KITZINGEN

Mit Jesus einziehen

Durch die lange Fensterfront fällt Sonnenlicht in den Raum. Es malt helle Streifen auf das schlichte Holzkreuz und lässt die Becken des Schlagzeugs funkeln. Weiße Wände, blaue Stühle und eine kleine Technikbühne, ähnlich wie bei Konzerten: Viel mehr ist da nicht, im Gottesdienstraum der Freien Christengemeinde Kitzingen (FCG). Der mit 450 Quadratmetern mehr als stattliche Saal lebt von den Menschen, die hier aktiv werden. Am Sonntag wird das neue Domizil der FCG offiziell eröffnet.
Artikel drucken Artikel einbetten
Noch einiges zu tun: Die 23-jährige Heide Lübben richtet im neuen Domizil der Freien Christengemeinde einen Raum für junge Erwachsene ein.
+6 Bilder

Durch die lange Fensterfront fällt Sonnenlicht in den Raum. Es malt helle Streifen auf das schlichte Holzkreuz und lässt die Becken des Schlagzeugs funkeln. Weiße Wände, blaue Stühle und eine kleine Technikbühne, ähnlich wie bei Konzerten: Viel mehr ist da nicht, im Gottesdienstraum der Freien Christengemeinde Kitzingen (FCG). Der mit 450 Quadratmetern mehr als stattliche Saal lebt von den Menschen, die hier aktiv werden. Am Sonntag wird das neue Domizil der FCG offiziell eröffnet.

Drei Jahre auf der Suche

Drei Jahre lang sind die 85 Mitglieder der FCG ganz schön „geschwommen“, sagt ihr Pastor Johannes Geßner. Drei Jahre lang hatte die FCG kein richtiges Domizil. Nachdem die Firma Leoni Eigenbedarf angemeldet hatte, musste die Freie Christengemeinde aus den Räumen in der Flugplatzstraße ausziehen. Zunächst kam sie bei der Freien Evangelischen Christengemeinde unter, dann im katholischen Dekanatszentrum. Endlich fand sich im vergangenen Jahr ein Haus, dessen Umbau finanzierbar war und das den Bedürfnissen der FCG gerecht wird. An der Mainlände, in der ehemaligen Spedition Böhm, ist genügend Platz für Alt und Jung, für Gottesdienste und viele andere gemeinschaftliche Projekte.

Neben dem Gottesdienstsaal und modernen Sanitärräumen gibt es eine Küche, Büros für Pastor Geßner und Jugendpastorin Isabelle Blum, ein gemütliches Stillzimmer für Mütter und Babys, bunte Kinder- und Jugendräume mit so netten Namen wie „Entdecker“ oder „Schatzsucher“ und sogar einen „Aktivraum“, in dem der Nachwuchs Basketball, Kicker oder Tischtennis spielen kann, während die Großen sich besprechen.

Sieben Jahre lang waren die Räumlichkeiten leer gestanden. Dann kam die FCG und nahm die Renovierung in Angriff. „Es war eine Wahnsinnszeit“, blickt Klaus Tietz zurück, „insbesondere das letzte Vierteljahr“. Die FCG-Mitglieder haben viel Eigenleistung eingebracht, betont der Mitgründer der christlichen Kitzinger Pfadfinder Royal Rangers.

Tietz gehört den Freien Christen seit 18 Jahren an – seit er, mehr oder weniger zufällig, die Taufe eines Mitglieds erlebt hat. „Es war sozusagen so, dass mit dem Eintauchen ins Wasser das Feuer zu mir übergesprungen ist“, schildert er seinen ersten Kontakt zur FCG mit verschmitztem Grinsen. Seither sind der „Ober-Ranger“ und seine Frau Christine aus der Gemeinde nicht mehr wegzudenken.

Keine Konkurrenz zu Amtskirchen

Klaus Tietz organisiert Camps, Ausflüge und vieles mehr. Dass längst nicht alle Pfadfinder der FCG angehören, ist für ihn ebenso wenig ein Problem wie für Pastor Geßner. „Wir wollen keine Konkurrenz zu den Amtskirchen sein, sondern einfach aktives Christsein praktizieren“, sagt Tietz, und Geßner ergänzt: „Wir wollen in die Gesellschaft hineinwirken. Glaube soll die Menschen erreichen und berühren, das ist unser Ziel.“

Menschen, die zur FCG kommen, haben sich laut Pastor Geßner bewusst entschieden: „Wir wollen die Nachfolge Christi antreten!“ Bei ihm selbst sei es auch so gewesen, erzählt der 50-Jährige. „Man wird nicht qua Geburt ein echter Christ.“ Er sei zwar in einem sehr traditionellen, katholischen Haushalt aufgewachsen. „Aber irgendwie war ich trotzdem immer auf der Suche.“

Mit Mitte 20 wurde er fündig. Der Landwirtschaftsmeister aus Hopferstadt, der sich in der Behindertenarbeit des Wildparks Sommerhausen und bei der Arbeit mit Bedürftigen engagiert hatte, wusste nun, was er wollte: Seelsorger werden. Er belegte ein theologisches Seminar beim Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden und ließ sich zum Pastor ausbilden.

Seit zwölf Jahren ist Johannes Geßner nun für die Kitzinger Freichristen zuständig. Auch seine Frau Karola und einige seiner fünf Kinder sind hier sehr aktiv. „Es ist eine gute Gemeinschaft, die das Christentum zeitgemäß lebt. Jung und Alt werden da abgeholt, wo sie gerade sind.“

ONLINE-TIPP

Mehr Bilder unter www.inFranken.de

Was genau sind freie Christen?

Basis: Die Freie Christengemeinde Kitzingen (FCG) ist – der Name sagt es – eine Freikirche. Hierher kommen Christen, die ihren Glauben frei und aktiv leben und geistlich frische Akzente setzen wollen, erklärt Pastor Johannes Geßner. „Wir glauben an den dreieinigen Gott und an die Autorität der Bibel. Wir haben erlebt, dass christliche Werte für das tägliche Leben und das Miteinander von Menschen eine starke Basis bilden.“

FCG: Die FCG Kitzingen, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, finanziert sich aus freiwilligen Gaben der rund 85 Mitglieder. Sie ist dem Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden zugehörig. Das ist ein lockerer Verband, der Pastoren ausbildet und missionarische sowie soziale Aktivitäten koordiniert. Angebot: Pastor und Gemeindeleiter Johannes Geßner sowie Jugendpastorin Isabelle Blum können auf zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter bauen. Neben den Sonntagsgottesdiensten um 10 Uhr finden dienstags Hauskreise statt, donnerstags Gebetsabende. Alle 14 Tage gibt es freitags einen Kindertreff beziehungsweise den Stammestreff der Pfadfinder „Royal Rangers“. Die Jugend kommt am Samstagabend zusammen. Auch Frauenfrühstück, Männerzeit und eine Bastelgruppe finden sich im Angebot der FCG. Festtag: Am Sonntag, 19. Juli, feiert die FCG die Eröffnung ihrer neuen Räume an der Mainlände 3 im Kitzinger Gewerbegebiet Floßhafen, direkt neben der Firma LZR. Um 14.30 Uhr findet ein Gottesdienst statt, danach gibt es Kaffee, Kuchen und Snacks. Alle Interessierten sind eingeladen. *LDK*

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren