KITZINGEN

Mit 43 Jahren ganz unten angekommen

Vielleicht hat B. dagegen angekämpft. Vielleicht hat er es wirklich versucht. Wahrscheinlicher aber ist, dass er keine Chance hatte. Die Sucht war stärker, das Verlangen nach Amphetaminen unbeherrschbar. Jedenfalls konnte B. sich nicht zusammenreißen, als es um alles ging.
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Vielleicht hat B. dagegen angekämpft. Vielleicht hat er es wirklich versucht. Wahrscheinlicher aber ist, dass er keine Chance hatte. Die Sucht war stärker, das Verlangen nach Amphetaminen unbeherrschbar. Jedenfalls konnte B. sich nicht zusammenreißen, als es um alles ging.

Ende November vor zwei Jahren brachte ihm sein Drogenkonsum eine neunmonatige Haftstrafe auf Bewährung ein. Drei Jahre hätte sich der 43-Jährige nichts mehr zu Schulden kommen lassen dürfen – das Vorhaben ging keine vier Wochen gut. Dann wurde B. in Kitzingen wieder mit zehn Gramm Amphetamin in der Tasche erwischt, die er kurz zuvor für 150 Euro gekauft hatte.

Da half auch eine filmreife Flucht vor der Polizei samt panischem Wegwerfen der Drogen nicht mehr. Bei einer anschließenden Hausdurchsuchung wurden weitere neun Gramm der künstlichen Drogen gefunden.

Das alles war für den Eigenkonsum bestimmt – B. kommt schlichtweg nicht von den Drogen weg. Ein bis zwei Gramm sind seit Jahren seine Tagesration.

Sei Verteidiger spricht von einem „gewissen Betäubungsmittel-Problem“, das sich nicht von heute auf morgen lösen lasse. Und auch nicht übermorgen, weil der 43-Jährige wirklich ganz unten angekommen ist: Der arbeitslose Mann ist nicht einmal mehr krankenversichert, eine Therapie deshalb nicht ansatzweise in Sicht.

19 Verurteilungen

Er war nach der Verurteilung im November auf Weisung des Gerichts zwar dreimal bei der Suchtberatung – um aus dem Teufelskreis zu kommen, reichte das jedoch nicht. Zumal bei B. die Abhängigkeit schon Anfang der 90er Jahre begann. Seither setzte es – oft einschlägig – eine Verurteilung nach der anderen. 19 Verurteilungen kamen im Laufe der Jahre zusammen – Gefängnisaufenthalte inklusive.

Diesmal führt der Weg erneut hinter Gitter. Die Bitte des Verteidigers, es vielleicht noch einmal mit Bewährung zu versuchen, stößt bei Staatsanwaltschaft und Strafrichter auf taube Ohren. „Chance nicht genutzt“, heißt es schließlich als Begründung für sieben Haftmonate. Dabei dürfte es indes nicht bleiben: Die neun Monate aus der Verurteilung davor werden wohl auch noch auf die Gesamtrechnung kommen.

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