Volkach

Michaelskapelle wird kaum genutzt, soll aber saniert werden

Der Volkacher Stadtrat beschäftigte sich mit einer grundlegenden Frage: Wie soll man umgehen mit wenig genutzten, sanierungsbedürftigen Denkmälern? Mit klarer Antwort.
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In die Michaelskapelle in Obervolkach hatte Anfang August 2018 der Blitz eingeschlagen, doch schon vorher hatte das Gebäude einige Schäden. Nun soll mindestens das Dach saniert werden. Foto: Barbara Herrmann

Die Ziegel sind farblich wild vermischt, durch den kompletten Giebel zieht sich ein Riss und um das kaputte Türmchen ist eine grüne Plastikfolie gewickelt: Die Michaelskapelle in Obervolkach ist in einem beklagenswerten Zustand. Sie habe, erläuterte Bürgermeister Peter Kornell (Freie Wähler), seit den 1950er Jahren keine größere Aufmerksamkeit mehr erfahren. Das soll sich ändern, war sich der Volkacher Stadtrat am Montagabend einig. Schön wäre allerdings, das wurde in einer kurzen Diskussion deutlich, wenn das sanierte Kirchlein hinterher mehr genutzt wird.

Bauingenieur Bernd Mittnacht vom gleichnamigen Würzburger Büro zeigte dem Stadtrat, wo die Schwachstellen des gut 300 Jahre alten Gebäudes sind. Und das sind einige. Schon vor zehn Jahren hatte der Planer die Kapelle am Friedhof untersucht und ein Gutachten zu einer möglichen Sanierung erstellt. Doch ohne Folgen. Der Blitzeinschlag im August 2018 verursachte weitere Schäden, die Michaelskapelle blieb seitdem geschlossen.

Neues Dach, neuer Anstrich

Das neue Gutachten Mittnachts veranschlagt nun Kosten von rund 260 000 Euro – nur für die Sanierung des Daches. "Ich habe mit Schlimmerem gerechnet, das ist zu schultern", kommentierte Kornell diese Schätzung. Repariert werden müssen laut dem Planer unter anderem "Uraltschäden im Dachtragwerk" und das schiefe und kaputte Türmchen, der sogenannte Dachreiter. Die Idee ist nun, das Dach instand zu setzen und dann neu einzudecken. Mit einheitlichen Biberschwanz-Ziegeln.

Allerdings ist es mit der Dachsanierung allein nicht getan. Zweite Bürgermeisterin Gerlinde Martin, die in Obervolkach wohnt und im Stadtrat immer wieder wegen der Kapelle nachgehakt hatte, sprach aus, was im Raum schwebte: "Wenn das Gerüst sowieso steht, wie wär's mit einem neuen Anstrich?" Natürlich sei es dann sinnvoll, vorher die großen Risse im Mauerwerk geflickt und das Problem feuchter Stellen gelöst zu haben. 

"Es ist ein Denkmal, wir dürfen es als öffentliche Hand nicht einfallen lassen."
Peter Kornell, Bürgermeister Volkachs

Widerspruch gab es dagegen nicht, allerdings hakte etwa Gaibachs Ortssprecher Holger Scheidig nach, wie die kleine Kirche denn künftig genutzt werde. Dort sei "nicht viel los", bestätigte Kornell, stellte aber klar: "Es ist ein Denkmal, wir dürfen es als öffentliche Hand nicht einfallen lassen." Zudem betonte Martin, dass sie Kapelle auch wieder mehr genutzt werde, wenn sie wieder besser beieinander sei.

Mehrere Vorschläge für mehr Leben in der Friedhofskapelle fanden wenig Anklang. Als Aussegnungshalle, wie Dieter Söllner (SPD) vorschlug, ist das Gebäude wegen seines schmalen Eingangs und eng begrenzten Raums wenig geeignet. Und ob eine Nutzung als Kolumbarium zur Aufbewahrung von Urnen sinnvoll und gewünscht ist, bezweifelte der Bürgermeister selbst, der die Idee in den Raum geworfen hatte.

Trotz fehlender "sinnvoller Alternative", so Kornell, blieb es am Ende bei der angedachten Sanierungslösung: "Denkt euch auf die Summe nochmal einen Batzen drauf und plant es für den Haushalt 2020 ein."

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