LANDKREIS KITZINGEN

Mit der Bahn schwarz zur Berufsschule

Das Verhältnis zu seiner Familie war zerrüttet. Nichts ging mehr. Weshalb der Auszubildende nur noch eines im Sinn hatte: Schnell weg. Alles hinter sich lassen. Eine eigene Wohnung in Würzburg nehmen. Das Problem dabei: Auf eigenen Füßen zu stehen, ist teuer. Da kommt man mit einem Azubi-Gehalt von 900 Euro nicht allzu weit.
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Justitia

Das Verhältnis zu seiner Familie war zerrüttet. Nichts ging mehr. Weshalb der Auszubildende nur noch eines im Sinn hatte: Schnell weg. Alles hinter sich lassen. Eine eigene Wohnung in Würzburg nehmen. Das Problem dabei: Auf eigenen Füßen zu stehen, ist teuer. Da kommt man mit einem Azubi-Gehalt von 900 Euro nicht allzu weit.

Für den heute 20-Jährigen stellte sich deshalb zwischen September 2012 und Juli 2013 immer wieder die Frage, wie er mit ein paar Groschen in der Tasche eigentlich zur Berufsschule fahren sollte. Er entschied sich – aus der finanziellen Not heraus – fürs Schwarzfahren auf der Strecke von Würzburg nach Schweinfurt. Sieben Mal wurde er ohne Fahrschein erwischt, sieben Mal war er die 9,40 Euro schuldig geblieben.

Wilde Phase

Die Schwarzfahrten vor gut einem Jahr bildeten zugleich so etwas wie das Ende der wilden Phase des jungen Mannes. Diese Phase brachte ihn gleich viermal – überwiegend wegen Diebstahls – mit dem Gesetz in Konflikt.

Inzwischen haben sich die Dinge allerdings grundlegend geändert. Der 20-Jährige wohnt wieder bei seiner Familie. Er hat sich angestrengt und die Berufsschule mit einem Schnitt von 1,8 abgeschlossen. Sein Chef ist zufrieden mit ihm und würde es gerne sehen, wenn der junge Mann möglichst bald mit seiner Meisterausbildung beginnt. Kurzum: Da hat einer nach gewissen Startproblemen seinen Platz im Leben gefunden.

Schaden gutmachen

Auch wenn der Angeklagte inzwischen einen Reifesprung gemacht hat, muss er für die Leistungserschleichungen – sozusagen als letzte Jugendsünde – natürlich den Kopf hinhalten.

Innerhalb eines Monats, so das Urteil von Jugendrichter Wolfgang Hülle, muss der junge Mann der Bahn den entstandenen Schaden von insgesamt rund 75 Euro ersetzen. Dazu kommen womöglich noch einmal 40 Euro Strafe pro Schwarzfahrt. Geklärt ist das allerdings noch nicht, weil die geprellte Bahn bis zum heutigen Tag interessanterweise keinerlei Forderungen geltend gemacht hat.

So richtig zu Buche schlägt vor allem die Geldstrafe: Die sieben Schwarzfahrten kommen den jungen Mann mit 1800 Euro teuer zu stehen. Einen Gewinner gibt es bei der ganzen Angelegenheit: Über das Geld darf sich der Kitzinger Kreisjugendring freuen.

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