Mainbernheim

Münchnerin kauft Mainbernheimer Reiterhof

Sanfter Generationswechsel im Mainbernheimer Reiterhof Reifenscheid: Das alte Team unterstützt die neue Besitzerin, die Vielseitigkeitsreiterin Petra Kronwitter.
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Shettlandpony „Shettybär“ und Petra Kronwitter im Zwiegespräch. Andreja Ruppert Foto: Foto: –
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Naomi und Nero spitzen die Ohren. Die hübschen Haflinger spüren: Irgendwas ist anders als sonst. Ihre Besitzer Eugen und Marion Reifenscheid, 65 und 62 Jahre, kommen zu ihnen aufs Freigelände, und sie haben jemanden mitgebracht – die neue Besitzerin des Reiterhofs, Petra Kronwitter, eine erfolgreiche Vielseitigkeitsreiterin. Nero schnüffelt gleich mal prüfend an ihrem Ohr herum. Petra Kronwitter lacht und streicht dem großen Blonden über die Nüstern.

Nero scheint Sie zu mögen!

Petra Kronwitter: Ich mag ihn auch. Ebenso wie die anderen neun Pferde, die hierher gehören und auch hier bleiben werden – und meine eigenen, vor allem meine beiden Sportpferde, die ich mit nach Mainbernheim bringen werde.

Sind das die Sportpferde, mit denen Sie an großen internationalen Turnieren teilgenommen haben?

Petra Kronwitter: Ja. Höhepunkte meiner reiterlichen Karriere sind jedes Jahr die Internationalen Vielseitigkeiten Radolfzell, Marbach, Schwaiganger – und letztes Jahr war ich auch zweimal in Strzegom in Polen. Bei diesen Turnieren werden Pferd und Reitern allerbeste Bedingungen geboten. Meistens sind auch Olympiareiter wie Ingrid Klimke, Andras Ostholt, Andreas Dibowski und Dirk Schrade am Start. Leider ist es dort schwierig, ein Schleifchen zu bekommen, aber wenn ich mich knapp hinter unseren Olympioniken einreihen kann, bin ich doch sehr stolz auf mein Pferd und mich.

Welche Erlebnisse hoch zu Ross möchten Sie niemals missen?

Petra Kronwitter: Zu den schönsten Erlebnissen gehörten die Indoor-Geländeritte auf der Consumenta in Nürnberg. Aber noch unglaublicher war das Gefühl, bei den Mevisto Amadeus Indoors in Salzburg vor 6.000 Zuschauern zu reiten. Die Halle tobt und du wirst gefeiert, als ob du gerade bei den Olympische Spielen reitest. Da kommt man sich vor wie ein kleiner Superstar.

Was zieht so einen „kleinen Superstar“ nach Franken? Mit Ausnahme der angeschlossenen Ferienwohnungen, die im Besitz der Familie Reifenscheid bleiben, haben Sie den Mainbernheimer Reiterhof Reifenscheid ja komplett gekauft.

Petra Kronwitter: Meine Mutter stammt aus der Nähe von Nürnberg, von daher kenne ich Franken. Als ich beim Bayerischen Reit- und Fahrverein in München den Aushang „Reiterhof zu verkaufen“ gesehen habe, bin ich hellhörig geworden. Meine Jugend hatte ich im Reitstall der Eltern verbracht. Danach habe ich die SportScheck-Reitschule am Englischen Garten in München gepachtet und geführt, mit 38 Schulpferden und 700 Schülern. Als die Besitzer das Nutzungskonzept änderten, musste der Reiterhof 2013 geschlossen werden. Das war ein Schock.

Was haben Sie danach gemacht?

Petra Kronwitter: Ich bin zurück in die Versicherungsbranche gegangen. Meine Mama hatte mir als Kind eingetrichtert, „was G'scheites“ zu lernen: Versicherungskauffrau. Ohne die Atmosphäre eines Reiterhofs hat mir aber immer etwas gefehlt.

Deshalb haben Sie den Mainbernheimern einen Besuch abgestattet?

Petra Kronwitter: Genau. Ich war gleich ziemlich begeistert. Die Größe des Hofs und die Stallungen fand ich toll, auch die moderne Gruppenhaltung der Tiere.

Warum wollten Sie, Familie Reifenscheid, den Hof überhaupt verkaufen?

Eugen Reifenscheid: Wir haben zwar vier Kinder, aber es war klar, dass niemand den Hof weiterführt, wenn wir mal nicht mehr können. Marion hatte in den Vorjahren mehrere Operationen und auch ich werde ja nicht jünger. Wir wollten beizeiten einen geeigneten Nachfolger finden.

Den Hof erst einmal nur zu verpachten, kam nicht in Frage?

Eugen Reifenscheid: Nein. Es sollte eine klare Trennung geben.

Marion Reifenscheid: Als wir die Verkaufsurkunde unterschrieben haben, war das schon ein seltsames Gefühl. Aber ich bin sicher: Es ist das Beste so. Bei Petra sind unsere Tiere und der Hof in guten Händen.

Was wird sich ändern?

Petra Kronwitter: Zusätzlich zu den altbewährten Pferden werde ich Shetty und Ponys für die kleineren Reiter sowie Sportpferde für die ambitionierteren Reiter nach Mainbernheim holen; dafür müssen wir neue Boxen bauen. Auch kleinere Turniere sind geplant.

Und wie sieht es mit dem Personal aus?

Petra Kronwitter: Nach wie vor kümmert sich Eugen Reifenscheid um Ausritte, Tages- und Wanderritte. Marion Reifenscheid hält Reittherapiestunden für Menschen mit Behinderung, Reitlehrerin Stella Durner erteilt Gruppen- und Einzelunterricht. Ich will ebenfalls unterrichten, vor allem abends. Außerdem bilde ich Reitpferde aus und gehe weiter meiner Tätigkeit als Versicherungsmaklerin nach.

Werden Sie selbst dann auch auf dem Reiterhof wohnen?

Petra Kronwitter: Vorerst habe ich mir eine Wohnung im Ort gemietet, aber langfristig plane ich, ein Wohnhaus auf dem Areal zu bauen.

Sie haben Ihr ganzes Leben mit Pferden verbracht. Was ist das Tolle daran?

Petra Kronwitter: Pferde sind immer ehrlich. Ich finde es sehr wichtig, den Leuten das Individuum Pferd mit seiner Sensibilität und Feinheit näher zu bringen. Vertrauen und Respekt sind schon in der Kinderreitschule wichtige Themen. Reitstunden sind eine tolle Charakterschule. Und nicht zuletzt hält einen das Leben mit Pferden fit: Reiten ist gesund und gut für Körper und Kreislauf. Und für die Seele.

Was sind für Sie die schönsten Momente auf dem Reiterhof?

Petra Kronwitter: Vor allem die Arbeit mit Kindern macht mir sehr viel Spaß – vielleicht auch, weil ich selbst keine Kinder habe. Und, ja, ich liebe es, abends, wenn es auf dem Hof langsam still wird, durch den Stall zu gehen und Zwiesprache mit den Pferden zu halten.

ONLINE-TIPP

Mehr Bilder unter www.inFranken.de



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