KITZINGEN

Mit Schweiß und Spänen zum Erfolg

Schwüles Sommerwetter und fliegende Holzspäne. Da müssen die 14 angehenden Schreiner der Kitzinger Berufsschule schon mal die Zähne zusammenbeißen. Bei der praktischen Prüfung hat jeder Griff mit Hobel und Raspel zu sitzen. Das Ziel: in sieben Stunden einen Hocker mit separatem Fach für Schuhputz-Utensilien anfertigen. Sieben Stunden sind für diese Arbeit eine knappe Zeit. Die jungen Männer kommen gehörig ins Schwitzen, vor allem unter den kritischen Blicken der Prüfer.
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Hochkonzentriert: Der Prüfling Roman Tschechne arbeitet nach Maß. Sein Hocker mit Schuhputzkasten soll perfekt werden. SOPHIA LOTHER Foto: Foto:

Schwüles Sommerwetter und fliegende Holzspäne. Da müssen die 14 angehenden Schreiner der Kitzinger Berufsschule schon mal die Zähne zusammenbeißen. Bei der praktischen Prüfung hat jeder Griff mit Hobel und Raspel zu sitzen. Das Ziel: in sieben Stunden einen Hocker mit separatem Fach für Schuhputz-Utensilien anfertigen. Sieben Stunden sind für diese Arbeit eine knappe Zeit. Die jungen Männer kommen gehörig ins Schwitzen, vor allem unter den kritischen Blicken der Prüfer.

Einer davon ist Alfred Hörr, Berufsschullehrer und Prüfer für den praktischen Teil der Schreinerlehre. Seit 24 Jahren arbeitet er nun schon an der Kitzinger Berufsschule: „Heute stehen besonders Maßgenauigkeit, Passung der Verbindungen und die Herstellung anhand der Zeichnungen im Mittelpunkt. Da muss man schon ganz genau hinschauen, als Prüfer,“ sagt er, während er sich über einen halb fertigen Hocker beugt.

Zum wiederholten Mal ertönt die Schulglocke und zeigt die rasch vergehende Zeit an. Der Lehrling Roman Tschechne stöhnt: „Wenn ich das hier geschafft habe, gehe ich erst mal Freitag, Samstag und Sonntag auf's Weinfest.“ Dafür erntet er zustimmendes Gemurmel seitens seiner Mitprüflinge.

Doch das Bestehen der heutigen Prüfung ist nur ein Etappensieg. Die Kür, das Gesellenstück, müssen die 14 jungen Männer noch meistern. Dabei sind die Lehrlinge ganz frei, sie können schreinern was sie wollen. Es sollte nur ihre eigene Idee und anspruchsvoll genug sein. Dafür haben sie zwei Wochen Zeit. „Das Gesellenstück, das mir in den Jahren am besten gefallen hat, war das einer Gesellin. Jutta entwarf eine Ausstellungsvitrine im künstlerischen Chippendale Stil – ein großartiges Stück,“ erzählt Alfred Hörr.

In diesem Jahr sind keine Gesellinnen dabei. Und auch die jungen Männer sind scheinbar immer schwerer für den Schreinerberuf zu begeistern. Als der Lehrer und Prüfer Hörr, 1981 mit seiner Arbeit begann, war es noch anders: „Damals hatten wir 90 Lehrlinge die die Prüfung absolvierten. Die Tendenz ist, wie überall im Handwerk, rückläufig, immer mehr Lehrstellen bleiben frei.“

Die Berufsschulen müssen sich neue Wege überlegen, um die Ausbildungsberufe wieder attraktiver zu machen.

Deshalb bietet die Berufsschule Kitzingen-Ochsenfurt zum Beispiel in einigen Bereichen Schnupper-Praktika für Schüler an.

Die Schreinerlehre macht noch auf eine andere Art Werbung für ihr Handwerk. Am 2. August zwischen 11 und 17 Uhr können sich Interessierte die Gesellenstücke der Auszubildenden in der Kitzinger Berufsschule anschauen – und sehen, was man als Schreiner alles erschaffen kann.

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