Kitzingen

Mietstreit führt Unbeteiligte vor Gericht

Weil sie den Vermieter einer Bekannten auf dessen Grundstück angefahren haben soll, stand eine junge Frau nun vor Gericht. Die Anklage: fahrlässige Körperverletzung.
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Fahrlässige Körperverletzung lautete die Anklage gegen eine junge Frau aus dem Landkreis. Foto: Oliver Berg, dpa

Eigentlich sollte es ein Besuch bei einer Bekannten werden. Da deren Vermieter ihr jedoch die Zufahrt zum Innenhof des Hauses in einer Ortschaft im Landkreis Kitzingen verwehrte, soll eine junge Frau ihn im vergangenen Sommer mit ihrem Auto erfasst haben. Der Mann erlitt eine Knieprellung. Dafür stand sie nun vor Gericht, die Anklage lautete fahrlässige Körperverletzung.

Dass sich der 59-jährige Vermieter des Grundstücks an besagtem Freitagabend vor das Auto der Angeklagten stellte und ihr damit die Zufahrt auf einen Stellplatz verwehrte, darin waren sich die Zeugen einig. Auch er selbst streitete es nicht ab. Wie er jedoch zu Boden kam, ließ sich auch am Ende der Verhandlung nicht ganz rekonstruieren. Wie sich später herausstellte, war der Mann zum Tatzeitpunkt stark alkoholisiert.

Zeugen machen widersprüchliche Aussagen

Vor dem Amtsgericht Kitzingen beteuerte die Angeklagte, ihr Fahrzeug nach dem Streit mit dem Vermieter nicht bewegt zu haben. Während einer der Zeugen gesehen haben will, wie die Angeklagte ihr Fahrzeug nach vorne bewegte, erinnerten sich andere daran, dass sie rückwärts fuhr. Die Richterin verlas die Aussage der Bekannten der Angeklagten, die bei der Verhandlung nicht als Zeugin anwesend war.

Die Staatsanwaltschaft war sich sicher: Zwar gibt es vom Tathergang verschiedene Varianten. Dass sich das Fahrzeug allerdings – entgegen der Aussage der Angeklagten – bewegt haben soll, darin seien sich die Zeugen einig gewesen. Richterin Patricia Finkenberger gab zu bedenken, dass die Mehrzahl der angehörten Zeugen einem Interessenkonflikt unterliege. So waren zwei der Zeugen zur Tatzeit selbst Mieter des Geschädigten und standen mit ihm allem Anschein nach in einem schwierigen Verhältnis. Zwei weitere Zeugen machten keine Aussagen zum Tathergang.

Ein Problem bei der Geschichte sei, dass der Anlass des Ganzen „eine völlig unberechtigte Besitzwehr“ war, so die Richterin. Letztlich beschloss das Gericht, die Anklage einzustellen, um der alleinerziehenden Mutter keine unzumutbaren Kosten aufzuerlegen.

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