VOLKACH

Müllerei-Tagung: Handwerkliche Bäckereien haben eine Zukunft

Bei der Müllerei-Fachtagung in Volkach geht es um die Zukunft des Handwerksberufs. Ein Vortrag beschäftigt sich mit Chancen und Ideen für traditionelle Bäckereien.
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Fachtagung in Volkach: Aus ganz Deutschland kommen Müller an die Mainschleife, um sich fortzubilden und auszutauschen. Foto: Foto: Moritz Maier

Die Müller kommen aus ganz Deutschland nach Volkach. Grund dafür ist die Volkacher Herbstfachtagung. Die bis Samstag laufende Veranstaltung vom Bayerischen Müllerbund tagt im katholischen Pfarrheim. Ein Vortrag eines brandenburgischen Bäckers zu den Zukunftschancen der Branche fand am Donnerstag Gehör.

„Pro Tag stirbt ein Bäcker“

„Pro Tag stirbt ein Bäcker.“ Nicht wortwörtlich, sondern sein Betrieb. Mit diesem statistischen Fakt für Deutschland beginnt Karl-Dietmar Plentz seinen Vortrag über die Chancen und Ideen traditioneller Bäcker. Der im brandenburgischen Schwante ansässige Bäckereimeister gibt viele Anregungen, wie handwerkliche Bäckereien diesem Trend entgegenwirken können: „Wir Bäcker müssen mit den Menschen zusammenkommen“, erklärt Plentz.

Dabei spricht er davon, Kunden, die durch Großbäckereien oder Backshops von traditionellen Bäckern weggelockt werden, wieder einzufangen. Dies gehe aber nicht über Niedrigpreise, sondern lediglich durch Service. Und den müssten kleine Bäckereien umfangreich und kreativ leben, so Plentz. Er führt Frühstücks-Treffs an, wie er sie in seinen Filialen anbietet: Der Montag stehe unter dem Motto „Business-Meetings“, bei dem Kunden ihren Klienten ein besonderes Frühstück zur entspannten Geschäftsatmosphäre bieten können. Auch Kindertage oder Menüs für Sportler, die gerade vom Training kommen, stehen auf dem Programm. „Wir wollen Wohlfühlorte schaffen“, beschreibt der Bäckereimeister diese Ideen.

Dem Nachwuchsmangel entgegenwirken

Außerdem sollen die Familienbetriebe ihren Kunden „Emotionen verkaufen“. Diese werden durch regionale Zutaten und individuelle Produkte, die eine Geschichte mit sich bringen, hervorgerufen. Saisonale Leckereien, die den Kunden an die Eigenheiten des Orts oder der Stadt erinnern, unterstützt von Musik in der Filiale. „Gemeinsam mit den Leuten eben“, wie Plentz es formuliert.

Das Problem des mangelnden Bäcker- und Müllernachwuchses geht er offensiv an: Die Chefs müssen den möglichen Azubis etwas bieten. Gute Behandlung, ihren Stärken entsprechend, sei ein Muss. Der Referent erzählt von Austauschprogrammen mit ausländischen Bäckereien – für seine Auszubildenden. Außerdem sollen die Arbeitgeber auch Schüler, die in ihrer Jugend angeeckt sind und Schwierigkeiten hatten, aufnehmen und bewusst eine zweite Chance geben. So etwas sei ein Investment und Vertrauensvorschuss; beides zahlt sich seiner Erfahrung nach aber stets aus.

Besondere Veranstaltungen

Da Müller stark vom Schicksal kleiner Bäckereibetriebe abhängen, hat auch für sie der Vortrag Relevanz. Dementsprechend lauschen alle Anwesenden gespannt den Worten des Brandenburgers. Zum Schluss erzählt er noch von Veranstaltungen wie einem Gänsebraten-Tag oder Musikkonzerten, die er organisiert. Auf dem Parkplatz seiner Filiale soll dadurch mit den Leuten vor Ort eine weitere Verbindung aufgebaut werden.

Für seine Ideen und Anregungen erhielt Plentz von den Müllern langen und anhaltenden Applaus.

Weizen und Gluten als Krankmacher?

Ein Vortrag der Müllerei-Fachtagung in Volkach beschäftigte sich mit der Frage, ob Weizenmehl und Gluten krank machen. Dazu sprach Udo Pollmer, Lehrbeauftragter für Ernährungswissenschaften aus Gemmingen.

Anhand wissenschaftlicher Studien erklärte er, dass Getreide durchaus in Verbindung mit einigen Erkrankungen wie Magen- und Verdauungsbeschwerden, aber auch Krebserkrankungen stehe. Dies sei aber – und das betonte Pollmer – nur der Fall, wenn man die Pflanzen und das darin enthaltene Gluten im rohen Zustand zu sich nehme.

Durch die Verarbeitung von Müllern im ersten und Bäckern im zweiten Schritt, seien die oft nachgesagten negativen Eigenschaften der Produkte völlig auszuschließen. Somit riet Pollmer dazu, Weizenprodukte bedenkenlos zu verzehren – vorausgesetzt man habe keine Unverträglichkeiten oder Allergien. mom

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