Würzburg
MESSERATTACKE

Messerattacke auf die Ex-Frau: "Wie ein Rollkommando"

Der Anlass ist nichtig, die Tat blutrünstig. Weil sein Sohn kurzfristig einen Termin absagte, rastete der Mann aus und attackierte brutal die neue Familie seiner Ex-Frau.
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Ein damals 46-jähriger Mann ging im Juni 2018 in Sulzfeld am Main mit einem Messer auf seine Ex-Frau und deren neue Familie los. Foto: redstallion

Eigentlich wollte er am nächsten Tag mit seinem Sohn auf eine türkische Hochzeit. Doch dann kam am Abend überraschend die Absage. Der Vater, bereits stark alkoholisiert, wollte das nicht akzeptieren, geriet in Rage und rief zwei Mal kurz hintereinander bei seiner Ex-Frau an, weil er vermutete, dass sie dahintersteckte. Am Telefon drohte er, dass er alle umbringen würde, setzte sich dann in sein Auto und fuhr nach Sulzfeld am Main (Lkr. Kitzingen) zur Wohnung der Ex und der gemeinsamen Kinder. Was dann dort ablief, ist für den Anwalt der Frau, die am Dienstag als Nebenklägerin vor Gericht auftrat, vergleichbar mit einem "Amoklauf". 

Ex-Frau mit Messer in den Arm gestochen

Den 22. Juni 2018 wird die Familie wohl nie mehr vergessen. Der damals 46-Jährige tritt in seiner Wut die Tür des Mehrfamilienhauses in Sulzfeld ein, trifft zunächst auf den künftigen Schwiegervater seiner Ex-Frau, schlägt und tritt ihn und bedroht ihn mit einem Messer. Dann geht er weiter ins nächste Stockwerk und trifft auf den neuen Lebensgefährten seiner Frau. Auch ihn attackiert er, hält ihm sogar das Messer unter das Auge. Die Ex-Frau kommt dazu. Der Mann packt sie an den Haaren, sticht ihr mit dem Messer in den Arm und in die Finger. Er ruft: "Ich stech' Dich ab!" 

In ihrer Todesangst gelingt es der Frau einen Staubsauger zwischen sich und dem Angreifer zu werfen. Sie kann fliehen. Auch ihr Ex-Mann ergreift die Flucht, wirft unterwegs das Messer ins Gebüsch, wird aber schließlich von der Polizei gestellt und festgenommen. Noch vor dem Ermittlungsrichter gesteht er die Tat. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. 

"Er wollte seine Frau demütigen, sie maximal erniedrigen, sie in Todesangst bringen."
Vertreter der Staatsanwaltschaft

Haft ist für den 47-Jährigen nichts Fremdes. Er wurde bereits drei Mal wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Darunter auch ein Fall, der ähnlich ablief und bei dem auch ein Messer im Spiel war. Insgesamt sieben Einträge weist das Bundeszentralregister unter seinem Namen auf. 

Anklage lässt den versuchten Totschlag fallen 

Vor Gericht zeigt der Mann Reue und räumt erneut alles ein. Sein Anwalt entschuldigt sich bei den Opfern. Ein Vergleich wird angeboten. Die Ex-Frau, ihr neuer Lebensgefährte und der künftige Schwiegervater - alle treten als Nebenkläger auf - sollen Schmerzensgeld bekommen. Sie akzeptieren das. 

Die Staatsanwaltschaft geht nach der Hauptverhandlung nicht mehr von einer versuchten Tötung aus. Zum einen, weil der Angeklagte bestreitet, dass er seine Frau töten wollte. Zum anderen habe er seinem Opfer auch keine relevanten Stichverletzungen zugefügt. "Wenn er in diesem Ausnahmezustand eine Tötungsabsicht gehabt hätte, dann hätte er sie auch umgesetzt", ist sich der Vertreter der Staatsanwaltschaft sicher. "Stattdessen wollte er seine Frau demütigen, sie maximal erniedrigen, sie in Todesangst bringen. Das hat er auch erreicht." Eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren sei daher tat- und schuldangemessen. Dabei geht der Staatsanwalt von einer gefährlichen Körperverletzung in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung, Bedrohung und Hausfriedensbruch aus. 

Ex-Frau leidet noch heute unter der Messerattacke

Der Anwalt der Frau spricht von einem "Amoklauf aus nichtigem Anlass" und von "glücklichen Umständen", die dafür sorgten, dass nicht mehr passiert sei. "Die Wohnung war mit Blut übersät, Glasscherben lagen überall." Er geht auch davon aus, dass seine Mandantin während der Ehe von ihrem Mann geschlagen worden sei. Sie will das aber so nicht sagen, es belaste sie zu sehr. Noch heute leide die Frau unter der Messerattacke ihres Ex-Mannes. Auch er fordert eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Die beiden anderen Nebenkläger schließen sich an. 

"Amoklauf ist leicht übertrieben", sagt der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Er vergleicht das aggressive Vorgehen des Angeklagten vielmehr mit einem "Rollkommando", das am Abend des 22. Juni in das Haus gestürmt sei und sämtliche Hindernisse aus dem Weg geräumt hat. Eine Tötungsabsicht kann auch das Gericht nicht erkennen. Der 47-Jährige wird wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung, Bedrohung und Hausfriedensbruch zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.  

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