KITZINGEN

Mit Kreuzfahrern auf Landgang

Flußkreuzfahrtschiffe machen in Kitzingen fest. Den Passagieren wird eine Stadtführung mit Wein und Anekdoten geboten. Was interessiert die Gäste aus Übersee.
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Vom Flusskreuzfahrtschiff Amadolce direkt ans Kitzinger Mainkai: Touristen aus Kanada, den USA, Großbritannien, Australien und Neuseeland sind zu Besuch in Kitzingen. Stadtführerin Stefanie Pfeiler zeigt der Gruppe die Sehenswürdigkeiten. Foto: Foto: Anna Baum
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Es ist neun Uhr an einem Freitagmorgen. Unten am Mainkai rührt sich etwas. Vor dem Hotelschiff „Amadolce“ sammeln sich Passagiere am Ufer. Sie werden bereits erwartet: Fünf Stadtführer werden den Touristen aus Übersee die Stadt Kitzingen zeigen.

Stefanie Pfeiler, Studentin der Kunstgeschichte und eine von zehn Stadtführern der Tourist-Information Kitzingen, winkt knapp zwanzig Touristen zu sich. Die haben schon Kamera oder iPad gezückt. Direkt am Ufer geht die Tour los. Stefanie möchte die Besucher erst mal beeindrucken – mit den Marken der Jahrhunderthochwasser. Doch die interessieren sich eher für hiesige Immobilienpreise. Sie sind von den Häusern am Mainkai mit Balkon und Blick auf den Fluss entzückt. Doch nicht nur wegen der schönen Häuser können einige von ihnen sich vorstellen, in Kitzingen zu wohnen. Zum Beispiel Steve aus Melbourne (Australien) flüstert begeistert, dass er die Leute hier wirklich sympathisch findet: „Die schauen nicht ständig auf ihr Smartphone.“

„Die sehen einfach wundervoll aus.“
Susan und Elfie aus Kanada über Kitzingens Blumen
Seit 2011 wird die geführte Tour durch die Kitzinger Altstadt schon angeboten. Für Stefanie ist das der dritte Sommer als Lotsin durch Kitzingen. Engagierte Stadtführer wie sie werden laut Tourist-Information immer gesucht. Kitzingen ist Stefanies Heimatstadt, deshalb führt sie die Schiffspassagiere selbstbewusst durch ihr Revier. Mit Kameras um den Hals und Bauchtaschen schlendert die Gruppe ihrer Stadtführerin mit dem Holztäfelchen hinterher.

Europa per Hotelschiff zu entdecken wird bei Touristen aus Übersee immer beliebter. Die „Amadolce“ startet zum Beispiel in Budapest und beendet ihre Flusskreuzfahrt in Köln. Unterwegs wird an jeder Stadt gehalten, die es sich laut der Veranstalter anzusehen lohnt. In Kitzingen sind es in dieser Saison rund 140 Schiffe. Das sind über 50 Schiffe mehr als im Vorjahr, als durch den Wegfall eines Veranstalters die Zahlen eingebrochen waren.

In einer knappen Stunde bugsiert Stefanie auch an diesem Tag ihre Gruppe durch Gassen und über die viel befahrenen Kreuzungen. Auf dem Weg zum Falterturm sind Susan und Elfie aus der Nähe von Vancouver (Kanada) von den vielen Blumen begeistert: „Die sehen einfach wundervoll aus.“ Beide sind Hobbygärtnerinnen. Auch beim Anblick des schiefen Falterturms können Susan und Elfie ihre Blicke nicht davon losreißen. Der Großteil der Gruppe lacht derweil über den Wein-im-Zement-Mythos. Trotzdem, ein iPad-Selfie vor dem Falterturm ist auch für die beiden Kanadierinnen ein Muss.

Nächster Stopp ist der Alte Friedhof. Während Stefanie auf Englisch die Geschichte der angeblichen Draculagruft auf dem Kitzinger Friedhof erläutert, ruft eine andere Kanadierin namens Rosalind aufgeregt: „Meine Tochter ist gerade in Rumänien – dort gibt es echte Vampire“.

Schon schießt sie ein Foto vom Grab mit den Totenköpfen, um es von ihrer Tochter, der Vampirexpertin, gleich auf seine Echtheit überprüfen zu lassen. Die meisten Teilnehmer kommen wie sie aus Kanada. Es sind aber auch US-Amerikaner, Australier, Neuseeländer und Briten bei der Flüssetour durch Europa dabei. Kitzingen gefällt ihnen, da sind sich alle einig. Ihr Schiff zählt zu den 18 Kreuzfahrern, die in Kitzingen eine Stadtführung für ihre Passagiere geplant haben. Das ist nur ein Bruchteil der rund 140 Hotelschiffe, die in der Kreisstadt halten. Der Großteil davon, nämlich 118, hat für die Passagiere nur einen kurzen Empfang am Mainkai gebucht. Dabei begrüßen der Hofrat und eine Weinhoheit die Touristen direkt am Ufer und begleiten sie zu einer Weinprobe. „Ich erzähle dann eben nur kurz etwas über die Stadt und das Rathaus, wenn ich die Gruppe über den Marktplatz führe“, sagt Tourismuschef Walter Vierrether.

Ob kurzer Empfang oder ausführliche Stadtführung – der Aufenthalt in Kitzingen endet für fast alle Touristen mit einer Weinprobe. Darauf freuen sich auch Rosalind, Elfie, Susan und Steve an diesem Tag. Zu viele Schoppen dürfen es aber nicht sein, denn am nächsten Tag steht schon der nächste Landgang in Miltenberg auf dem Plan.

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