SCHWARZENAU

Mit der Motorsäge gegen den Sekundenzeiger

Die Sekunden ticken unbarmherzig weiter, als der junge Mann am Baumstamm die Motorsäge ansetzt und die Sägespäne nur so durch die Luft fliegen. Jetzt nur keinen Millimeter abweichen, das kostet Punkte. Punkte auf dem Weg zur unterfränkischen Meisterschaft der Auszubildenden der Forstwirtschaft.
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Da fliegen die Sägespäne: Beim Wettbewerb der Auszubildenden der Forstwirtschaft in Schwarzenau rücken die jungen Leute den Baumstümpfen mit Motorsägen zu Leibe – gegen die Uhr. Foto: Foto: Guido Chuleck
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Die Sekunden ticken unbarmherzig weiter, als der junge Mann am Baumstamm die Motorsäge ansetzt und die Sägespäne nur so durch die Luft fliegen. Jetzt nur keinen Millimeter abweichen, das kostet Punkte. Punkte auf dem Weg zur unterfränkischen Meisterschaft der Auszubildenden der Forstwirtschaft.

26 junge Männer, allesamt im zweiten Ausbildungsjahr, kämpfen um Millimeter und gegen die Zeit, am Ende fahren die drei Besten zur bayerischen Meisterschaft.

31 Meldungen waren bei Martin Mack vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt eingegangen, 26 junge Männer waren zum Wettbewerb erschienen. Die übrigen fünf sind nicht angereist, „wahrscheinlich ist das Wetter momentan ein wenig zu gut für den Wettbewerb“, sagt Mack.

Am Prüfungstag selbst rufen die Betriebe an. „Wie können Sie nur bei diesem guten Wetter einen Wettbewerb machen? Wir brauchen unsere Leute!“, bekam Mack zu hören. „Was soll ich denn machen“, sagt er achselzuckend, „vor drei Monaten habe ich den Wettbewerb terminiert, da konnte ich noch gar nicht wissen, wie das Wetter sein würde.“

Den Auszubildenden ist das Wetter offensichtlich egal, sie legen sich ins Zeug, um vorn dabei zu sein. Vormittags brüten sie im Betrieb der Landesanstalt für Landwirtschaft in Schwarzenau über Prüfungsfragen, nachmittags stecken sie Setzlinge und sägen Baumstümpfe um und ab. Wobei das Setzen der Stecklinge unspektakulär wirkt. Auf einer Strecke von 15 Metern sind zehn Stecklinge zu setzen. Mit der Schaufel messen die jungen Männer die Abstände und graben dann ein Loch in den Boden, in den sie dann den Steckling einbringen und sorgfältig den Boden wieder andrücken.

Drei Stationen befassen sich mit der Motorsäge. An der Station „Fällschnitt“ muss an einem Baumstumpf eine Kerbe eingesägt werden, damit der Baum zur richtigen Seite fällt. Jede Abweichung der Kerbe, jeder Millimeter zu tief oder zu schräg gesägt, kostet Punkte.

„Das sind interessante und realitätsnahe Aufgaben, und das Niveau der Azubis ist sehr hoch.“
Alois Kraus, Kreisobmann des Bauernverbandes

Die werden auch beim Kombi- und beim Präzisionsschnitt fällig, den beiden übrigen Stationen. Dort wird simuliert, dass ein gefällter Baum so zum Liegen kommt, dass ein Teil in der Luft schwebt. Mit Schnitten von unten und oben sägen die jungen Männer zentimeterweise Baumscheiben ab. Die Prüfer setzen für beim Verschnitt den Winkelmesser an. Auch hier gilt, exakt zu arbeiten, denn der Baum könnte sich beim Schnitt von unten so weit biegen, dass die Motorsäge eingeklemmt wird.

Bei der vierten Station muss ein am Boden liegender Baum geschnitten werden. Das Problem: Er könnte auf zu hartem Boden oder gar auf Felsen liegen. Also darf die Säge nicht ganz durchgezogen werden, weil sie durch den Boden oder den Felsen stumpf werden könnte. Mit jedem Millimeter Abweichung mehr zeigen sich bei den Prüflingen mehr Schweißtropfen.

Als Beobachter lässt sich Alois Kraus blicken, der Kreisobmann des Bauernverbandes. Wohlwollend betrachtet er die Arbeit der Auszubildenden. „Das sind interessante und sehr realitätsnahe Aufgaben, und das Niveau der Auszubildenden ist sehr hoch“, befindet er. Was weiter auffällt ist die Exaktheit der Punktrichter. „Da gilt es sehr genau, die Unterschiede festzustellen, denn immerhin haben wir hier einen Wettbewerb“, sagt er, „da gilt es, am Ende drei Sieger zu küren.“

Ergebnis: 1. Johannes Hutter aus Obbach (Landkreis Schweinfurt); 2. Daniel Baumann, Werkheim (Landkreis Main-Tauber, Lehrling in Helmstadt); 3. Daniel Stöhr, Sulzdorf (Landkreis Schweinfurt).

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