Wer Rudolf Meder, den ehemaligen Chefarzt des Kitzinger Krankenhauses, an diesem Samstagnachmittag im Dekanatszentrum in Kitzingen erlebt, der glaubt es kaum: Meder ist 95 Jahre alt und wird dafür von Landrätin Tamara Bischof beim Seniorennachmittag des Landkreises auch als zweitältester Mann hier geehrt.

Trotz des fast „biblischen“ Alters: Meder wirkt alles andere als gebrechlich, ihm blitzt immer wieder der Schalk aus den Augen, er ist immer noch ein interessanter Gesprächspartner. Und als Landrätin Tamara Bischof so ganz öffentlich erwähnt, dass er immer noch mit dem Motorroller unterwegs ist, macht er sich schon Sorgen:

Immerhin ist heute ein ganzer Polizeichor hier, der für die musikalische Note sorgt – und wenn so viele Polizisten wissen, dass er immer noch mit dem Roller . . .

Natürlich ist diese Reaktion reine Selbstironie eines weisen, in Würde gealterten Menschen. Dass Altern und Älter werden große Auswirkungen auf den Menschen, aber auch auf die Gesellschaft hat, zeigte die Landrätin in ihrer kurzen Ansprache. Alleine die Geschichte des Seniorennachmittags zeigt die Dimension auf: Waren zu Beginn im Jahre 1970 rund 200 Landkreisbürger älter als 90 Jahre geladen, so hat sich deren Zahl heute auf 783 fast vervierfacht. 8800 Personen im Landkreis sind zwischen 60 und 70 Jahre alt, 8500 zwischen 70 und 80, 4700 älter als 80 Jahre.

Dem stehen nur 7500 Kinder im Alter bis zu zehn Jahren gegenüber. Statistische Zahlen, hinter denen oft Schicksale stehen und denen sich die Politik auch im Landkreis stellen muss. Denn es gibt den verständlichen Wunsch, möglichst lange möglichst unabhängig, selbstständig und selbstbestimmt in der vertrauten Umgebung zu Hause zu wohnen.

Das stellt die Seniorenpolitik auf dem Land vor große Herausforderungen und Fragen nach der Gestaltung der Lebenssituation, der ärztlichen Versorgung und Pflege, aber auch den Einkaufsmöglichkeiten und dem Wohnen für ältere Menschen wollen beantwortet werden.

Hier sind auch die Städte und Gemeinden gefordert, die geeignete Infrastruktur, etwa mit barrierefreien Zugängen, Freizeitmöglichkeiten, ärztlicher Versorgung und neuen Wohnformen zu schaffen. Auf die Landkreise kommt verstärkt die Aufgabe zu, seniorenpolitische Gesamtkonzepte zu entwickeln, wie es etwa der Landkreis Kitzingen bereits vor einem Jahr verabschiedet hat.

Vier Wochen Seniorenangebote

Auch deshalb wurden schon vor sieben Jahren die Seniorenwochen im Landkreis Kitzingen eingeführt, die vier Wochen lang bis zum 15. Oktober, in diesem Jahr unter dem Motto „Bürgerschaftliches Engagement“ eine Vielzahl von Veranstaltungen, sportlichen Angeboten, Tagesfahrten und geselligen Aktionen bieten. Kurzum: „Für jeden etwas“, wie Tamara Bischof betonte.