Münsterschwarzach am Main
Schule

Münsterschwarzacher Schüler im sozialen Praktikum

Zwei Wochen lang haben die Schüler des Egbert-Gymnasiums in soziale Berufsfelder hinein geschnuppert. Ihr Respekt vor den Berufstätigen ist gestiegen.
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Viel gelernt im Sozialpraktikum haben Calvin Rüth, Sarah Gormley, Paul Gonetz und Katrin Sinning (nicht im Bild). Zurück im Egbert-Gymnasium sind sie sich einig, reichlich Erfahrungen für ihr künftiges berufliches und privates Leben gesammelt zu haben. Foto: Pfannes
Viel gelernt im Sozialpraktikum haben Calvin Rüth, Sarah Gormley, Paul Gonetz und Katrin Sinning (nicht im Bild). Zurück im Egbert-Gymnasium sind sie sich einig, reichlich Erfahrungen für ihr künftiges berufliches und privates Leben gesammelt zu haben. Foto: Pfannes
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Sarah Gormley liebt den Umgang mit Kindern. "Es macht mir viel Spaß, ihnen etwas beizubringen", sagt die 17-jährige Schülerin aus Sommerach, die das Egbert-Gymnasium in Münsterschwarzach (EGM) besucht. Nach dem Abitur möchte sie vielleicht einmal Lehrerin werden. Welcher Berufswunsch für Sarah einmal in Erfüllung gehen wird, ist offen. Um in Sachen "persönlicher Zukunft" ein bisschen Klarheit zu erhalten, kam ihr das jüngste Sozialpraktikum gerade recht.
Die Elftklässler des EGM absolvierten vor kurzem das zweiwöchige Compassion-Praktikum. Es führte sie auf direktem Weg in die Realität der Berufswelt. Die jungen Frauen und Männer arbeiteten 14 Tage in Krankenhäusern, Altenheimen und Behinderteneinrichtungen. Bei einem gemeinsamen Frühstück im Speisesaal des EGM tauschten sie ihre Erfahrungen aus, die sie im Bereich sozialer Dienste gesammelt haben.
Die Diskussionsrunde war von reichlich Kurzweil geprägt, denn es gab sehr viel zu erzählen ohne dabei die Verschwiegenheit, der sich alle Praktikanten verpflichtet hatten, zu verletzen.
Lehrerin Andrea Weberbrand hat die Elftklässler während des Compassion-Praktikums betreut. "Die Schüler bekommen einen neuen Blick für Lebenssituationen, die sich von ihrem eigenen Leben unterscheiden", nennt die Pädagogin die Hintergründe für das Praktikum. "Für die meisten Schüler ist es eine Bereicherung, wenn sie sich einbringen und anderen Menschen Zeit schenken können." Weberbrand weiß, dass die Jugendlichen dabei an Grenzen stoßen, weil die Arbeitstage oft sehr anstrengend waren.

Eine anstrengende Zeit

Diese Erfahrung hat auch Paul Gonetz gemacht. Der 17-Jährige aus Wiesentheid war in einem Förderzentrum für geistig behinderte Kinder bei München eingesetzt. "Ich habe während der Zeit bei meinem Onkel gewohnt", erzählt Paul. "Und es war sehr anstrengend", schildert er seine Erlebnisse mit neun geistig behinderten Mädchen und Jungen. Auf zwei Kinder sei ein Betreuer gekommen. "Das hat mich schon etwas überrascht."
Weil die Kinder gerade am Anfang ihrer Pubertät waren, stand die Sexualität häufig im Vordergrund. "Die sind mit ihren Gefühlen und Trieben ganz schön offen umgegangen", war Paul überrascht. Schnell habe er gemerkt, dass diese jungen Leute ganz normale Menschen sind, denen nur ein Teil ihres kognitiven Vermögens fehlt. "Die Klasse bestand wie bei uns im Gymnasium aus einem Mix aus verschiedenen Charakteren - nur eben auf einer anderen Ebene."
Paul schätzt die Arbeit der eingesetzten Kräfte in der Sonderschule seit seinem Praktikum sehr. "Für mich wäre so ein Beruf allerdings nichts", sagt er. Konkrete Berufspläne hat er noch nicht.
Eine Grundschule und eine Praxis für Ergotherapie waren die Stationen von Sarah Gormley. "Ich habe sowohl mit Kindern als auch mit älteren Menschen gearbeitet. Das war sehr interessant", blickt sie zurück. "Bei den älteren Menschen hat es mich erstaunt, wie viel Lebensmut die noch haben, auch wenn sie schon große gesundheitliche Rückschläge hinnehmen mussten." An der Grundschule waren mehrere Kinder mit Konzentrations- und Hyperaktivitätsstörungen. "Wie die Lehrer mit diesen Kindern umgegangen sind, hat mich sehr beeindruckt."

