, kann ein Wirt nicht leben.

Die Stadt sei ja bereit, nach Kräften zu helfen. „Aber ihr müsst euch erst einmal im Klaren sein, was ihr selbst wollt“, sagte Mend nun schon etwas deutlicher. Die Gaststätte könne nur ein Teil des Konzeptes sein, denn in dem Haus soll auch Platz für Vereine, die Jugend und die Feuerwehr entstehen. „Es braucht ein in sich geschlossenes Konzept: Was soll hier alles umgesetzt werden?“ Darüber aber wollte kaum einer reden an diesem Abend. Den Leuten ging es nur um die Gaststätte und um einen Zeitplan für die Sanierung. „So leicht“, sprach Mend nun schon etwas genervt, „wird das nicht für den Stadtrat. Ihr seid da so euphorisch. Aber mancher wird sich schwer tun, für ein Projekt zwischen eineinhalb und zweieinhalb Millionen Euro die Hand zu heben. Schon vom Kauf des Hauses war nicht jeder begeistert.“

Es sei nicht Aufgabe der Stadt, eine Wirtschaft zu betreiben, sagte Mend. „Wenn wir in der Übergangszeit keinen Pächter finden, müsst ihr euch was einfallen lassen.“ Museumsleiter Hüßner stellte mit Blick auf die gerade gestartete Saison fest: „Wir haben keine Patentlösung. Aber wir werden eine Möglichkeit finden, dass die Besucher verköstigt werden.“ Auf Dauer, so gab Werner Kern zu bedenken, werde sich das Museum ohne Wirtshaus aber das Wasser abgraben – und das, wo alles gerade so schön saniert worden sei.

Für rund 1,3 Millionen Euro ist das Kirchenburgensemble in den vergangenen drei Jahren ein Stück weit modernisiert worden, ohne dabei seinen historischen Charakter zu verlieren, wie Hüßner sagte. Dächer und Mauern sind in dieser Zeit instand gesetzt, statische Mängel im Gebälk beseitigt worden. Eine Brandmeldeanlage mit 60 Rauchmeldern wacht seither über der Kirchenburg. Bleibt das Problem mit der Wirtschaft, das die Leute beschäftigt und bewegt. Nicht oft ist in den vergangenen 20 Jahren mit dem Bürgermeister so emotional über ein Thema gestritten worden wie nun in Sachen Gaststätte. Stadtteil-Referent Gerhard Heubach, seit einem Jahr im Stadtrat, rief zur Mäßigung auf und empfahl: „Wir müssen alle jetzt etwas über unseren Schatten springen.“