Kitzingen

Moldan setzt den Rotstift an

Panikmache oder sinnvolle Reaktion auf die Technisierung? Heute: Vortrag
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Er sieht Rot: Dr. Dietrich Moldan misst das elektrische Wechselfeld unmittelbar neben einem Nachttischlampen-Kabel.  Fotos: Diana Fuchs
Er sieht Rot: Dr. Dietrich Moldan misst das elektrische Wechselfeld unmittelbar neben einem Nachttischlampen-Kabel. Fotos: Diana Fuchs
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Das Wort geistert durch die Medien. Aber so richtig versteht es doch keiner. Was genau ist eigentlich Elektrosmog?

Einer, der das wissen müsste, ist der Iphöfer Baubiologe Dr. Dietrich Moldan. Er befasst sich seit Jahrzehnten mit dem Einfluss der Technisierung auf den Menschen und dessen Reduzierung. Er hält auf Einladung der Volkshochschule am Mittwoch, 27. November, in Kitzingen einen Vortrag zu diesem Thema.

Moldan sagt: "Umgangssprachlich nennt man die Belastung durch technische Felder Elektrosmog: nicht nur durch die Mobilfunkstrahlung, sondern auch durch die hausinterne Aufrüstung mit dem Funknetzwerk WLAN, mit DECT-Telefonen, Handys, Energiesparlampen und so weiter."

Der Mensch verfüge von Natur aus leider nicht über Sinnesorgane, die vor diesen Feldern warnen könnten.
"Deshalb werden Schlaf- und Befindlichkeitsstörungen, Konzentrationsschwäche und Hyperaktivität, aber auch die Entstehung von Krebs unwissentlich vielen anderen möglichen Verursachern zugeschoben", meint Moldan.
Dabei sei es gar nicht schwer, Störquellen versiegen zu lassen. "Vielen Leuten ist gar nicht bewusst, dass das Handy häufig sendet, also Kontakt zum Funkmasten aufnimmt, wenn es nur im Standby ist." Die meisten häuslichen DECT-Telefone und WLAN seien Dauersender. "Dadurch, dass sie sich so nahe bei uns befinden, sind sie manchmal schlimmer als ein Mobilfunkmast am Ende der Straße. Es kommt nämlich nicht nur auf die Leistung an, sondern auch auf den Abstand zur Quelle."

Dietrich Moldans Ziel ist es, "den Menschen mal zu zeigen, was sie sich da eigentlich antun". Er möchte Strahlungsquellen erkennbar machen. Deshalb hat er für seinen Vortrag viele Gegenstände des Alltags parat, die er morgen vorführen will.

Er will beispielsweise einen ganz einfachen Multitester beziehungsweise Prüfschraubenzieher vorführen, der nur wenige Euro kostet. Dieser fingergroße, batteriebetriebene "Stift" zeigt per Rotlicht an, wenn sich auf einer Leitung elektrische Spannung befindet.

"Vor allem im Schlafbereich sollte man das mal überprüfen, etwa an der Nachttischlampe. Die Spannung darf nur bis zum Schalter anstehen." Ist auch am ausgeschalteten Leuchtmittel selbst noch Spannung zu messen, gebe es einen simplen Trick, diese zu beseitigen: "Den Stecker andersrum in die Dose stecken, so dass nicht mehr der Nullleiter, sondern die Phase am Schalter unterbrochen wird."

Einfach mal abschalten - das rät Moldan in vielerlei Hinsicht. Es gibt zum Beispiel einige wenige DECT-Telefone, die über einen Abschaltmodus verfügen. "Noch besser ist es natürlich, lange Gespräche nicht schnurlos zu führen", stellt Moldan klar. "Man darf nicht vergessen, dass man sonst einen Mikrowellensender direkt am Ohr hat. Schon nach 20 Sekunden beginnen die roten Blutkörperchen zu verkleben."

Als unseriös bezeichnet der Baubiologe Tricksereien der Mobilfunkanbieter. So würden derzeit vermehrt schnurgebundene Telefone mit sehr günstigen Tarifen verkauft, die jedoch mit Handychip funktioniere. "Die Schnur ist also nur eine Attrappe."

Besser als das per Funk arbeitende WLAN im Haus ist laut Dr. Moldan eine "powerline communication", auch dLAN genannt, die Daten übers ohnehin vorhandene Stromnetz überträgt - mit nur geringer zusätzlicher Strahlung.

Wie das genau funktioniert, will der Fachmann morgen erklären. Außerdem will er "Licht in die Problematik rund um Freisprechanlagen und Navigationsgeräte im Auto" bringen. Er wird erklären, warum er in Induktionsherden besonders für Schwangere eine Gefahr sieht und welche Alternativen es zum DECT-Babyphon gibt. Auch den versteckten Gefahren in Niedervolt-Halogen-Beleuchtungen wird der Iphöfer sich widmen.
"Es gibt kein einziges Argument für Energiesparlampen", lautet einer einer provokanten Vorstöße. Energiesparlampen hielten in keinster Weise einem Vergleich mit Glühlampen stand."Hochvolt-Halogenlampen seien derzeit die Alternative", sagt Dietrich Moldan. Er verspricht einen "spannenden" Abend in der Alten Synagoge.



INFO:

Wann und wo: Unter dem Titel "Elektrosmog - nur ein Schlagwort oder doch mehr?" findet am Mittwoch, 27. November, ab 19.30 Uhr ein Vortrag in der Alten Synagoge Kitzingen, Landwehrstraße 1, statt.

Wer: Die Volkshochschule Kitzingen lädt Jung und Alt zu dem Vortrag ein. Referent ist der Baubiologe Dr. Dietrich Moldan, der in Iphofen ein Ingenieurbüro für Umweltanalytik betreibt. (Infos: www.drmoldan.de)

Kosten: Der Eintritt kostet drei Euro. ldk




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