GEISELWIND

Metal-Frauenpower in Geiselwind

Die norwegisch-deutsche Gruppe Leaves' Eyes ging in der Music Hall in Geiselwind mächtig ab. Auch wenn das nur gut 100 Leute sehen wollten.
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Metal-Konzert in der geiselwinder Music Hall mit den Bands "Leaves' Eyes" und "Diabolus in Musica" Foto: Michael Bauer

Frauenpower in Geiselwind: Symphonic Metal mit weiblichem Gesang hat sich etabliert, und hinter dem Flagschiff Nightwish hat sich eine breite Flotte postiert in den letzten Jahren. Zu den Arrivierten der Szene gehören längst auch  Leaves' Eyes. In der Music Hall wollen zwar kaum mehr als 100 Fans die norwegisch-deutsche Gruppe um Frontfrau Liv Kristine sehen, doch die feiern die Blondine und ihre fünf Jungs mächtig ab.

Einer der Jungs ist ihr Ehemann: Alexander Krull, Sänger der deutschen Death-/Dark-Metal-Combo Atrocity, turnt putzmunter auf der Bühne herum, stachelt die kleine Menge an, haut immer wieder seine tiefen Growls dazwischen. Beinahe scheint's, als wolle er seiner Gattin die Schau stehlen. Und steht damit selbstverständlich auf verlorenem Posten. Denn die kleine Blonde aus dem hohen Norden macht nicht nur auf große Stimme, sie hat sie auch. Mit pathetischen Gesten nimmt sie ihre Zuhörer mit auf eine Reise durch die kriegerische Welt der Wikinger und ihrer edlen Damen.

Da hat sich in zwölf Jahren Bandgeschichte eine üppige Stoffsammlung angehäuft. Natürlich gibt's reichlich Material der neuen Scheibe "King of Kings", allen voran die für die Gruppe recht harte Nummer "Halvdan the Black" gleich zu Beginn. Mit ihren 39 Jahren wirkt die zierliche Liv Kristine immer noch so jugendlich wie eine norwegische Waldelfe, deren süßes Lächeln im Kontrast zum nicht so ganz unschuldigen, schwarzen Outfit mit Corsage, Mini und hohen Stiefeln steht.

Ein bewusste Stilbruch, der sich auch in der Musik widerspiegelt: Immer wieder treffen harte, fast schon brachiale Riffs und schnelles Schlagwerk auf zuckersüße Melodien und epische Refrains. Eine spannende Mischung.

Nicht ganz so vielschichtig präsentieren sich davor Diabulus in Musica. Die Spanier liefern ihrer charismatischen Sängerin Zuberoa Aznarez eine eher schmalbandige musikalische Basis. Stumpfe Rhythmen, wachsweiche Keyboard-Arrangements - gut, dass die (deutlich sichtbar) Schwangere da ihre kräftige, beinahe operettenhafte Stimme drüber legt.

Beim Buchstabieren des Bandnamens Diabulus ist übrigens höchste Aufmerksamkeit geboten: Das erste "u" ist ein ganz wichtiges, um jeder Verwechslung mit dem Titel einer 90er-Jahre-Platte einer ganz anderen Band aus dem Weg zu gehen - "Diabolus in Musica" heißt ein Werk der Thrash-Götter Slayer. Und das ist ja mal eine ganz andere Baustelle.

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