Endlich Ferien! Zwei Wochen ohne Schule. Weit gefehlt: Für 13 Schüler, die in diesem Frühjahr noch ihren Abschluss machen werden, läuft in der Hauptschule Kitzingen-Siedlung die Vorbereitung auf den Ernstfall. Sie pauken Mathe, Deutsch, Englisch und viele weitere Fächer, die sie für den Quali, wie sie alle den qualifizierenden Hauptschulabschluss nennen, gewählt haben.

Ann-Marie Herrmann ist eine von ihnen. "Wir bekommen hier ein Gefühl dafür, wie der Quali abläuft", erklärt die engagierte Neuntklässlerin. "Dann gehen wir die Prüfung lockerer an". Einzelhandelskauffrau will sie werden. Die ersten Bewerbungen sind verschickt. Jetzt muss nur noch die Schule erfolgreich abgeschlossen werden, dann geht es los in den Beruf.

Dass der Start ins Berufsleben gelingt, dafür sorgt ein bundesweites Modellprojekt, das von der Agentur für Arbeit finanziert wird. Die "Berufseinstiegsbegleitung" wird bereits zum dritten Mal in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer, dem Kolping-Werk und dem bfz an ausgewählten Schulen im Landkreis durchgeführt. Die Lehrer sowie die Agentur für Arbeit wählen motivierte Schüler aus, die dann in das Programm aufgenommen werden.


Mehr Ausbildungsplätze



Ziel ist es, die Zahl der Schulabgänger, die nach der Schulzeit keinen Ausbildungsplatz bekommen, deutlich zu verringern. Das Projekt trägt bereits Früchte. "Teilnehmer unseres Programms sind eindeutig besser auf das Berufsleben vorbereitet", bestätigt Katrin Brunch. Die Berufseinstiegsbegleiterin arbeitet gern mit Schülern, die weiterkommen wollen. Sie betreut in den Osterferien mit ihren Kolleginnen Katrin Lemke, Uschi Göbel und Saskia Gauer die 13 Schüler, die im Mai ihre Schullaufbahn erfolgreich beenden wollen. Und die finden das Pauken in den Ferien gar nicht schlimm.

"Es ist hier viel entspannter als in der Schule", meint Corinna Schmidt. Sie hat sich bereits an der Berufsschule für Kinderpflege beworben und freut sich schon auf die Ausbildung. Und auch ihre Mitschülerin, Belinda Braun, sieht sich ganz und gar nicht als "Streberin". "Wir wollen alle einen guten Abschluss machen. Das ist das Ziel". Sie ist eine der wenigen, die bereits einen Ausbildungsplatz sicher hat: Sie will Köchin werden.


Ohne Spaß geht es nicht



"Das alles hier muss auch Spaß machen", betont Berufsbegleiterin Saskia Gauer. "Sonst funktioniert es nicht". Das Lachen, das aus dem Klassenzimmer dringt, in dem ausgerechnet die Mathe-Aufgaben des Probe-Quali besprochen werden, bestätigt sie. Noten werden hier nicht vergeben, "wir zeigen den Schülern aber, wo sie momentan stehen und was es noch aufzuholen gilt", erklärt Katrin Brunch.

Sie lässt die Jugendlichen auch nach der Abschlussprüfung noch nicht los. Berufseinstiegsbegleitung setzt vor dem Hauptschulabschluss bereits an, wenn es gilt, Praktikumsplätze zu vermitteln oder generell bei der Berufswahl beratend zur Seite zu stehen. Im Bewerbungstraining wird dann die Situation im Vorstellungsgespräch simuliert. Hat dieses zum Erfolg geführt, wird der Kandidat noch ein halbes Jahr nach Ausbildungsbeginn betreut. Ein Vertrauensverhältnis entsteht da zwischen Schüler und Ausbildungsberater, das Sicherheit gibt. Und ein gutes Gefühl auf beiden Seiten, wenn der Start ins Berufsleben geglückt ist. Bleibt zu hoffen, dass dieses Modellprojekt auch Schule macht.