WIESENBRONN

Mit Flöten und Fanfaren

Der Spielmannszug Wiesenbronn feiert 50. Geburtstag - drei Tage lang und mit einem extra-starken Fahnenschwenker aus Ostfriesland
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Die Musiker Mitte der 80er: Friedrich Mahr, Marina Ackermann, Reinhard Hüßner, Sabine Hofmann, Heinrich Hofmann, Michaela Hüßner, Gabi Neubauer, Karola Gartmann, Fred Englert, Hannelore Paul, Alfred Wehrwein, Armin Gangl, Friedhelm Neubauer, Udo Englert und Erich Ackermann.
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Sie haben sich für ihr großes Jubiläum schon aufgewärmt – letztes Wochenende beim Wiesenbronner Weinfest. Der Spielmannszug geleitete zuerst die Ehrengäste zum Festplatz, danach stießen die Musiker schon einmal auf das kommenden Wochenende an. Der 50. Geburtstag des Spielmannszugs soll ein Fest für Jung und Alt, Groß und Klein werden. Karola Gartmann, die 1. Vorsitzende des Vereins „Spielmannszug Wiesenbronn e.V.“, und ihre Schwester Marina Ackermann gehören zu den dienstältesten Musikern – sie spielen seit 43 beziehungsweise 39 Jahren unter anderem Trommelpfeife und Fanfare. Trotz der langen Zeit haben sie immer noch jede Menge Spaß.

Frage: Wie hat alles angefangen?

Karola Gartmann: Mit zwölf Pfeifen und Trommlern (lacht) – also Burschen, die Pfeifen und Trommeln spielen wollten. Die hatten bei der Kirchweih 1966 ihren ersten Auftritt. Zwei, drei Märsche – mehr konnten sie noch nicht.

Wie kamen die „Pfeifen und Trommler“ auf die Idee, einen Spielmannszug zu gründen?

Karola Gartmann: Es war wohl so, dass ein paar Burschen auf irgendeinem Dachboden Instrumente gefunden hatten, die noch aus der Vorkriegszeit stammten. Die wollen sie wieder nutzen und spielen lernen. Sie brauchten also jemanden, der ihnen das beibringen konnte.

Und wer war das?

Karola Gartmann: Fred Englert. Der war ein begabter Musiker und hatte in Wiesenbronn eingeheiratet. Erst traute sich aber niemand, ihn zu fragen. Doch dann saßen die Burschen eines Abends im Gasthaus „Zur Becka“ und nach ein paar Maß Bier sprachen sie Fred Englert endlich an. Sogleich wurde der erste Vertrag gemacht – auf einem Bierdeckel.

Die traditionellen Instrumente von Musikkapellen – Trompete, Posaune, Klarinette – gibt's bei Euch nicht, oder?

Marina Ackermann: Nein. Wir haben Fanfaren, klappenlose Querflöten, Becken, Landsknechts- und Marschtrommeln. Aber wir spielen genauso nach Noten wie jede Kapelle. Das heißt, man muss die Instrumente genauso erlernen.

Wie lange muss man üben, bis man mitspielen darf?

Marina Ackermann: Je nach Instrument etwa ein halbes bis zwei Jahre.

Erich Ackermann: Aber bei uns kommt ja noch das richtige Marschieren dazu! Das will auch gelernt sein. Schließlich soll ein Spielmannszug nicht nur gut klingen, sondern auch gut aussehen.

Apropos aussehen: Ihr seid in Euren Landsknechtsuniformen echte Hingucker. Warum denn dieses Outfit?

Karola Gartmann: Blau und Weiß sind unsere Vereinsfarben. Früher hatten die Frauen ganz kurze Röcke an – die sind immer hochgerutscht, vor allem beim Trommeln. Anfang der 90er Jahre wollten wir was Anderes. Die Landsknechtsuniform hat allen gefallen.

Marina Ackermann: Jede Uniform hat 400 Mark gekostet, jeder Straußenfeder-Hut 100 Euro. Zum Glück waren die Wiesenbronner spendabel. Gut 15 000 Mark sind bei einer großen Sammelaktion 1992 zusammengekommen.

Spielen nur Wiesenbronner mit?

Karola Gartmann: Nein. Zum Beispiel aus dem Raum Geiselwind haben wir ganz treue Mitglieder wie Christina Rückel und ihre Familie. Unser Fahnenträger kommt sogar aus Ostfriesland. Ralf Buhmann-Eberhardt hat hier eingeheiratet, seine Frau und die drei Kinder spielen Instrumente. Weil er selbst aber nicht der Musikalischste ist, schwenkt er umso schöner die Fahne. (grinst) Sein Sohn Jan ist mit zehn Jahren der jüngste Musiker. Er spielt sehr gut Marschtrommel.

Jan, macht Dir das Spaß?

Jan Eberhardt: Ja! Da kann man sich schön abreagieren. Rhythmus hab ich eh im Blut, ich muss nicht groß üben. Und man kommt rum.

Wo habt Ihr denn überall Auftritte?

Karola Gartmann: Wir spielen vor allem bei Kirchweihen und Festzügen, gut 15 Auftritte pro Jahr. Früher waren es mehr, allerdings nehmen die Auftrittsmöglichkeiten generell ab – wegen GEMA-Gebühren und bürokratischen Auflagen.

Erich Ackermann: Früher fanden zum Beispiel viel mehr Feuerwehrfeste statt. Das waren echte Highlights mit Hunderten Gästen bei den Umzügen. Das ist heute nicht mehr so.

Drückt dies auf die Stimmung?

Karola Gartmann: Nein. Unsere 33 aktiven Musiker sind gut drauf. Wer's ausprobieren will: Einfach zu unserem Jubiläumsfest kommen!

50 Jahre Spielmannszug Wiesenbronn

Mit einem bunten Festprogramm wird von Freitag bis Sonntag, 12. bis 14. August, bei freiem Eintritt im Seegar-ten gefeiert. Die Gäste werden mit allerhand Leckereien verwöhnt, vom Putenspieß bis hin zum Musik-Burger. Außerdem gibt es eine Kaffee- und eine Cocktailbar sowie Kinder-Vergnügungen.

Freitag: Um 19 Uhr Treffpunkt am Krämerladen und Zug zum Festzelt, wo ab 19.30 Uhr Festbetrieb mit dem „Duo Oli“ angesagt ist.

Samstag: Ab 20 Uhr Festbetrieb mit der Band „Die Partyräuber“.

Sonntag: Um 10 Uhr Festgottesdienst, danach Mittagstisch (Pfefferlende), ab 13.30 Uhr Jubiläumsfestzug durch den Ort, ab 19 Uhr Festbetrieb mit den „Großlangheimer Musikanten“.

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