Kein Arzt, kein Friseur, keine Einkaufsmöglichkeit: In der Gemeinde Martinsheim sind die Menschen auf das Auto angewiesen. Denn der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist laut Bürgermeister August Hopf „sehr bescheiden“. Dem stimmten Peter Lelowski vom Kreisverband Mainfranken-Rhön und Gerd Weibelzahl vom Landesvorstand des Verkehrsclubs Deutschland zu.

Die beiden Fachleute in Sachen Mobilität hatten bei ihrer Anreise mit der Bahn nach Würzburg und mit einem Car-Sharing-Auto nach Martinsheim am eigenen Leib erfahren müssen, dass, auch wenn die Bahn pünktlich ist, es auch Probleme mit dem reservierten Auto geben kann, wenn der Vornutzer es nicht im ordnungsgemäßen Zustand hinterlässt, weswegen die Referenten mit Verspätung eintrafen.

Bürgermeister August Hopf geht es darum, dem ländlichen Raum zu mehr Mobilität zu verhelfen. Dazu soll ein tragbares und finanzierbares Konzept gefunden werden. Gute Erfahrungen gebe es mit dem Gnötzheimer Dorfauto, was Pfarrer Uwe Stradtner und Wilhelm Ott vom Dorfautoausschuss des Kirchenvorstands bestätigten. Bisher nutzten 13 bis 14 Familien das Auto, doch gebe es auch schon Überlegungen, wie Fahrdienste für ältere Menschen, die nicht mehr selbst fahren könnten, zu verwirklichen sind.

„Wir brauchen etwas, das auf sicheren Füßen steht“, bekundete Stradtner, denn hier gehe es um Personenbeförderung und die Nähe zum Taxigewerbe. Zudem gebe es bei einem Bürgerbus nur Zuschüsse, wenn auf einer Linie pro Fahrt mindestens drei Leute dabei seien.

Mobilität in der Gemeinde Martinsheim werde wohl nur über die Schiene Bus, Bürgerbus oder Anrufsammeltaxi laufen können, denn für die Bahnhaltepunkte Gnötzheim oder Herrnberchtheim sei der Zug abgefahren. „Unterfranken ist nebenbahnfrei“, ergänzte Gerd Weibelzahl, während es in Oberfranken noch ein solches Netz gebe. Dafür gebe es hier nun Busse, doch zeige ein Blick auf den Fahrplan, dass diese so gut wie nicht nutzbar seien. Er selbst kenne die Region, da er gerne wandere. Zum Beispiel auf dem Kunigundenweg. Da müsse der Wanderer die Strecke vom benachbarten Bullenheim nach Aub schon an einem Tag schaffen, weil er hier keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen könne.

Wenn aber der ÖPNV die Bedürfnisse nicht befriedigen könne, seien neue Ideen gefragt, eben Sammeltaxis, Bürgerbusse, Car-Sharing oder die Mitnahme im Pkw. Hier zeigten die beiden Referenten dem guten Dutzend Zuhörer Möglichkeiten auf.

In der nächsten Woche beginnenden Bürgerversammlungen in den vier Ortsteilen wird das Thema angesprochen. Ziel ist es laut Pfarrer Stradtner, in jedem Ort Interessenten zu finden, die in einem Arbeitskreis am Mobilitätskonzept der Gemeinde mitwirken möchten. Da in der Gemeinde Seinsheim Gedanken um einen Generationenbus kreisen, soll auch dorthin Kontakt gehalten werden. Stradtner könnte sich zum Beispiel eine Linie von Gnodstadt nach Tiefenstockheim vorstellen, die über Marktbreit führt. Dort gebe es nämlich gute Möglichkeiten zur Weiterfahrt. Auch könnten bestimmte Einkaufsmärkte direkt angefahren werden, wobei diese auch als Sponsor auftreten könnten, denkt Stradtner schon an eine Möglichkeit der Finanzierung.

„Die Leute sollen Mobilitätsangebote bekommen, mit denen sie auch etwas anfangen können“, betont er. „Und verständliche Fahrpläne.“ Auch solle es eine Art Mobilitätszentrale geben, an die sich die Leute wenden können. Um solche Ideen in naher Zukunft umsetzen zu können, bedürfe es vieler Ehrenamtlicher, ist sich Stradtner wohl bewusst.