DIESPECK.

Maßgeschneiderte Instrumente für Musiker von Welt

Einer der besten Blechblasinstrumentenbauer der Welt lebt in Diespeck im Landkreis Neustadt/Aisch. Musiker aus der ganzen Welt gingen in seiner Werkstatt aus und ein.
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Rudi Meinl in seinem Element. In seiner Werkstatt in Diespeck entstanden die Instrumente, die Solisten und Orchestermusik auf den Bühnen der großen Häuser in aller Welt spielen. Foto: Fotos: KARL GRAF ZU CASTELL-RÜDENHAUSEN
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Rudolf Meinl hatte keine leichte Kindheit. Wie hunderttausende andere Deutsche wurde er 1945 gezwungen, seine Heimat Böhmen zu verlassen. Mit 25 Kilogramm Gepäck und einer Holzkiste war er zusammen mit seinen Eltern monatelang auf dem Viehwagen unterwegs. Mit seinen Eltern fand er in Mittelfranken eine neue Heimat. Die Ausbildung zum Instrumentenbauer konnte beginnen. „Das war eine schwere Zeit“, erinnert sich Meinl. Mitunter war sie das auch im wortwörtlichen Sinn. „Ein großer Bogen, mit Blei gefüllt, wiegt bis zu zweieinhalb Zentner“, erzählt der Senior. „Da brauchte man zwei bis drei Mann, um ihn in Form zu biegen“.

Cimbassi machten ihn berühmt

1956 legte Meinl seine Gesellenprüfung ab. 1966 fertigte er eine Tuba als Meisterstück und bestand die Meisterprüfung. Zwei Jahre später übergab ihm seine Vater die Firma. Jahrelang war er im Gesellen- und im Meisterprüfungsausschuss aktiv, 1984 überreichte ihm der damalige Bundespräsident Karl Carstens eine Auszeichnung für hervorragende Ausbildung junger Menschen.

Die Instrumente von Rudolf Meinl werden von einigen der weltbesten Tuba-Spieler geblasen und weiter empfohlen. Solisten aus Deutschland, der Schweiz, den USA und anderen Ländern ließen sich eine original Meinl-Tuba quasi auf den Leib schneidern. Auf besonderen Wunsch baute er auch Instrumente in der Wiener und der Französischen Griffweise. International bekannt wurde er mit seinen Cimbassi, die er 1986 erstmals auf den Weltmarkt brachte. Die Bass- oder Kontrabass-Ventilposaunen werden vorwiegend in italienischen Opern von Verdi und Puccini eingesetzt. Seine kleine Werkstatt verließ Meinl selten. Auf Fachmessen war er präsent, traf sich auf Wunsch mit den Solisten berühmter Orchester in den Metropolen dieser Welt. Ansonsten ließ Meinl gerne seine Instrumente für sich sprechen.

Im Bolschoi-Theater zu hören

Robert Tucci von der Münchner Staatsoper, Professor Josef Steinböck aus Salzburg, Könner aus Dänemark, Schweden, Österreich, Kanada und den USA kamen zu ihm. Auf seinen Instrumenten wird in Putins russischem Polizeiorchester und im Bolschoi-Theater in Moskau geblasen.

1998 erhielt Meinl den Deutschen Musikinstrumentenpreis für seine „5/4 Tuba Modell Bayreuth“. Seine Lebensleistung wurde mittlerweile auch international gewürdigt. Die Internationale Tuba Euphonium Association mit Sitz in den USA zeichnete ihn für sein Lebenswerk aus. In einem amerikanischen Fachblatt für Blechblasinstrumente wird Rudolf Meinl nicht nur als meisterhafter Handwerker, sondern auch für seinen Einsatz in Forschung und Entwicklung gelobt. Trotz handwerklicher Erfahrung und Fertigkeit hat er nie auf modernste Messtechnik verzichtet. Meinl besaß als einer der ersten Instrumentenbauer einen elektronischen Messplatz. Das computergesteuerte Gerät wird für Qualitätsparameter von Blechblasinstrumenten verwendet, beispielsweise zur Ermittlung der Resonanzeigenschaften. Nach seinem 70. Geburtstag zog sich Rudi Meinl aus seiner Firma zurück und übergab diese seinem Sohn. Seine Handschrift lebt aber in jedem seiner Instrumente weiter.

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