Seinsheim

Ministranten spenden seit 22 Jahren für Station Tanzbär

Nach 22 Jahren haben es die Ministranten und ihre Betreuer aus Seinsheim geschafft: die Erlöse aus Weihnachtsmärkten, Veranstaltungen und privaten Spenden überstiegen die angepeilte Schallgrenze von 50 000 Euro zugunsten der Kinderklinik am Mönchberg in Würzburg deutlich.
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Vor der Mönchbergklinik zeigten Spender aus Seinsheim die vielen Geldscheine, die insgesamt 4755 Euro ausmachten und an Simon Kuttenkeuler übergeben wurden. Foto: Gerhard Bauer

Nach 22 Jahren haben es die Ministranten und ihre Betreuer aus Seinsheim geschafft: die Erlöse aus Weihnachtsmärkten, Veranstaltungen und privaten Spenden überstiegen die angepeilte Schallgrenze von 50 000 Euro zugunsten der Kinderklinik am Mönchberg in Würzburg deutlich.

Es begann mit einer Spende von 1111 D-Mark im Jahr 1997, erinnert sich Elfi Gebhardt, die von Anfang an dabei ist und Veranstaltungen wie Geldübergaben organisiert. Die Ministranten begannen kleine Bastelarbeiten zu verkaufen und fanden damit so viel Anklang, dass sich alle Vereine und immer mehr Veranstalter, Geschäfte und Privatleute anschlossen.

Nun wurde mit der bislang höchsten Einzelspende von 4755 Euro der neue Höchststand 51 888 Euro erreicht.

Besondere Erwähnung fand bei der Übergabe an Simon Kuttenkeuler, Vorsitzender des Fördervereins Kinderklinik am Mönchberg, die Einzelspende von 250 Euro der neunjährigen Saskia. Als Tradition hat sich eingespielt, dass für jedes Jahr ein Paar "Schühchen für Frühchen" überreicht werden. Die von Maria Rünagel handgestrickten, winzigkleinen Babyschuhe sind beim Klinikpersonal heiß begehrt. Mit jedem Spendenjahr wird ein Paar mehr gestrickt, so dass 23 Paar überreicht werden konnten.

Weinprinzessin Annika hatte die Aktion einst als Ministrantin unterstützt und vertrat bei der Übergabe in erster Linie den Weinbauverein, aber auch die Jugendgruppe und die Elferratsgarde.

Zu der Besuchergruppe, die sich nach der Übergabe der Geldscheine ein Bild vom Innenleben der Kinderklinik machten, gehörten auch die Zwillinge Ann-Kathrin und Sarah-Lena, die einst als Frühchen in der Klinik das Licht der Welt erblickt hatten und die Aktion schon als Ministranten unterstützt hatten.

Die Feuerwehr des Ortsteiles Iffigheim hatte zunächst eine Geldspende geleistet, legte dann aber mit dem Erlös aus einer Wasser-Grill-Veranstaltung nach. Bei einer Theatervorführung trat Elfi Gebhardt selbst als "Bettlerin" in Erscheinung. Ihr Dank galt allen beteiligten Spendern. Sie erzählte, dass eine Reisegruppe den Rest des vorab eingesammelten Geldes nicht auszahlte, sondern spendete. Annette Braun steuerte ihr Trinkgeld, das sie beim Feuerwehrfest bekommen hatte, bei. In Tiefenstockheim fielen 650 Euro aus einer Tombola an, das Abschlusskonzert des Gesangvereines brachte 235 Euro. Die Liste der beteiligten Spender ist ellenlang.

Kuttenkeuler nannte die Spendenaktion "seiner Seinsheimer" als die mit 22 Jahren am längsten laufende überhaupt. Er staunte über den hohen Einzelbetrag ebenso wie über die 27-köpfige Besucherschar, die amtierende Weinprinzessin eingeschlossen. Sie beweise, dass ein ganzes Dorf einschließlich seiner Ortsteile und Nachbardörfer zugunsten der Kinder in der Klinik zusammenhalte.

Oberarzt Dr. Martti Köhler stattete der Gruppe wegen medizinischer Inanspruchnahme in der Klinik nur einen kurzen Besuch ab, äußerte sich aber froh und glücklich über die namhafte Spende. Sie komme allen Kindern mit Schwerpunkt in der Station Tanzbär zugute.

Die Station Tanzbär ist eine einzigartige Spezialstation für behinderte bis mehrfach schwer behinderte Kinder auch aus anderen Kliniken, deren Behandlung sich über Monate hinziehen kann. Da die Krankenkassen nur pro Krankheit, nicht aber für den Klinikaufenthalt zahlten, sei der Betrieb der Station keinesfalls kostendeckend und Spenden besonders zu begrüßen. Sie sollen nun die Einstellung eines Heiltherapiepflegers unterstützen, der die Kindern in den Aufbau einer eigenen Tagesstruktur auch zur Entlastung des Pflegepersonals einführt.

Weitere Stationen sind die auf Jugendmedizin ausgerichtete Station Giraffe für Kinder zwischen eineinhalb und 18 Jahren sowie die Station Panther für Früh- und Neugeborene, in der auch die gestrickten Schühchen benötigt werden.

Die Kinderklinik wurde vor rund 100 Jahren vom katholischen Frauenbund ins Leben gerufen. Mit mehr als 2000 Geburten war sie das geburtenstärkste Krankenhaus Unterfrankens, so Kuttenkeuler. Er zeigte sich gespannt auf die kommenden Sammelergebnisse "seiner Seinsheimer".



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