Martinsheim

Martinsheim wehrt sich gegen drittes Windrad beim Nachbarn

Normenkontrollklage gegen Bebauungsplan - Anlage nur 970 Meter von Wohngebiet entfernt
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Zwei Windräder drehen sich schon bei Herrnberchtheim. Jetzt läuft die Planung für ein drittes weiter. Dagegen hatte sich Widerstand aus Herrnberchtheim selbst und aus der angrenzenden Gemeinde Martinsheim formiert. Letztere will nun Normenkontrollklage erheben. Foto: Gerhard Krämer

Die Gemeinde Martinsheim will gegen den Bebauungsplan "Sondergebiet Windkraft – Zwieburg, Ippesheim" der Nachbargemeinde Ippesheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) eine Normenkontrollklage einreichen. Ein Würzburger Anwaltsbüro bereitet derzeit die Klage vor.

Zwei Windräder stehen bereits auf der Gemarkung des Ippesheimer Ortsteils Herrnberchtheim. Ein drittes soll nun folgen. Da diese Windkraftanlage selbst für Herrnberchtheim die 10H-Regelung nicht einhält, hat die Marktgemeinde Ippesheim, bei der die Planungshoheit liegt, mit einem Bebauungsplan "Sondergebiet Windkraft" die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen. Durch die Bauleitplanung der Gemeinde macht es diese möglich, dass die geltende 10H-Regelung für diesen Bereich durch die eigene Planung ersetzt wird. So beträgt nun der Abstand etwa 970 Meter, also weniger als die Hälfe des bei der 10H-Regelung gegoltenen Abstands.

Beim Bürgerentscheid am 14. Oktober 2018 hatten sich 54,3 Prozent der Wähler in der Gemeinde Ippesheim für die Weiterverfolgung der Bauleitplanung zum Bau eines dritten Windrads nahe des Ortsteils Herrnberchtheim ausgesprochen. In Herrnberchtheim selbst hatte sich, nachdem bekannt geworden war, dass die Anlage nur rund 970 Meter von der Wohnbebauung entfernt stehen soll, teils heftiger Widerstand geregt.

Von Anfang an dagegen

Die Nachbargemeinde Martinsheim, die selbst Windkraftanlagen auf eigenem Gebiet, nämlich bei Unterickelsheim wegen des zu geringen Abstands zum Ort abgelehnt hatte, war von Anfang an gegen die Pläne für ein drittes Windrat bei Herrnberchtheim. Ihre Einwände wurden zwar gehört, doch nicht berücksichtigt. Insbesondere sei der Ortsteil Unterickelsheim von Schattenwurf betroffen, hatte es geheißen. Deswegen geht die Gemeinde Martinsheim laut Bürgermeister Rainer Ott nun den Weg der Normenkontrollklage.

"Es ist eigentlich nicht richtig, dass einem Nachbarn so etwas vor die Türe gesetzt wird", ärgert sich  Rainer Ott. Darüber sei man im Gemeinderat einig gewesen. Die Gemeinde, so steht es in der Beschlussvorlage des Gemeinderats, sieht sich in ihren Rechten verletzt.

217 Meter Gesamthöhe

Die geplante Anlage vom Typ Vestas V 136 hat eine Nabenhöhe von 149 Metern, der Rotordurchmesser beträgt 135 Meter. Die Gesamthöhe ist 217 Meter. Damit wäre nach 10H 2170 Meter zu Wohngebäuden einzuhalten. Das geplante Windrad ist zum ersten Haus in Gnötzheim wie aus einem Plan hervorgeht nur 1683 Meter entfernt, in Unterickelshein sind es zu zwei Häusern 1854 beziehungsweise 1857 Meter.

Geändert hat sich mittlerweile die Leistung. Die steigt, wie es in der Ippesheimer Gemeinderatssitzung vom Mai dieses Jahres bekanntgegeben wurde, von 3,48 auf 3,6 Megawatt. Grund ist, dass es den früheren Typ nicht mehr gibt. Die Gondel sei nun 60 Zentimeter länger.

Derzeit liegt das Genehmigungsverfahren für die Anlage noch beim Landratsamt in Neustadt. Wie Pressesprecher Matthias Hirsch auf Anfrage dieser Zeitung sagte, sei es nahe dem Ende. Gewisse Unterlagen zu technischen Details müssten noch vorgelegt werden.

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