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Kitzingen

Medien und Verantwortung: Handwerk des Journalisten bleibt

Kaum eine Branche ändert sich seit Jahren so stark wie die der Medien. Wo bleibt deren Verantwortung? Besucher stellten verantwortlichen Journalisten auch kritische Fragen.
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Überschaubar aber engagiert: Die Diskussionsrunde zum Thema Verantwortung der Medien am Dienstagtagabend in der Kitzinger Rathaushalle. Foto: Robert Haaß

Was kann sich ein Besucher einer Diskussionsrunde zum Thema "Medien in der Verantwortung" mehr wünschen, als eine gemütliche und übersichtliche Runde auf Sofa und Stühlen rund um einen Couchtisch mit kompetenten Ansprechpartnern und der Möglichkeit, jederzeit in die Diskussion einzusteigen und mitzureden? Viel mehr an Publikumsnähe geht wohl kaum, wie am Dienstagabend in der Kitzinger Rathaushalle. Denn mitten unter der übersichtlichen Zahl an Besuchern saßen die Besucher direkt neben den drei Fachleute des Abends, gestandenen Journalisten aus unterschiedlichen Generationen. Diese boten Einblick in das aktuelle Mediengeschehen, stellten sich aber auch durchaus kritischen Fragen.

Anton Sahlender, Ruheständler und ehemaliges Mitglied der Chefredaktion der Main-Post, Eberhard Schellenberger, seit 42 Jahren Journalist und Leiter des Studios Mainfranken des Bayerischen Rundfunks, dessen Berufsleben bald endet, und Ivo Knahn, mitten im Leben stehender stellvertretender Chefredakteur der Main-Post, machten deutlich: "Die Verantwortung der Medien gab es schon immer, sie ist aber gewachsen", wie Sahlender es auf den Punkt brachte. Grund dafür sind die "neuen" Medien, in denen sachliche Darstellung und Meinung immer mehr vermischt werden, so Schellenberger. Dieser war immer stolz auf Meinungsfreiheit in den Medien war und sagte: "Wir sind nicht gesteuert."

Den Wandel der Medienlandschaft gestalten

Dass der Blick auf die Medienentwicklung durchaus auch eine Generationenfrage ist, machte die Einschätzung der künftigen Entwicklung deutlich – während die beiden älteren Journalisten dabei ein "mulmiges Gefühl" beschleicht, gab es Widerspruch von Knahn, der den Wandel in der Medienlandschaft noch aktiv mitgestalten könne. Eine große Aufgabe dabei: Die Mitarbeiter durch diesen Wandel zu führen.

"Die Basisaufgaben haben sich verändert, das Handwerk ändert sich nicht", sagte Knahn. Meldungen verifizieren, manipulierte Fotos und Texte erkennen, sei der eine Bereich. Das Nutzerverhalten messen, daraus die Bedürfnisse der Nutzer erkennen und darauf zu reagieren, die andere Seite. "Wir als Profi-Medienmacher müssen beweisen, dass man uns vertrauen kann", meinte der Journalist, für den es dabei auch darauf ankommt, Fehler zu erkennen und offen zu legen.

Wie angesichts sinkender Abonnentenzahlen solchen Journalismus noch finanzieren? Das war nur eine der Fragen aus dem Publikum, das – vielleicht der Altersstruktur geschuldet – auch einer gewissen "Zeitungsromantik" anhängig war. Soll heißen: Zu viele Promigeschichten stehen zu wenig tiefgründigen Recherchen gegenüber. Allerdings: "Nebensächlichkeiten machen unser Leben schön, sind auch wichtig", so Knahn. Und weiter: "Unsere Aufgabe ist nicht, die Menschen zu belehren, sondern zu zeigen, was draußen los ist." Werde das richtig kanalisiert, dann wird der "gute Journalismus" weiter leben – allerdings auf anderen Bahnen.