Kleine Dinge sind wichtig

Das Blindeninstitut in Regensburg hatte sich Katrin Sinning (Wiesentheid) als Praktikumsstelle ausgesucht. Zusammen mit anderen Schülern war sie bei Verwandten dort untergekommen. "Ich war in einer Grundschulklasse mit blinden, sehbehinderten und anders behinderten Kindern", erinnert sie sich. "Nur einer aus der Klasse konnte überhaupt reden." Eigentlich hatte sie sich die Situation vorher viel hoffnungsloser vorgestellt, denn "eigentlich haben diese Kinder ja nichts großes, worauf sie hinarbeiten können". Die Wirklichkeit lehrte sie, dass beispielsweise "Guten Morgen auf Gebärdensprache sagen" für manches Kind ein Ziel gewesen ist. "Dass kleine Dinge wichtig sein können, war für mich eine gute Erfahrung."
Erstaunt war Katrin darüber, dass die komplette Schule samt Logotherapie, Musiktherapie und anderem kostenlos für die Eltern war. Beeindruckt war sie von den Gefühlen, denen die behinderten Kinder beim Tanzen, Klatschen, Singen und Schreien freien Lauf ließen. Die Arbeit der Betreuer findet sie "bewundernswert" aber für sie persönlich nicht erstrebenswert. "Ich möchte lieber in den technisch medizinischen Bereich", denkt sie an ihre Zukunftsperspektiven. Das Praktikum empfand sie dennoch als eine große Bereicherung für ihre Lebenserfahrung.
Calvin Rüth (Gerolzhofen) absolvierte sein Praktikum in einer Einrichtung für körperlich und geistig behinderte Menschen in Gerolzhofen. Er war in einer Wohngemeinschaft bei der Betreuung deren Mitglieder eingesetzt. "Ich war in einer der schwächsten Gruppen. Da konnten nur zwei Leute überhaupt sprechen", erzählt der
16-Jährige.

Auf alle Fälle etwas gebracht

Begleitung im Alltag und dabei Strukturen schaffen oder beim Essen helfen. Das waren seine Hauptaufgabenbereiche. Besonders beeindruckt war Calvin von den Fähigkeiten der Betreuten: "Die waren älter als 30 Jahre und hatten beim Spiel das Niveau von Zweijährigen. Das war echt krass. "Obwohl er durch einen Fall in der eigenen Familie schon Bekanntschaft mit Menschen mit Behinderung gemacht hat, hat ihn das Praktikum viel Neues gelehrt. "Hinter jedem Menschen steckt eine Persönlichkeit. Jeder ist einzigartig", weiß Calvin behinderte Menschen zu schätzen. Für ihn war das Praktikum eine gute Erfahrung, dennoch sagt er: "Ich weiß, dass ich nicht in einen solchen Beruf einsteigen werde." Calvin Rüth möchte lieber einmal Journalismus studieren.
"Das Praktikum hat mir auf alle Fälle etwas gebracht", zieht Sarah Gormley ihr persönliches Fazit. Die Erfahrungen, die man dabei macht, bringen nach ihrer Ansicht jedem einzelnen Schüler etwas für sein zukünftiges Leben.

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